police academy (hugh wilson, usa 1984)

Veröffentlicht: Juli 26, 2016 in Film
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police_academy_filmIch behaupte: Wer 1984, als POLICE ACADEMY in deutschen Kinos mit über 5 Millionen Zuschauern zum erfolgreichsten Film des Jahres avancierte (zuvor hatte er schon in den USA abgeräumt, wo er immerhin auf Platz 6 der Jahrescharts abschloss), so um die zehn Jahre alt war, für den war dieser Film eine der „top priorities of the year“. Ich habe ihn damals zwar nicht im Kino gesehen, sondern erst später auf Video, aber auch für mich gab es keinen Zweifel daran, dass POLICE ACADEMY ein Geschenk der Götter war. Die stattliche Zuschauerzahl lässt kaum einen Zweifel daran, dass sich auch genug Erwachsene für die derbe Komödie interessierten, aber ich könnte mir durchaus vorstellen, dass sie erst von Eltern in solch astronomische Höhen getrieben wurde, die ihre hysterischen Buben ins Kino begleiten mussten.

So richtig ist das Phänomen POLICE ACADEMY heute aber nicht mehr nachzuvollziehen: Der wesentlich vom Drehbuchautor Pat Proft erdachte Stoff traf voll ins Schwarze und zog bis 1989 im Jahresrhythmus fünf Sequels (erst Teil 7 folgte dann mit einigem Abstand 1994) sowie etliche Nachahmer nach sich. Dabei erschöpfen sich die eher durch eine Idee als durch eine Story nur lose verbundenen Gags meist in sehr offensichtlichen Kalauern und tumben Slapstick-Nummern, die nie das Niveau und die Mehrdeutigkeit der strukturell verwandten ZAZ-Komödien erreichen (Proft schrieb später die Drehbücher für die NAKED GUN-Filme und die beiden HOT SHOTS!-Teile). Auch Schauwerte oder Stars sind Mangelware: Zwar erlangte Steve Guttenberg dank seiner Rolle als smarter Carey Mahoney kurzzeitigen Ruhm, und machte One-Trick-Pony Michael Winslow das Beste aus seinem überschaubaren Talent, aber im Wesentlichen ist der Erfolg des Films auf ein immens glückliches Händchen der Macher und eine günstige Konstellation der Sterne zurückzuführen. Darauf, sowie auf die generelle Antipathie, die dem Polizisten, jenem sich in einer Uniform versteckenden Besserwisser und Kontrolletti, seit jeher zuteil wurde und die auch POLICE ACADEMY gekonnt bedient. Alle Vorurteile, die man gegen die Polizei je hatte, kommen zum Tragen, und die hochrangigen Offiziere werden als Deppen oder eitle Klugscheißer enttarnt, deren Job selbst ein paar Taugenichtse erledigen können.

Was aber nicht darüber hinwegtäuschen soll, dass POLICE ACADEMY tatsächlich ziemlich witzig ist, witziger jedenfalls, als ich das vermutet hatte. Auch dank des großartigen Castings – nur Typen: Tackleberry (David Graf), Hightower (Bubba Smith), Hooks (Marion Ramsey), Callahan (Leslie Easterbrook), Barbara (Donovan Scott) – gelingt es Regisseur Wilson nämlich, die Defizite seines Films für sich arbeiten zu lassen. Die beiden Asse im Ärmel sind dabei die großartigen G. W. Bailey als eisenharter, missgünstiger Ausbilder Lieutenant Harris sowie George Gaynes als gutmütig-verpeilter Commandant Lassard, der schon ein bisschen Leslie Nielsens Frank Trebbin vorwegnimmt und bei ZAZ wahrscheinlich von Lloyd Bridges verkörpert worden wäre. Die größten Lacher gehen auf ihr Konto und zwar nicht, weil man ihnen solch granatenstarken Gags in den Mund gelegt hätte, sondern weil sie das mimische Handwerk der Reaktion zur wahren Kunstform erhoben haben. Dass Harris bei einem Motorradsturz kopfüber in einem Pferdearsch verschwindet, ist sicherlich keine Sternstunde der amerikanischen Komödie, aber wie er danach zum ersten Mal wieder mit indigniertem, leicht verstörtem Gesichtsausdruck vor seine grienenden Kadetten tritt, rehabilitiert die gesamte Sequenz und ist zum Schießen. Von Gaynes Performance, als sein Lassard bei einer Rede von einer unter seinem Rednerpult verborgenen Prostituierten (Seventies-Pornoikone Georgina Spelvin) einen Blowjob bekommt, ganz zu schweigen. Die ausgestellte Blödheit und Albernheit des Films wirkt auf Dauer tatsächlich ansteckend, weil die Darsteller voll in ihr aufgehen und auch die größte Idiotie noch mit jener vergeblichen Würde versehen, aus der hier mehr als einmal wenn schon nicht komödiantisches Gold, so doch sehr gepflegtes Silber entsteht. Meine Gattin sagte eben, sie habe den Film außerdem „unerwartet progressiv“ gefunden. Ich weiß nicht, ob ich das unbedingt so formulieren würde, aber es ist schon was dran: Männer und Frauen, Schwarz und Weiß sind gleichrangig und es ist weniger das Abweichen von der sexuellen Norm, dass der Film in seinen Zoten aufs Korn nimmt, als das krampfige Aufrechterhalten einer verlogenen Fassade. POLICE ACADEMY hat ein Herz für Außenseiter.

Kommentare
  1. noribori sagt:

    „For the next 17 years, through nursing school, Montessori, kindergarten, through T-ball, softball, soccer, volleyball and her passion for ballet, through sleepovers, summer camps, family vacations and Chelsea’s own very ambitious excursions, from Halloween parties in the neighborhood, to a Viennese waltz gala in the White House, Hillary first and foremost was a mother.

    She became, as she often said, our family’s designated worrier, born with an extra responsibility gene. The truth is we rarely disagreed on parenting, although she did believe that I had gone a little over the top when I took a couple of days off with Chelsea to watch all six “Police Academy” movies back-to-back.

    (LAUGHTER)“

    Aus: Bill Clinton’s Speech at the Democratic Convention

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