shifshuf naim (boaz davidson, israel/deutschland 1981)

Veröffentlicht: Juli 28, 2016 in Film
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eis_am_stiel_iiiMit dem dritten Teil der EIS AM STIEL-Reihe klinkten sich deutsche Produzenten in das Erfolgsgeschäft ein – und trieben die Verflachung weiter voran. Die Eröffnungssequenz gibt gleich einen guten Vorgeschmack auf das Kommende: Beim Spannen kracht der dicke Zachi Noy durch das Dach eine Duschbaracke, auf der Flucht vor den aufgebrachten Frauen fällt er am Strand in eine von seinen Kumpels ausgehobene Grube, die ihn sogleich einbuddeln und seinem Schicksal überlassen. Sie sind kaum verschwunden, da kommt auch schon ein Dreikäsehoch des Weges und pinkelt dem armen Tropf ins hilflos aus dem Sand guckende Gesicht. Ein Auftakt nach Maß.

EIS AM STIEL 3: LIEBELEIEN setzt verstärkt auf flache Zoten und frivole Späße, die die eigentliche Story über weite Strecken des Films völlig vergessen lassen. Benny (Yftach Katzur) ist glücklich mit der süßen Sally (Ariella Rabinovich) liiert, als ihm die kirschmundige Nikki (Orna Dagan) begegnet und ihm den Kopf verdreht. Nach einer Affäre ist Schluss mit Sally, doch Nikki entpuppt sich als echtes Luder, das Benny ständig mit anderen Typen provoziert. Benny, vorher der sensibelste und vernünftigste seiner Clique, tritt hier in die Fußstapfen seines Freundes Bobby (Jonathan Segal), der in den Filmen zuvor noch Momo hieß, diesen Namen aber aus unerfindlichen Gründen an Zachi Noy abtreten musste, welcher zuvor noch Johnny genannt ward: Eine Extravaganz, die die deutsche Synchro exklusiv hat. Das bedeutet, Benny benimmt sich Sally gegenüber wie ein Arsch und markiert ständig den eiskalten Hund, dem alles egal ist. Ironischerweise muss ihm ausgerechnet der Egofucker und Chauvi Bobby die Leviten lesen und ihm die Augen für Nikkis miesen Charakter öffnen: Wahrscheinlich, weil er sich selbst in ihr wiedererkennt. Ich hatte ja schon vorher angemerkt, dass die EIS AM STIEL-Reihe sehr ausschließlich aus männlicher Sicht erzählt ist, was sich nicht zuletzt darin äußert, dass Typen, die Frauen wie bessere Matratzen behandeln, echte Kerle sind, Frauen, die das gleiche tun, aber Huren. Nun ja. Hier und da blitzt Herz auf, meist in den Szenen zwischen Benny und Sally, ansonsten geht der dritten Installation sowohl der Realismus des Originals wie auch die Wärme des Sequels ab.

Wenn man die Ansprüche etwas zurückschraubt und einen vielleicht sogar nostalgische Bande an den Film ketten, ist er trotzdem ganz OK: Am besten sind eigentlich die Szenen mit Bennys Eltern (Menashe Warshavsky & Dvora Kedar), die besonders viel Screentime bekommen: Ich mochte die Szene, in der die Mama mit Benny in einem Bekleidungsgeschäft ist und mit dem alten Verkäufer über „Albert Pressler“ schwadroniert und um den Preis einer Hose feilscht. In einer langen Episode buhlen sowohl Benny als auch sein Vater um die Gunst der feschen Nichte Trixie (Sibylle Rauch), die dann in einer eher ekligen Szene wieder einmal von Momo und Bobby benutzt wird. Eine andere Episode dreht sich um eine nymphomane Klavierlehrerin und endet – ebenfalls ein beliebter Standard der Reihe – damit, dass der Dicke Haue bekommt, weil er sich an der Falschen vergreift. Der Film huscht so an einem vorbei, ohne wirklich anzustrengen: Durchaus eine Leistung, aber sein größter Fehler ist wohl, dass er gegenüber den Vorgängern einen merklichen Rückschritt bedeutet, er seine Charaktere nicht weiterentwickelt, sondern in ihrem pubertären Status verharren lässt – was sie nicht eben sympathischer macht. Benny wirkt mit seiner ausdruckslosen Trauermine beinahe wie ein Psychopath und die süße sommersprossige Sally kann einem beinahe Leid tun, dass sie am Schluss doch wieder auf ihn reinfällt. Ein bitterer Zerrspiegel des Endes vom ersten Teil.

 

 

 

 

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