police academy 6: city under siege (peter bonerz, usa 1989)

Veröffentlicht: August 8, 2016 in Film
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police_academy_6_posterIch erwarte ja nicht wirklich etwas von diesen Filmen und bin damit bislang ganz gut gefahren. Mir ist bewusst, dass den meisten Menschen völlig schleierhaft ist, wie man über den infantil-blöden Witz der POLICE ACADEMY-Reihe lachen kann, zumal über die stattliche Anzahl von sechs bzw. sieben Installationen hinweg. Filmisch geben sie ebenso wenig her wie inhaltlich, popkulturell sind sie zwar nicht gänzlich unbedeutend (das Wort „filmhistorisch“ möchte ich in diesem Zusammenhang nicht benutzen), nach knapp drei Jahrzehnten aber eher ein Relikt ohne echten, sprich bleibenden Einfluss. Die Regisseure, die sich an dem Franchise versuchten, waren Handwerker, die sonst kaum oder vorwiegend im Fernsehen in Erscheinung traten, für das Gros der Darsteller stellten die POLICE ACADEMY-Filme den einsamen Karrierehöhepunkt dar: Was im Idealfall ein Sprungbrett hätte sein sollen, entpuppte sich eher als Stigma, das abzulegen den meisten verwehrt blieb. Aber wenn man diesem Interview mit G. W. Bailey glaubt, dann konnten die meisten damit ganz gut leben, nahmen wenn schon keinen andauernden Ruhm, so doch einen kleinen Kultstatus und anhaltende Freundschaften mit. Es gibt also eigentlich nichts, was die Beschäftigung mit der POLICE ACADEMY-Reihe heute noch erforderlich machte. Und selbst wenn man wie ich ein Faible für dummdreiste Rohrkrepierer, Furzwitze, altbackenen Slapstick und verzweifelt überdrehende Synchros hat, ist die Sichtung aller sieben Teile ein entbehrungsreiches Unterfangen.

Immerhin ist die Talsohle mit dem furchtbaren vierten Teil durchschritten und Teil 6, wenn auch auf der internen Rangliste unweit von diesem an zweitletzter Position platziert, nicht annähernd so schmerzhaft, sondern nur egal. Die erste Hälfte des Films gefällt sogar noch ganz gut, weil es als Konzept eben fast schon ausreichend ist, einen spitzenmäßigen Charakterdarsteller wie G. W. Bailey als Harris in blödsinnige Kapriolen zu verstricken und ihn dann mit diesem konsternierten Gesichtsausdruck reagieren zu lassen, der immer auch Metakommentar zu sein scheint. Seine einseitige Rivalität mit Lassard (George Gaynes) erinnert etwas an den ewigen Streit zwischen Inspector Clouseau und Chefinspector Dreyfus, der durch die Anwesenheit seines trotteligen Gehilfen Proctor (Lance Kinsey) sogar noch gedoppelt wird. Ganz putzig sind außerdem die kaum zu übersehenden Tendenzen Richtung Comic, die möglicherweise der temporären Nähe zu den damaligen BATMAN- und DICK TRACY-Verfilmungen geschuldet sind. Die POLICE ACADEMY-Filme spielten schon immer in einer ungenannt bleibenden amerikanischen Großstadt, doch hier wird sie mit oldschooligen Verbrecherbanden und einem Mabuse-Verschnitt als kriminellem Mastermind Richtung pulpigbuntes Groschenheftchen verzeichnet.

Was hingegen gar nicht geht und den Film im letzten Drittel zu einer überaus nervtötenden Angelegenheit macht, ist der Versuch, die Pennälerkomödie dem Actionfilm und herkömmlichem Spannungskino anzunähern. Für das Schicksal der kaum als eindimensional zu bezeichnenden Polizisten interessiert man sich einfach nicht die Bohne, die Actionsequenzen sind hüftsteif, lahmarschig und öde inszeniert, mit Gimmicks wie einem aus dem Hut gezauberten Monstertruck kann man vielleicht noch Sechsjährige beeindrucken, darüber entlockt so ein Firlefanz dann nur noch ein müdes Lächeln. Der Showdown von POLICE ACADEMY 6: CITY UNDER SIEGE zieht sich über sage und schreibe endlose 25 Minuten hin: Mit wem wollte Peter Bonerz, der für eine Karriere als Sexrapper noch nicht mal ein Pseudonym gebraucht hätte, es aber trotzdem als Regisseur versuchte und überwiegend Serienpisoden inszenierte, hier eigentlich konkurrieren? Mit James Cameron? Nach Teil 6 zog sich die Reihe aufs Altenteil zurück, bevor irgendeine Flitzpiepe sie 1994 noch einmal reanimierte, sodass mir noch eines dieser Werke bevorsteht. Gott, lass die kursierenden Gerüchte eines Remakes niemals wahr werden!

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