slaughterhouse rock (dimitri logothetis, usa 1988)

Veröffentlicht: August 29, 2016 in Film
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slaughterhouse_rock_poster_01Der Jugendschützer oder „Zensor“ ist ja ein eher schlecht beleumundeter Zeitgenosse. Im günstigsten Fall hat er lediglich ein sehr eingeschränktes Verständnis von Kunst, dem die Anmaßung, für andere entscheiden zu können, was für sie gut ist, antiproportional entgegensteht, im schlimmsten ist er gar ein Faschist. Wenn man sich aber mal so anschaut, was für Werke im Laufe der Jahre beschlagnahmt wurden, kann man durchaus auch zu dem Schluss kommen, dass hinter manchem Bescheid wahrscheinlich gar kein überzogener moralischer Anpruch steckte, sondern einfach das Bedürfnis, den Videokunden 90 sinnlos und spaßfrei vergeigte Minuten zu ersparen und Filmemachern/Produzenten zu signalisieren: so nicht. Anders lässt es sich jedenfalls nicht erklären, dass SLAUGHTERHOUSE ROCK – zu Deutsch SLAUGHTERHOUSE – verboten wurde. Ich kenne Kinderfilme, die furchteinflößender sind. Natürlich war es dieses Verbot, das den Film während meiner Videotheken-Zeit überhaupt interessant machte, aber schon damals, als ich noch recht einfach zufriedenzustellen war, flog dieser Film nach kürzester Zeit aus dem Player. Auch heute war die Sichtung eine Qual: Vier Anläufe brauchte ich für den 85-Minüter und nur mein grenzenloses Pflichtbewusstsein (sowie mein krankhafter Komplettierungswahn, was Achtzigerjahre-Horror angeht) ließ mich Logothetis‘ erschreckend inkompetentes Werk durchstehen.

SLAUGHTERHOUSE ROCK ist ein kaum verhohlenes Rip-off der damals noch megaerfolgreichen NIGHTMARE-Filme um Freddy Krueger: Der Student Alex (Nicholas Celozzi) wird von bizarren Albträumen geplagt, die ihn mehr und mehr belasten. Eine an Parapsychologie interessierte Lehrerin kommt schließlich auf die Idee, dass Alex vom Geist eines auf Alcatraz verendeten Serienmörders und Okkultisten gerufen wird. Die nächtliche Reise zur ehemaligen Gefängnisinsel bietet reichlich Anlass für nicht enden wollendes Gelatsche im Halbdunkel, zahnlosen Stalk-and-Slash-Horror sowie missratene Übungen in Humor. Es funktioniert wirklich gar nichts. Noch nicht einmal Schadenfreude ermöglicht der Film, weil Logothetis das alles viel zu Ernst nimmt. Er wollte offenkundig einen spannenden Horrorfilm  drehen, weshalb er sich scheut, ihn voll in den Wahnsinn abdriften zu lassen: Selbst die bescheuertsten Momente werden noch mit freudloser Zurückhaltung inszeniert. Seine Charaktere sind fürchterliche Kackbratzen mit seltsamen Vorstellungen von gesellschaftlich adäquatem Verhalten, die Schauspieler farblos bis unsympathisch. Die Story ist hanebüchen und vor allem katastrophal umständlich: Es wirkt, als habe man hier zwei oder drei halbgare Drehbuchansätze planlos zusammengeklatscht, ohne sich groß um Sinnfragen zu scheren. Passt schon. Das Alcatraz-Setting (wahrscheinlich wurde in irgendeiner Industrieruine gedreht) hätte sogar was hergegeben (die Fotografie ist dann auch das Beste, sprich: am wenigsten Misslungene), aber vor Ort entschließt sich Logothetis dann aus unerfindlichem Grund für bizarren Geisterspuk. Da taucht wie aus dem Nichts ein weibliches Gespenst (Toni Basil) in scheußlichem Fummel und extrovertierter Hutmode auf, das Alex in ausschweifenden, rückblendenreichen Dialogen einen vom Pferd erzählt und dann und wann in peinliche Tanzeinlagen verfällt. Alex‘ Bruder Richard (Tom Reilly) latscht indessen als Vampirwesen durchs Gemäuer und meuchelt die gemeinsamen Kumpels dahin, die im Stile von AMERICAN WEREWOLF wiederkehren und ihr Ableben „humorvoll“ kommentieren. Es ist ein Rätsel, was das alles soll. War wirklich jemand der Meinung, dieser Film sei nicht grausam öde und doof? Vielleicht funktioniert SLAUGHTERHOUSE ROCK im Kreise von Freunden mit ein paar Bieren oder härteren Stoffen, aber selbst dann würden mir Dutzende geeignetere Kandidaten einfallen.

 

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