satan’s blade (l. scott castillo jr., usa 1980)

Veröffentlicht: September 1, 2016 in Film
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dvd-front-satans-bladeSATAN’S BLADE wurde im Jahr 1980 gedreht, dem Jahr, in dem Sean S. Cunninghams FRIDAY THE 13TH den Slasherboom lostrat, und zwar von einem Mann namens L. Scott Castillo jr., der sich zuvor in etlichen Berufen versucht hatte und auch als Regisseur eine Eintagsfliege bleiben sollte. Den Slasherfilm als solchen gab es zum Zeitpunkt seines Entstehens noch gar nicht, weshalb SATAN’S BLADE einer jener skurrilen Vorläufer des Subgenres ist, die zwar erkennen lassen, dass da etwas in der Luft lag, aber selbst nicht ins enge Korsett passen wollen. SATAN’S BLADE war eine Ultra-Low-Budget-Produktion, wurde privat finanziert und fand dann auch lange keinen Verleih: Als er 1985 endlich auf Video erschien, da war der Slasherfilm längst in seine dritte Phase eingetreten und Castillos Film musste gnadenlos überkommen wirken. Nicht nur, dass sein schäbiger Quasi-Siebzigerlook hoffnungslos aus der Mode gefallen wirkte, er konnte auch mit den in jenen Tagen immer greller werdenden Special Effects und dem selbstreferenziellen, comichaften Humor der aktuellen FRIDAY THE 13TH- oder NIGHTMARE ON ELM STREET-Sequels nicht mithalten. Aber wie die Geschichte so spielt: Dieser Tage hat SATAN’S BLADE den Ritterschlag einer Arrow-Veröffentlichung erhalten und kann nun in voller nicht vorhandener Pracht genossen werden.

Der Film beginnt ein bisschen wie PSYCHO: Eine Bank wird überfallen, die beiden weiblichen Angestellten von den Tätern, von denen wir nur die groben Arbeiterschuhe sehen, umgebracht. In ihrem Versteck, einer Blockhütte in den verschneiten Bergen, angekommen, entpuppen sie sich als Frauen und ziehen sich erstmal aus, bevor die eine die andere kaltblütig umbringt: Teilen saugt! Doch der Mörderin bleibt nicht viel Zeit zum Feiern, denn ein Killer stürmt herein und tötet auch sie. Die Polizei findet am nächsten Tag die brutal zugerichteten Leichen sowie blutige Malereien an der Wand und steht vor einem Rätsel. Danach geht es eher typisch weiter: Die zwei Grupen von Urlaubern, die am nächsten Tag eintrudeln – zwei befreundete Pärchen sowie eine Clique von fünf Mädels -, dürfen sich von der Blockhüttenvermieterin die Legende eines rachsüchtigen Riesen anhören, der in den Wäldern sein Unwesen treibt, lassen sich aber nicht abschrecken. Das ändert sich, als irgendwann das große Sterben losgeht …

… wobei den Urlaubern bis dahin noch reichlich Zeit bleibt: Eine gute halbe Stunde vergeigt Castillo für trantütiges Padding und die Einführung von Charakteren, die einen nicht wirklich interessieren müssen. Der ganz große Teenieschwachsinn bleibt einem dankenswerterweise erspart, weil die Protagonisten allesamt erwachsen sind, aber ihre Sorgen und Nöte sind kaum weniger banal und vor albernen Streichen schrecken auch sie nicht zurück. Wenn der Killer dann seine Aufwartung macht, wird SATAN’S BLADE aber relativ ruppig, wenn auch nicht wirklich grafisch. Aber es hilft sogar, dass hier kein Latexkünstler engagiert wurde: Überkandidelte Splattereinlagen hätten hier nicht reingepasst und die verhaltene Kunstblutschmiererei hinterlässt gerade in Verbindung mit dem effektiv-minimalistischen Klavierscore, der dann und wann von industriellem Gedröhne zerrissen wird, seine Spuren. Schade nur, dass eine frühe Albtraumsequenz gruseliger ist als das echte Gemetzel. Der Film schließt mit der Andeutung eines Sequels und den markigen Worten „The Legend continues!“, doch dazu kam es trotz der Bemühungen Castillos nicht. Schon ein bisschen schade, denn irgendwie finde ich diesen Billighobel recht charmant. Als Highlight würde ich ihn jetzt nicht unbedingt bezeichnen, aber es ist einer jener Filme, bei denen sich alle offenkundigen Verfehlungen wie durch Zauberei zu einer eigentümlichen Atmosphäre verbinden.

 

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