headhunter (francis schaeffer, südafrika 1988)

Veröffentlicht: September 4, 2016 in Film
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headhunter01Ich habe drei oder vier Anläufe gebraucht, um HEADHUNTER zu schauen und nach dem ersten gescheiterten Versuch, bei dem ich gleich mehrfach weggepennt war, hatte ich eigentlich noch vorgehabt, es dabei zu belassen. Der auf der Halbsichtung basierende Text war schon geschrieben, was ich ja eigentlich sonst nicht mache: Es war meine Gattin, die mich davon überzeugte, dem Film noch eine Chance zu geben. Und sie hatte ja auch einen Punkt, denn HEADHUNTER ist schon irgendwie faszinierend: Ihn einfach als Gurke zu bezeichnen, wird ihm nicht gerecht. Es handelt sich nicht, wie ich dachte, um einen typischen Horror-/Slasherfilm der Achtzigerjahre-Prägung, sondern eigentlich um einen trotz aller Klischees recht ungewöhnlichen Copfilm mit übersinnlichen Elementen. Regisseur Schaeffer orientierte sich nicht, wie das Postermotiv glauben macht, an Freddy Krueger und Konsorten, sondern eher an Alan Parkers ANGEL HEART oder Schlesingers THE BELIEVERS. Seine Geschichte um die beiden befreundeten Miami-Cops Katherine Hall (Kay Lenz) und Pete Giuliani (Wayne Crawford), die in einer Serie von Ritualmorden in der nigerianischen Gemeinde der Stadt ermitteln und sich dabei von gefestigten Realitätsvorstellungen verabschieden müssen, ist eigentlich sehr interessant.

Schaeffer scheint das auch zu wissen: Seine Protagonisten sind keine souveränen Supercops, sondern höchst durchschnittliche Typen, die schnell merken, dass sie auf verlorenem Posten kämpfen, mit ihren Hilfegesuchen aber immer wieder in beinahe kafkaesker Manier bei ihrem rassistischen Chef auf taube Ohren stoßen. Der will einen Fall, in dem eh nur ein paar „negroes“ sterben, und zwar noch nicht einmal „our negroes“, keinesfalls verkomplizieren. Die Beziehung zwischen Katherine und Pete nimmt relativ viel Raum ein: Er ist gerade von seiner Frau vor die Tür gesetzt worden, weil sie sich eine Geliebte zugelegt hat und leidet darunter wie ein Hund, hat aber auch ein Faible für die Partnerin, die indessen mit einem etwas weniger weinerlichen Kollegen liiert ist. Die Freundschaft der beiden Cops ist fast wichtiger als der Fall, in dem sie ermitteln, und so wie sie sich darstellt, recht originell und liebenswert. Auch im letzten Drittel wird es nicht zur sonst unvermeidlichen Sexszene kommen. Die nigerianische Gemeinde Miamis, eigentlich ein überaus reizvoller Hintergrund, bleibt demgegenüber leider ein bloß ornamentales Detail. Doch so klischeehaft die afrikanischen Immigranten mit ihren natürlich heidnischen Ritualen auch gezeichnet sein mögen, das Streben Schaeffers nach einer Verständigung zwischen den beiden fremden Welten wirkt ernst gemeint. Die exzellente Fotografie des deutschen Hans Kühle liefert tolle, stimmungsvolle und farbintensive Bilder und rückt immer wieder den Kontrast zwischen der gläsernen Glitzerwelt der US-Metropole und der unbekannten Subkultur der Afrikaner in den Mittelpunkt. Toll ist etwa eine Szene, in der Katherine nachts ein altes, schon von der Natur zurückerobertes Fabrikgelände erkundet und dort dann auf eine Zeremonie der Nigerianer stößt. Oder die Szene bei einem verarmten Afrika-Spezialisten, der mit seiner schwerkranken, hinter einer Atemmaske verborgenen Frau in einem winzigen, völlig zugestellten Zweizimmerappartement haust.

Doch leider, leider vereinen sich die verheißungsvollen Ansätze nie zu einem kohärenten Ganzen. HEADHUNTER ist nicht unbedingt langweilig, wohl aber gnadenlos umständlich erzählt. Er kommt einfach nicht in die Gänge, tritt endlos auf der Stelle, teasert immer wieder einen Spannungsanstieg an, nur um dann wieder zurückzuschalten. Das Finale ist reiner Horror-Kintopp, der mit seinem Gummidämon nicht so recht zum ernsten und bodenständigen Rest passen mag, übereilt und nahezu antiklimaktisch wirkt, selbst wenn zum ersten Mal so richtig die Fetzen fliegen. Wo genau liegt das Problem? Zum einen verfügt Regisseur Schaeffer einfach nicht über das Talent, das dafür nötig war, aus den vielen vorhandenen Ideen den wohl geplanten atemlosen Hochspannungsthriller zu machen. Das Drehbuch ist mitunter zerfahren, häuft einfach zu viele Ansätze an, ohne sie konsequent zu Ende zu entwickeln. Und dann sind da die aus dem Fernsehen entsprungenen und nicht gerade mit einem Übermaß an Charisma ausgestatteten Hauptdarsteller, die auf Distanz halten (Wayne Crawford ausdrücklich ausgenommen). Auch die technische Seite lässt mitunter zu wünschen übrig: Vor allem die Tonmischung ist unterirdisch, die Dialoge dumpf und mitunter nur schwer zu verstehen, offensichtliche Overdubs sollen Schwachstellen kaschieren, verstärken aber nur den Eindruck, dass hier mit ganz heißer Nadel gestrickt wurde.

Mit einem abschließenden Urteil tue ich mich sehr schwer: Ich finde es durchaus lobenswert, dass die Macher mit HEADHUNTER versuchten, eigene Wege zu gehen, und würde es dem Film immer zugute halten. Richtig gelungen ist das alles aber trotzdem nicht.

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