curtains (richard ciupka, kanada 1983)

Veröffentlicht: September 14, 2016 in Film
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curtainsAuf der Bühne eines kleinen, menschenleeren Theaters gibt Samantha Sherwood (Samantha Eggar) ihrem Regisseur Jonathan Stryker (John Vernon) eine Darbietung als rachsüchtige, betrogene Frau. Als sie die Waffe zieht, um ihren Liebhaber umzubringen, lacht Stryker nur: Er nimmt ihr die Rolle nicht ab. Um ihm zu beweisen, wie weit sie für die Rolle der in den Wahn abdriftenden Audra, der Protagonistin seines nächsten Films, bereit ist zu gehen, lässt sie sich gar in eine Nervenheilanstalt einweisen. Umgeben von manischen Patientinnen scheint ihr ein echter Horrortrip bevorzustehen. Wird sie ihre geistige Gesundheit bewahren?

CURTAINS geht dieser Frage aber nicht weiter nach, fängt nach einem fallenden Vorhang lieber noch einmal neu an: Stryker hat die Idee, Sherwood zu besetzen, verworfen und stattdessen sechs andere Darstellerinnen zum Casting in ein einsames Landhaus geladen. Die geschasste Aktrice ist wütend und kündigt einen Vergeltungsschlag an, der sich schon bald in einer Mordserie zu entladen scheint. Nacheinander fallen die Bewerberinnen um „ihren“ Part einem maskierten Mörder zum Opfer.

CURTAINS ist eine Slasher-Film-Kuriosität, ein Werk, das erst kürzlich wieder ausgegraben und als vergessene Perle beworben wurde. Dem Schema seines Subgenres mag er sich nicht wirklich fügen, das Stalk’n’Slash, das sonst im Zentrum des Interesses steht, nimmt hier einen vergleichsweise kleinen Spielraum ein. Viel eher ist CURTAINS ein Sammelsurium von Ideen, die in ihrer Kombination ein höchst seltsames Ganzes ergeben. Irgendwie hat mich das an Robert Aldrichs THE LEGEND OF LYLAH CLARE erinnert, mit dem CURTAINS vordergründig eigentlich kaum etwas gemeinsam hat. Aber neben seinem Horrorplot handelt Ciupkas Film eben auch vom unbarmherzigen Filmbusiness, von den komplizierten Beziehungen zwischen Regisseuren und ihren Musen, von unerreichbaren Träumen, geplatzten Hoffnungen und gescheiterten Karrieren. Zu allem Überfluss inszenierte Ciupka seinen Film auch noch unter dem Namen seines Film-Alter-egos Stryker, was CURTAINS endgültig auf die selbstreflexive Metaebene hebt und es schwer macht, den Film at face value zu nehmen. Der Film hat eine melodramatische Qualität, die von den bisweilen kitschigen, in Pastelltönen gehaltenen  Bildern gestützt wird, wirkt wie der Albtraum einer im Alkohol- und Tablettenrausch darniederliegenden Diva. Eine mörderische Puppe taucht auch auf, ohne dass man wirklich weiß warum, und ein junger Michael Wincott hat eine Sexszene. Ein wahrlich merkwürdiges Teil.

Kommentare
  1. Josselin Beaumont sagt:

    Ich habe den Film vor gefühlten Jahrzehnten das letzte Mal gesehen. Die brilliante „Schlittschuh-Szene“ habe ich allerdings niemals vergessen können. Wie ich ihm Laufe der Zeit herausfand, ging das vielen meiner Bekannten, die den Film ebenfalls gesehen haben, ähnlich.

    Auch, wenn man nicht mehr wusste, was sonst noch so in diesem Film passierte, aber diese intensive und verstörende Szene hinterließ wirklich bleibenden Eindruck.

    Wie wirkte diese Szene auf dich?

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