wildcats (michael ritchie, usa 1986)

Veröffentlicht: September 21, 2016 in Film
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220px-wildcats_movieposterMolly McGrath (Goldie Hawn) ist ein Football-Buff, aber niemand will ihr die Chance geben, ein Team zu coachen – weil sie eine Frau ist. Um sie von ihren Trainerplänen endgültig abzubringen, organisiert ihr Chauvi-Kollege Dan (Bruce McGill) eine Stelle als Coach einer als hoffnungslos geltenden Mannschaft aus Straßenkids (darunter Woody Harrelson und Wesley Snipes). Molly muss sich den Respekt der Jungs erst erkämpfen, doch dann führt sie das Team mit ihrem Fachwissen von einem Sieg zum nächsten. Alles könnte so schön sein, doch dann kommt ihr ihr Ex-Mann (James Keach) in die Quere. Den neuen Umgang seiner Ex-Frau sieht er als Gefahr für seine Töchter und beginnt einen Sorgerechtsstreit …

Michael Ritchie ist einer der großen Unerfüllten des amerikanischen Kinos. In den Siebzigern galt er mit seinem Debüt DOWNHILL RACER; dem nachfolgenden Hardboiled-Klassiker PRIME CUTS sowie Filmen wie THE CANDIDATE oder SMILE als ein vielversprechender Filmemacher. Der große kommerzielle Wurf von THE BAD NEWS BEARS machte dem ironischerweise ein Ende. Ritchie drehte zwar noch einige erfolgreiche, aber auch eher harmlose Komödien, mit denen er keinen großen Respekt mehr einfahren konnte. Der bizarre THE ISLAND war noch einmal sehr toll und ich persönlich liebe FLETCH über alles, aber ansonsten trat Ritchie als Filmemacher eher in den Hintergrund. WILDCATS ist nach dem Burt-Reynolds- und Kris-Kristofferson-Vehikel SEMI-TOUGH sein zweiter Footballfilm und durchaus eine nette Sache. Die Geschichte hat man in ähnlicher Form schon zigmal  vorgesetzt bekommen, nichts ist wirklich neu oder besonders herausragend, aber der Film wirkt ehrlich und dankenswerterweise nicht zu lieblich. Das mag auch an den wirklich tollen Bildern der eher heruntergekommenen Seiten von Chicago liegen: Speziell der Football-Platz der Wildcats, unmittelbar vor einer alten industriellen Backsteinruine gelegen, ist ein tolles Setting, das Kameramann Donal E. Thorin sehr schön einfängt.

Ein positives Wörtchen darf man auch über die Thematisierung von Sexismus in der Berufswelt im Allgemeinen und in einem angeblichen „Männersport“ im Besonderen verlieren, zumal Ritchies Happy-End nicht vorsieht, dass Mama ihre Karriere zugunsten der Kinder aufgibt. Das ist ja leider längst noch nicht selbstverständlich und hier auch deshalb so angenehm, weil WILDCATS sich dafür nicht selbsgerecht auf die Schulter klopft, sondern einfach jenen gesunden Menschenverstand beweist, der leider weniger verbreitet ist, als man annehmen sollte. Was gibt es sonst noch zu sagen? Der Titelsong stammt von LL Cool J („Football“), der in einer kurzen Szene auch selbst zu sehen ist. Und während der Schlusscredits dürfen die Hauptdarsteller ihre eigene Version des Stückes zum Besten geben, eine Idee, die Richard Linklater dieses Jahr in EVERYBODY WANTS SOME!! aufgriff.

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