the boss (ben falcone, usa 2016)

Veröffentlicht: Oktober 5, 2016 in Film
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boss0005Melissa McCarthy ist von der Nebendarstellerin, die den Stars die Szenen stiehlt – siehe BRIDESMAIDS -, längst zum eigenen Comedystar geworden. In THE BOSS, finanziert von Adam McKays und Will Ferrells Produktionsfirma Gary Sanchez Productions, bekommt sie erneut Gelegenheit, ihre beachtlichen Fähigkeiten unter Beweis zu stellen.Leider muss dazu ein Film herhalten, der aus seiner Prämisse nicht das Optimum herausholt und sich am Ende ins breite Mittelfeld der vielen ähnlich mittelprächtigen Komödien einordnet. Aber der Reihe nach.

Michelle Darnell (Melissa McCarthy) musste schon früh lernen, dass sie sich nur auf sich verlassen kann. Aus dem mehrfach von ihren verschiedenen Pflegeeltern wieder abgelieferten Waisenkind wurde so über die Jahre eine megaerfolgreiche und megareiche, aber eben auch ziemlich unbeliebte Geschäftsfrau mit gering ausgeprägter Sozialkompetenz. Als ihr ein Insidergeschäft nachgewiesen wird, bringt ihr ehemaliger Partner Renault (Peter Dinklage) sie in den Knast, ihr gesamtes Vermögen wird gepfändet, Michelle sitzt auf der Straße. Unterschlupf findet sie bei ihrer ehemaligen Angestellten Claire (Kristen Bell), einer alleinerziehenden und in bescheidenen Verhältnissen lebenden Mutter. Es kommt zu den erwartbaren Konflikten und Michelle muss im Verlauf des Filmes viel über Vertrauen und Freundschaft dazulernen. Aber sie hat auch Claire etwas zu geben: Als sie deren phänomenale Brownies kostet, bringt sie die junge Frau dazu, ein Business zu gründen – und ihrer Tochter, dass es für junge Mädchen noch mehr gibt, als süß und brav zu sein …

Letztere Aspekt ist das schönste an THE BOSS, weil er damit immer noch Pionierarbeit leistet. McCarthy ist die ideale Fürsprecherin für ein neues oder zumindest vielseitigeres Frauenbild in Hollywood, weil sie selbst optisch nicht gerade Leading-Lady-Material ist. Die Karriere einer Angelina Jolie oder Julia Roberts wird ihr immer verwehrt bleiben: So wie es ihrer Michelle Darnell nicht in die Wiege gelegt wurde, eine gewinnende, liebenswerte Persönlichkeit zu werden. THE BOSS zeigt, dass auch unerträgliche Arschkrampen positive Eigenschaften haben können, sich hinter der Invektiven sprühenden Bulldogge ein weicher Kern, hinter der knallharten, materialistischen Geschäftsfrau durchaus eine Person versteckt, von der man etwas lernen kann. Man muss nicht aussehen wie aus dem Ei gepellt oder bloß die Erwartungen erfüllen, die die Gesellschaft an einen stellt, um ein guter Mensch zu sein. Es ist schön, dass in einem Film zu sehen.

Noch schöner wäre es aber, wenn eine solche Message nicht in einem Werk untergebracht worden wäre, dessen herausstechendste Eigenschaft unübersehbar gelangweilte Routine ist. Die Story um die menschliche Katastrophe, die durch christliche Nächstenliebe und den Segen familiärer Zuwendung auf den rechten Pfad geführt wird, und um die aufopferungsvoll kämpfende Mama, die endlich auch mal an sich selbst zu denken lernt – was natürlich bedeutet, dass sie sich verliebt -, bergen keinerlei Überraschungen und auch eigentlich keine echten Gags. Die gehen fast ausschließlich auf das Konto von McCarthy, die immer dann, wenn THE BOSS einen Arschtritt benötigt, von der Kette gelassen wird und eine besonders heftige Tirade an Schimpfwörtern ablässt. Da kann einem schon einmal schwindlig werden, zumal Falcone erheblichen Spaß daran hat, Geschmacksgrenzen mit Verve zu übertreten. Einer überehrgeizigen Spießermama vor den Latz zu knallen, dass ihre minderjährige Tochter gewiss eine Lesbe werde, ist da noch eine der harmloseren Entgleisungen. Es ist nicht so, dass ich nicht einige Male herzhaft gelacht hätte: THE BOSS hat schon seine Momente. Aber insgesamt hatte ich mir dann doch etwas mehr von ihm versprochen.

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