hard target 2 (roel reiné, usa 2016)

Veröffentlicht: Oktober 9, 2016 in Film
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hard-target-2-poster123 Jahre hat es gedauert, bis jemand auf die Idee gekommen ist, ein Sequel zu John Woos US-Debüt HARD TARGET zu drehen. Seltsam eigentlich, bietet dessen Menschenjagd-Thematik doch eigentlich optimalen und immer wieder beliebten Stoff für ein Update. Nun waren DTV-Sequels in den Neunzigern noch nicht ganz so gebräuchlich wie sie das heute sind – und einen Mann wie Roel Reiné, der sowas wie ein Spezialist auf diesem Gebiet ist, gab es damals auch nicht. Nach Sichtung dieses Films kann man die lange Wartezeit jedenfalls nur begrüßen. HARD TARGET 2 ist eine runde, zudem sehr ansehnliche Sache geworden. Reiné kann mit den elaborierten Choreografien von Woo auf dem Gipfel seines Schaffens erwartungsgemäß zwar nicht mithalten,  aber es gelingt ihm trotzdem, den Zuschauer am Schlafittchen zu packen und ihn bis zum Ende in seinem Griff zu halten.

Der Auftakt ist der Schlüssel zum Erfolg: Nach kurzem Menschenjagdprolog widmet sich Reiné seinem Protagonisten, dem Martial Artist Wes Baylor (Scott Adkins), der in einem Kampf eine Chance auf den Titel bekommt. Der Haken: Sein Gegner ist sein bester Freund. Es kommt, wie es kommen muss: Baylor kämpft sich in einen Rausch und schickt den Kumpel mit einer solch vernichtenden Reihe von Tritten zu Boden, dass der nicht mehr aufsteht. Baylor ist danach ein gebrochener Mann, hängt an der Pulle, verdient sich sein Geld mit schäbigen Hinterhofkämpfen in Bangkok. Diese Zeichnung Baylors ist nun nicht sonderlich originell, aber seine Geschichte bietet im weiteren Verlauf eine effektive Spiegelung des Menschenjagd-Plots: Die Typen, die da später ihre „Männlichkeit“ unter Beweis stellen wollen, indem sie einen Menschen jagen und töten, die den Rausch der Jagd und des Mordes suchen, sind ihm viel weniger fremd, als sie das sein sollten.  Ein kleiner Kniff nur, aber einer, der den Film über seine kinetischen Schauwerte hinaus interessant macht.

Ansonsten gibt es keine außergewöhnlichen Überraschungen in HARD TARGET 2, lediglich sauberes action filmmaking: Reiné spult sein Programm mit viel Drive und handwerklichem Können ab, hält das Tempo konsequent hoch und weiß sein attraktives Dschungel-Backdrop und die schmierige Schurkenschar (u. a. Robert Knepper in der Lance-Henriksen-Rolle, Temuera Williamson in der Arnold-Vosloo-Rolle und Rhona Mitra in der Sadistische-Schlampe-Rolle) effektiv einzusetzen. Und Adkins ist eben Adkins, ein authentischer Typ, mit dem man mitfiebert, ohne das dafür große Psychologisierungen nötig wären. Die Gewalt ist dem Stoff angemessen ruppig, dass es überwiegend CGI-Blut ist, dass da spritzt, fließt und suppt, fällt nicht weiter negativ ins Gewicht, weil HARD TARGET 2 sonst angenehm down to earth ist und ganz ohne überkandidelten Kintopp auskommt. Ein bisschen Eso-Kitsch und in Zeitlupe fliegende weiße Tauben sind eine sympathische Verbeugung vor dem Meister, dem wir die in mid air abgefeuerten Schüsse zu verdanken haben, die auch Baylor hier ein paar mal den Arsch retten. Das Ende hätte man vielleicht ein bisschen straffen können, die Vielzahl von Showdowns, die dann doch keine Showdowns sind, ermüdet ein wenig. Aber den positiven Gesamteindruck kann diese Tatsache auch nicht schmälern. HARD TARGET 2 ist ein DTV-Sequel, wie man es sich wünscht. Schön, dass es sowas gibt.

 

 

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