onna kyôshi: yogoreta hôkago (kichitaro negishi, japan 1981)

Veröffentlicht: Oktober 20, 2016 in Film
Schlagwörter:, , , ,

femtaIt’s pinku time again!

Meine orientierungslose Abenteuerfahrt in diese mir weitestgehend unbekannten  Gefilde internationalen Exploitation-Filmschaffens habe ich vor einigen Monaten sehr erfolgreich gestartet. Für die zweite Etappe habe ich einfach planlos in den sich mir freizügig darbietenden, üppig gefüllten Korb saftig-glänzender Proteinbomben gegriffen und mich dabei von meiner meist unfehlbaren männlichen Intuition leiten lassen. Zum Vorschein kam zum  Auftakt ONNA KYÔSHI: YOGORETA HÔKAGO, wie ich dieser hilfreichen Liste entnommen habe der dritte Eintrag der erfolgreichen ONNA KYÔSHI-Reihe, die Nikkatsu auf immerhin acht Titel ausdehnte und die ihrerseits auf einem Zweiteiler aus dem Jahr 1973 basiert.

In ONNA KYÔSHI: YOGORETA HÔKAGO erhält Sakiko Kurata (Yuki Kazamatsuri), die titelgebende weibliche Lehrerin – ihr Beruf wird im weiteren Verlauf keine Rolle spielen, der Film bedient also nur bedingt populäre Lehrerinnen-Fantasien -, einen Anruf von einem ihr unbekannten Mädchen namens Sueko Nomoto (Ayako Ôta): Das Mädchen ist von der Polizei als Prostituierte auf der Straße aufgelesen worden und hat ausgerechnet Sakiko als Hilfe auserwählt. Wie sich herausstellt, ist Sueko die Tochter von Sachi (Hiroko Fuji), des Mannes, den Sakiko einst als ihren Vergewaltiger identifizierte. Die gesellschaftliche Stigmatisierung stürzte die gesamte Familie ins Unheil und den Verurteilten in eine Alkohol- und Farbverdünner-Sucht: Bitter, zumal Sakiko sich damals geirrt hatte …

Um mal wieder die Fakten aus dem Weg zu schaffen: Wie alle Pinkus ist auch dieser hier sehr strikt nach den Regeln konstruiert. Laufzeit knapp über einer Stunde, diverse punktgenau und ökonomisch über den Film verteilte Sex- und Vergewaltigungsszenen, allesamt soft, eine Handlung, die diese Sexszenen in erster Linie herleiten muss. Aber das starre Korsett nutzt Regisseur Negishi für einen dann doch ziemlich interessanten und deprimierenden Film, den „Sozialstudie“ zu nennen vielleicht etwas hochgegriffen wäre, der aber deutlich in diese Richtung geht. Gerade das sehr warmherzige letzte Drittel, in dem sich Sakiko und Sueko zusammen mit Sachi auf eine Reise begeben, um dem gebeutelten alten Mann nach Jahren der Entbehrung und des Unglücks ein paar schöne Erlebnisse zu bescheren, ist im Rahmen des nun nicht gerade für seinen Philantropismus bekannten Pinku Eiga ungewöhnlich und verfehlt seine Wirkung nicht. Die deprimierende Stimmung wird ONNA KYÔSHI: YOGORETA HÔKAGO aber trotzdem nicht los. Der Film spielt in den eher tristen Ecken Tokios und thematisiert das soziale bzw. finanzielle Gefälle zwischen Land- und Stadtbevölkerung. So erzählt Sueko, dass es in ihrer alten Heimat, einem Bergbauörtchen, für die Kinder das größte gewesen sei, wenn der Müllwagen vorbeikam, weil er manchmal Spielzeug geladen hatte, das anderswo entsorgt worden war. Suekos Mutter, eine Supermarktkassiererin, erlässt ihrer Tochter heimlich Geld, damit die abends was ordentliches auf den Tisch bringt, und muss sich dafür ihrerseits dem Chef gefügig zeigen. Am niederschmetterndsten ist aber gewiss der Blick auf den an einem Plastikbeutel mit Farbverdünner saugende Sachi. Nein, Tokio ist kein schönes Fleckchen in Negishis Film. Ob mit oder ohne Vergewaltigung.

Kommentare
  1. […] Letztendlich ahbe ich mich jetzt für den Auftakt einer Reihe von Pinku-eiga-Besprechungen („Female Teacher: Dirty Afternoon“), sowie einen mir bis jetzt unbekannten Spät-Giallo („Mystére“), Lamberto Bavas starken […]

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s