sekkusu hantâ: nureta hyôteki (yukihiro sawada, japan 1972)

Veröffentlicht: Oktober 20, 2016 in Film
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74zcoadjqrvethc14tvuzx5al82Vorab: Im Web habe ich den Hinweis gefunden, SEKKUSU HANTÂ verbinde „klassische“ Pinku-Themen mit den Juvenile-Delinquents- und Bikermotiven der damals populären NORA-NEKO ROKKU-Serie (deren ersten Teil ich hier besprochen habe), für die Sawada die Drehbücher geschrieben habe. Die Aussage zur Stilmixtur finde ich bei nur flüchtiger Kenntnis der Materie unmittelbar einleuchtend, allerdings schweigt sich die IMDb zur Vebindung von Sawada und der NORA-NEKO ROKKU-Serie aus. Genau zwei Scripts gehen laut Datenbank auf Sawadas Konto, keines davon hat etwas mit der international unter dem Namen STRAY CAT ROCK oder auch ALLEYCAT ROCK bekannten Reihe zu tun. Das Rätsel zu lösen, überlasse ich anderen, ich schenke dem Verfasser einer Wiki-Liste aller Nikkatsu-Pinkus tendenziell größeres Vertrauen als einem IMDb-Profil. Und gehe nach dieser Vorbemerkung in medias res.

Haruhiko (Jôji Sawada), ein junger Mann mit dunkler Hautfarbe, ist ein armer Tropf: Als er mal wieder wegen irgendeiner Ganuerei im Bau sitzt, ereilt ihn die Nachricht vom Tod seiner Schwester. Sie war von mehreren US-Soldaten angegriffen und vergewaltigt worden und hatte danach den Freitod gewählt. Auf freiem Fuß begibt sich Haruhiko auf die Suche nach den Killern. Zum Glück gibt es eine Zeugin: Etsuko (Hiroko Isayama), eine Freundin und Arbeitskollegin von Haruhikos Schwester, hatte alles miterlebt. Sie arbeitet als Tänzerin für den miesen Taki (Akira Takahashi), der sich aber anschickt, dem Protagonisten zu helfen …

SEKKUSU HANTÂ: NURETA HYÔTEKI ist ein wütender, schmutziger, desillusionierender und schlicht negativer Film. Für keine der Figuren gibt es irgendeine Hoffnung auf eine bessere Zukunft, körperliche Unversehrtheit ist das Höchste der Gefühle, mehr ist für sie nicht drin. Die Welt ist heruntergekommen, Moral und Menschlichkeit sind ein Luxus, den sich keiner mehr leisten kann oder will. Der Titelsong erinnert an die Protestlieder der Hippies in den späten Sechzigerjahren, aber vorgetragen wird er mit der ungeschliffenen Rotzigkeit des seiner Geburt harrenden Punk: Die Erkenntnis, dass die eigene Situation beschissen ist, führt zu keiner produktiven Reaktion mehr, nur zu Zynismus, Resignation und Gleichgültigkeit. Was den Film vor dem Versinken im Morast bewahrt, ist die Liebe zwischen Haruhiko und seiner Schwester, aber was daraus erwächst, stimmt traurig. In seiner Jagd auf die Mörder ist dem „Helden“ jedes Mittel recht und er unterscheidet sich nicht mehr von den Übeltätern, wenn er einer Frau den Schwanz in den Mund rammt und sie oral vergewaltigt. Wofür kämpft HARUHIKO eigentlich? Er weiß es selbst nicht.

Die Tabubrüche und Geschmacklosigkeiten sind wie es für den Roman Porn aus dem Hause Nikkatsu üblich war stets sehr „geschmackvoll“ in Szene gesetzt, was das Erlebnis hochgradig ambivalent macht: Auch wenn da Vergewaltigungsopfer noch angepisst werden, ein daherkommender Schwarzer kurzerhand gezwungen wird, das Urin von ihrem Körper zu lecken, oder eine Frau am Lauf einer Pistole erstickt: SEKKUSU HANTÂ: NURETA HYÔTEKI ist zum „Konsumieren“ gedreht worden, als Entertainment. Nur wer sich daran delektieren mag, der muss schon ein ziemlich verkommenes Subjekt sein. Am Schluss geht natürlich alles vor die Hunde. Aber wir haben ja schon längst geahnt, dass Rache keine Erlösung bringt. Und diese Rache schon gar nicht. Ein subversiver Kotzbrocken von einem Film.

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