bad moms (jon lucas/scott moore, usa 2016)

Veröffentlicht: November 7, 2016 in Film
Schlagwörter:, , , , ,

bad_moms_posterAmy Mitchell (Mila Kunis) ist eine Bilderbuchmama wider Willen: Mit 20 ungewollt schwanger geworden, muss sie das Leben ihrer beiden Kinder organisieren und nebenbei ihren Job bewältigen, derweil ihr Ehemann Mike (David Walton) faul zu Hause herumlungert – und sie mit einer Netzbekanntschaft betrügt. In der Schule leidet sie unter dem eisernen Regime der PTA-Präsidentin Gwendolyn (Christina Applegate), die selbst noch einen Bake Sale zum kaum zu bewältigenden Spießrutenlauf der Political Correctness macht. Als Amy nach einem Tag voller Rückschläge auf die ebenfalls frustrierten Carla (Kathryn Hahn) und Kiki (Kristen Bell) trifft, beschließen die drei, ab sofort fünfe gerade sein zu lassen und „bad moms“ zu werden …

BAD MOMS ist, da führt kein Weg drum herum, ein formula movie: Filme mit „bad“ irgendwas haben Konjunktur, ebenso Komödien, die in Opposition zu braven Rom Coms realistischere Lebenssituationen als Grundlage nehmen und diese dann mit bisweilen vulgären Exkursen sowie Raum zur Improvisation aufpeppen. Nach ihrem Schwur benehmen sich die drei Moms in einem Supermarkt daneben, saufen Wodka und gröhlen herum, auf einer Party, die Amy anlässlich ihrer Kandidatur als PTA-Präsidentin schmeißt, lassen die geladenen Mütter sichtlich gelöst den Alltagsstress fallen und die Sau raus: Da werden dann Schnapsflaschen „gewichst“ und Mamas zu lesbischen Experimenten überredet. Der Witz über den fleischfarbenen, die Libido abtötenden „Mom Bra“ darf in diesem Zusammenhang natürlich genauso wenig fehlen wie die sich neu anbahnende Liebesbeziehung, bei der der Mann seine Eignung durch Cunnilingus beweisen kann. Kathryn Hahn übernimmt die Rolle des vulgären motormouths, derweil Kristen Bell das schüchterne Mauerblümchen gibt, das im neuen Lebenskonzept aufblüht und auf dem Gipfel ihres „coming-outs“ dann sogar dem Ehemann Paroli bietet, der sich bei der Führung des Haushalts bis dahin allzu sehr auf sie verlassen hat. Am Ende ist alles gut: Die Idee der „bad mom“, also einer Mutter, die nicht wie eine Besessene von Termin zu Termin hetzt und sofort Repressalien befürchten muss, wenn sie ihrem Spross kein selbstgebackenes glutenfreies Brot mit veganem Dinkelaufstrich und frisch gepressten Spitzkohlsaft zum Frühstück einpackt, setzt sich an der Schule durch. Offensichtlich sind Amy, Kiki und Carla nicht die einzigen, die den Druck nicht mehr aushalten. Und selbst die perfekte Gwendolyn zeigt am Schluss Schwächen und wird als Mensch rehabilitiert.

BAD MOMS ist, und das ist gar nicht so abfällig gemeint, vor allen Dingen eins: nett. Die Botschaft darf man nur begrüßen, auch wenn der Film noch überzeugender darin gewesen wäre, wenn er eine weniger brave Form gewählt hätte. Die wie mit dem Vorschlaghammer in die allgemeine Harmlosigkeit gedroschenen Zoten fallen krass aus dem allgemeinen Tenor des Films heraus, auch wenn sie durchaus witzig sind. BAD MOMS ist kein BRIDESMAIDS und schon gar keine mütterliche Antwort auf BAD SANTA. Gut hätte es auch getan, wenn der Film bei der Zeichnung seiner Männer weniger stereotyp vorgegangen wäre (zwei der drei Männer des Films übernehmen keinerlei Verantwortung zu Hause und der dritte, ein Bilderbuch-Dad, wie er im Buche steht, ist natürlich Witwer), aber das ist wahrscheinlich part of the deal. Hier geht es um die Frauen, die sich nach über 100-jähriger Filmgeschichte, in der sie oft auf das Heimchen am Herd oder Fels in der hemischen Brandung reduziert wurde, etwas Luft verschaffen darf. Dass sich an der Rollenverteilung am Ende gar nicht wirklich etwas ändert, die Frau immer noch die Kompetenz in Sachen Erziehung und Haushaltsführung ist, ihr der Mann lediglich etwas bereitwilliger als zuverlässigerer Assistent zur Seite steht, gehört wohl dazu. Rom wurde bekanntlich auch nicht an einem Tag erbaut.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s