miami golem (alberto de martino, italien/usa 1985)

Veröffentlicht: November 17, 2016 in Film
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unbenanntHerrjemine, was für ein Kuddelmuddel! Fernsehreporter Craig Milford (David Warbeck) interviewt einen Wissenschaftler, dem es gelungen ist, durch Experimente an einem Meteorsplitter die Quelle irdischen Lebens zu entdecken. Die isolierte DNA blubbert nun in einem Schälchen und weckt die Begehrlichkeiten des schurkischen Anderson (John Ireland), der darin die Wurzel zur Weltherrschaft sieht. Aus gutem Grund: Wie die telepathisch begabte Joanna Fitzgerald (Laura Trotter) dem zunächst skeptischen Reporter vermitteln kann, handelt es sich bei dem von Anderson binnen weniger Tage aus der Ursuppe gezüchteten Glubschaugen-Embryo um einen Abkömmling einer tyrannischen Rasse Außerirdischer, die alles unterjochen will: Das haben Joanna die guten Aliens „aus einer anderen Dimension“ zugeflüstert. Am Ende bringen Milford und sie das plattgemachte Alien-Baby zum Raumschiff der guten Aliens, die es mit in weit, weit entfernte Galaxien nehmen, wo noch nie zuvor ein Mann gewesen ist. Und die Erde hat nochmal verdammtes Glück gehabt.

Dass MIAMI GOLEM inhaltlich ziemlich derber Schwachfug ist, muss ich nach meiner Inhaltsangabe wahrscheinlich nicht mehr extra erwähnen. Das allein diskreditiert ihn auch noch nicht, wohl aber, dass er grausam umständlich ist und einfach nicht aus den Pötten kommt. Mit genug Lärm und Krawumm – so wie auf dem abgebildeten deutschen Videocover – hätte ich als Zuschauer wahrscheinlich gar nicht gemerkt, wie abgrundtief idiotisch das alles ist, auf jeden Fall wäre es mir völlig egal gewesen. Aber Alberto De Martino, der keine zehn Jahre zuvor noch mit seinem THE OMEN-Rip-off HOLOCAUST 2000 bewiesen hatte, wie man okkulten Endzeitquark sehr geschickt mit Science-Fiction-Elementen verbindet, ist an Krawall um des Krawalls willen leider nicht sonderlich interessiert. Und so versteigt er sich in zum Scheitern verurteilten Versuchen, mittels Grenzüberschreitungen hin zum Polit- und Paranoiathriller eine Seriosität zu wahren, die sein Film einfach nicht hergibt. Ich würde noch nicht einmal so weit gehen wie viele der üblen Netznachredner, die sich über den Film lustig machen und sich über seine zugegeben nur mäßig gelungenen Effekte zu beeumeln: Klar, MIAMI GOLEM kann zu keiner Sekunde mit den großen amerikanischen Vorbildern – meinetwegen E.T., THE EXTRA-TERRESTRIAL oder CLOSE ENCOUNTERS OF THE THIRD KIND – mithalten (wer das gedacht hatte, ist ja eh mit dem Klammerbeutel gepudert), nicht einmal mit dessen amerikanischen Klonen, aber De Martino versteht sein Handwerk schon und Warbeck agiert hier wieder einmal so unfassbar cool und souverän, dass es eine wahre Freude ist. Eine so große, dass man bereit ist, mit ihm ein gutes Stück des Weges mitzugehen. Aber iIrgendwann ist auch der letzte Goodwill aufgebraucht: Spätestens beim ernüchternden „Showdown“, in dem Milford mit dem Mute der unglaubwürdigen Verzweiflung gegen das glotzende Wechselbalg im Gurkenglas vorgeht und die Inszenierung eine Götterdämmerung vorgaukelt, obwohl es eher ein Zäpfchenstreich ist, ist der Ofen aus.

Bleibt zum Schluss nur noch eine Frage, die ich zu gern beantwortet hätte: Was hatten die Italiener eigentlich mit Miami? Schon in den Siebzigern verschlug es Bud Spencer und Terence Hill dort hin, doch in den Achtzigerjahren scheint sich dann halb Cinecittà in die floridianische Metropole abgesetzt zu haben. Dutzende von Filmen spielen dort, ganz so, als habe es keine anderen attraktiven Drehorten in den US of Ey gegeben. In MIAMI GOLEM gibt es dann auch die unvermeidliche Bootsjagd durch die Everglades (darf man heute bestimmt auch nicht mehr machen), aber leider keine Krokodile. Die haben sich wahrscheinlich verweigert.

 

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