cellar dweller (john carl buechler, usa 1988)

Veröffentlicht: November 23, 2016 in Film
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60110afbb44f7d4263d55409f704d668Einer der vielen billigen, schlockigen „Horrorfilme“, die im Zuge der großen Hits in schier unzähliger Zahl auf den Videomarkt geschmissen wurden und dann die Seiten der Fangoria mit bunten Bildern schmückten – dieser gelangte sogar aufs Cover, das muss man sich mal vorstellen! CELLAR DWELLER stammt aus der Empire-Schmiede und wurde von Charles Band produziert: Der Kenner weiß jetzt schon, dass Buechlers Film mit echtem Horror nur ganz am Rande zu tun hat. Will sagen: Hier gibt es zwar Monster, blutige Morde und okkulten Schabernack, aber um den Schlaf bringen wird dieser Quatsch niemanden. Es ist kein Wunder, dass sich der US-amerikanische Horrorfilm zu Beginn der Neunziger für einige Jahre schlafen legte, nachdem sich Hans und Franz an ihm in dieser Form abgearbeitet hatten.

Was natürlich nicht heißt, dass ich diesen Kram nicht abgöttisch lieben würde, aber das wisst ihr sicher schon. CELLAR DWELLER ist hoffnungslos blöd, nichts an dem Film funktioniert, aber er ist recht liebevoll gemacht, geradezu rührend in seinem erfolglosen Versuch, seine rammdösige Geschichte zu erzählen, und – nicht zu unterschätzen – schnell wieder vorbei. Nach gerade mal 77 Minuten kann man sich wieder den wichtigen Dingen des Lebens zuwenden, also eigentlich allem anderen. Aber der Film beginnt gut, nämlich mit einer Rückblende in die 50er-Jahre (die man nur an der Einblendung erkennt), in der Jeffrey Combs einen Comic um die Titelkreatur zeichnet, die daraufhin zum Leben erwacht und ihn attackiert. Im anschließenden Scharmützel kann der Zeichner das Monster zwar durch Abfackeln der entsprechenden Comicseiten besiegen, aber er geht dabei dummerweise mit in Flammen auf. Sprung in die Gegenwart, in der die Horror-Comiczeichnerin Whitney (Debrah Farentino) das Haus des Zeichners bezieht, das nun eine „Kunstakademie“ ist, geleitet von der übellaunigen Mrs. Briggs (Yvonne De Carlo). Sie ist ein Fan der alten Cellar-Dweller-Comics, weiß um die damaligen Ereignisse im Keller und wünscht sich nichts sehnlicher, als dort ihr Zeichenpult aufzubauen und das Werk ihres Idols fortzusetzen. Das tut sie, mit dem Ergebnis, dass sie das Monster mit ihren Zeichnung zum Leben erwecken und morden lassen kann …

Was ja eine durchaus nette Idee ist, wird leider durch ein ausgesprochen halbgares Drehbuch unterminiert, das es total versäumt, so etwas wie ein konsistentes Regelwerk aufzustellen oder auch nur die Motivation der Protagonistin klar herauszuarbeiten. In einigen Szenen scheint es, als wüsste sie genau, was sie tut, dann wieder ist sie völlig überrascht, als ihre Kommilitonen genauso abgeschlachtet werden, wie sie das in ihren Bildern erdacht hat. Auch das Ende ist ziemlich bescheuert: Als alle tot sind, kommt Whitney auf die clevere Idee, jeden einzelnen durch eine Zeichnung wiederauferstehen zu lassen, nur um dieses Werk durch eine Verbrennung der Comics gleich wieder zunichte zu machen. Es ist wirklich nicht nachzuvollziehen – aber auch irgendwie vollkommen egal, weil die Handlung eh nur schnödes Beiwerk ist. Der Reiz von CELLAR DWELLER liegt in der putzigen Gummimonster-Schöpfung und den ständigen Gegenüberstellungen der Filmhandlung und Whitneys Zeichenkunst, vor allem aber in der grausam untalentierten, ohne Sinn und Verstand zusammengewürfelten Anhäufung von Künstlerseelen, die Mrs. Briggs da um sich geschart hat.

Whitney ist die einzige, der man so etwas wie handwerkliches Geschick zubilligen möchte – auch wenn sich die Frage stellt, warum sie nicht einfach versucht, Arbeit als Comiczeichnerin zu finden, anstatt unter einer Lehrerin zu arbeiten, die ihre Kunst für trivialen Käse hält (der sie, wenn man ehrlich ist, ja auch ist). Neben ihr gibt es noch den froschmäuligen Philip (Brian Robbins), der naive Bildchen mit Fingerfarben malt (wahrscheinlich von Buechlers Tochter beigesteuert), Whitneys Nemesis Amanda (Pamela Bellwood), die ständig mit einer Videokamera herumläuft, sowie der völlig deplatzierte auf die 60 zugehende Hardboiled-Autor Norman (Vince Edwards), der einem angesichts der Tatsache, dass er in diesem Alter auf einer drittklassigen Schule mit Leuten herumhängt, die seine Kinder sein könnten, nur Leid tun kann. Den Vogel schießt aber die Ausdruckstänzerin Lisa (Miranda Wilson) ab, deren kreuzerbärmliche Ausdruckstanz-Performance mit Baumschüler-Symbolismus – sie sticht mit einem Küchenmesser Luftballons kaputt und hantiert mit Babypuppen –  Whitney doch tatsächlich „moving“ findet. Das ist alles so unglaubwürdig und beknackt, als habe es sich ein Kind ausgedacht. Nichts ergibt einen Sinn und hat nicht einmal annähernd etwas mit der Realität zu tun. Und wenn doch, danm möchte ich auch auf eine „Kunstakademie“, eine, in deren Klassenzimmern wie hier Poster von Filmen wie GHOST TOWN, RE-ANIMATOR oder TROLL hängen. Jetzt sofort!

 

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