popcorn (mark herrier/alan ormsby, usa 1991)

Veröffentlicht: November 27, 2016 in Film
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95385_frontEin Late-Period-Slasher, der trotz einer offenkundig komplizierten Produktionsgeschichte sehr hübsch geworden ist und aus dem oft tristen Einerlei positiv hervorsticht: Regisseur Alan Ormsby wurde nach wenigen Drehwochen von Mark Herrier ersetzt, auch Hauptdarstellerin Jill Schoelen kam erst später für die eigentlich besetzte Amy O’Neill an Bord. Gedreht wurde auf Jamaica, was den Auftritt der für das Sujet etwas ungewöhnlich gewählten Reggae-Band erklärt. Der Film ging an der Kinokasse leider völlig baden und wurde schon nach kurzer Zeit für kleinere Wiederaufführungskinos gebucht, um den Schaden gering zu halten. Herrier – eigentlich Schauspieler – drehte danach nur noch Kurzfilme, Ormsby widmete sich wieder dem Verfassen von Drehbüchern. POPCORN ist leider weitestgehend in Vergessenheit geraten, was schade ist, als er gegenüber vielem anderen Kram, der so als „Kultfilm“ wiederentdeckt und in Deluxe-Editionen auf Blu-ray veröffentlicht wird, doch sehr viel interessanter, origineller und liebevoller ist.

Herriers/Ormsbys Film kreist um ein Horror-Film-Festival, das eine Gruppe von Filmstudenten organisiert, um Geld für den darbenden Lehrstuhl zu generieren. Gezeigt werden „The Mosquito“, „The Amazing Electrified Man“ und „The Stench“ in ihren Originalformaten und mit zahlreichen an William Castle erinnernden Gimmicks. In dem ausgewählten Kino indes hatte sich vor 15 Jahren ein Massaker ereignet, als ein von seinem Publikum verlachter Avantgarde-Filmer seine Familie als letzten Akt seines Werks live auf der Bühne umbrachte bevor er in einer anschließenden Feuersbrunst sein Leben ließ. Das Festival wird dann auch recht bald von einem Killer heimgesucht. Die Studentin Maggie (Jill Schoelen) erfährt, dass sie die Tochter des psychopathischen Filmemachers ist und vermutet, dass dieser sein Unwesen treibt .

Das Herz von POPCORN sind die Ausschnitte aus den im Film gezeigten fiktiven Fünfzigerjahre-Klassikern. Ormsbys gelungene Hommage an die naiven Monster- und Sci-Fi-Filme von einst zeugt von großer Liebe für das Genre und drängt den Vergleich zu Joe Dantes etwas später entstandenem MATINEE ´förmlich auf. Besonders toll ist Bruce Glover als durch die Hinrichtung auf dem elektrischen Stuhl mit elektrischen Superkräften ausgestatteter Schurke, der mit zu Berge stehenden Haaren und irrem Augenrollen Blitze verschießt. Dazu gesellen sich dann noch die wunderbaren Gimmicks – ein über das Publikum hinwegfliegendes Riesenmoskito sowie die bekannten Elektroschock-Sitze – und die schönen Originalposter, die man immer wieder im Bildhintergrund erblicken kann. Mehr als die eigentliche Slasher-Story, die ein paar schöne Make-up-Effekte, aber sonst nichts wirklich Neues bietet und am Ende auch etwas ermüdet, erobert POPCORN das Herz des geneigten Betrachters mit der Zelebrierung einer Kino- und Filmkultur, die es in dieser Form in Deutschland leider nie gegeben hat. Da strömen die Teens mit fantasievollen Verkleidungen ins Kino, veranstalten eine Riesenparty mit fliegendem Popcorn und tosender Begeisterung, bejohlen die ins kulturelle Gedächtnis eingegangenen Filme ebenso wie die Einfälle der Veranstalter. Fast wünschte man sich, POPCORN hätte sich ausschließlich dem Miteinander der Besucher gewidmet, dem Hin-und-Her zwischen Kinosaal und Popcorn-Ständer, dem Beziehungskuddelmuddel, das sich da unweigerlich entspinnt. So muss man sich halt auch durch eine eher uninspirierte Horrorgeschichte schlagen, die keinesweges schlecht ist, aber eben auch nichts wirklich Besonderes. Trotzdem: POCORN darf man ruhig mal wieder rauskramen.

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