shock `em dead (mark freed, usa 1991)

Veröffentlicht: November 27, 2016 in Film
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shock-em-dead-poster-1Definitiv einer der witzigsten Filme, die ich in diesem Jahr gesehen habe: Als eine Hardrock-Band verzweifelt einen Gitarristen sucht, meldet sich der im Pizzaladen von Tony (Aldo Ray) arbeitende Martin (Stephen Quadros). Der hat leider überhaupt kein Talent, wird von den Musikern ausgelacht und vom Hof gejagt. Wieder zu Hause in seinem Trailerpark sucht er eine Voodoomama auf, die verspricht, ihn mithilfe ihrer Magie zum Superstar zu machen. Und siehe da: Am nächsten Morgen erwacht Martin nicht nur mit einer riesigen, hochtoupierten Hardrockmähne, er besitzt auch ein herrschaftliches Haus mit Jacuzzi und drei geilen Schlampen – und kann Gitarre spielen wie Yngwie Malmsteen. Als „Angel“ angelt (hihi) er sich den Job in der Band, schmeißt den heroinsüchtigen, tuntigen Sänger raus und verschafft ihnen einen hochdotierten Plattenvertrag beim Plattenfirmenboss (Troy Donahue), der in seinem Büro den schlechtesten Rap der Welt hört und dafür berechtigterweise beleidigt wird. Das neue Leben hat aber auch seine Nachteile: Um zu überleben, muss er regelmäßig töten und die Seelen seiner Opfer aufsaugen. Bassist Greg (Tim Moffett), dem Angel die Managerfreundin Lindsay (Traci Lords) ausspannen will, wittert die Gefahr …

SHOCK ‚EM DEAD ist eine schäbige Low-Budget-Produktion, die mit Traci Lords, Troy Donahue und Aldo Ray in seiner letzten Rolle verzweifelt um Aufmerksamkeit buhlt. Der Sound der Band sowie ihr Outfit waren 1991, dem Jahr von Nirvana, eigentlich schon gnadenlos überkommen, aber Freed inszeniert das alles mit Pokerface, nicht ohne Humor, aber ohne jedes Anzeichen von wissender Selbstironie. Und das ist ja auch das Tolle daran. Der Gnadenhammer ist natürlich das große Konzert, bei dem Angel zum kommenden Superstar avanciert: Erst eiert da der für alle außer ihn selbst offensichtlich granatenschwule Sänger im pinkfarbenen Jumpsuit und mit Ballettschrittchen über die Bühne, dann stellt Angel ihm ein Bein, schmeißt ihn unter dem Gejohle der Fans von der Bühne und reißt die Performance an sich, ohne dass die Band großen Anstoß daran nehmen würde. Angel spielt im Trockeneisnebel auf einer lachhaften zweihälsigen Gitarre, vollführt peinliche Griffbretttricks für kommende Axtgötter und kotzt zum großen Finale einem begeisterten Groupie beherzt auf die Auslage. Aber auch abseits dieser denkwürdigen Sequenz gibt es eine Menge zu lachen und zu staunen: Der Film ist einfach ein kleines Wunder, dass das Jahr 1991 ganz weit weg erscheinen lässt. Großen Anteil am Gelingen hat Hauptdarsteller Stephen Quadros, der sowohl den bemitleidenswert dämlichen Nerd als auch den teuflisch-größenwahnsinnigen Rockstar überzeugend interpretiert. Quadros ist keine uninteressante Person, wie ich feststellen durfte: Er war tatsächlich Drummer und spielte angeblich sogar einmal für Kiss vor, bevor ihn eine Verletzung zum Aufhören zwang. Er orientierte sich um, wurde Schauspieler und Martial-Arts-Experte: Unter anderem wirkte er als Ratgeber an Filmen wie CRADLE 2 THE GRAVE mit. Das ist vielleicht das einzige, was SHOCK ‚EM DEAD noch fehlt: ein paar harte Fights und Flying Kicks, aber man kann bekanntlich nicht alles haben. Und Freeds Film hat sonst Reize im Überfluss. Wo sonst bringt man das Monster um, indem man ihm etwas zu Essen gibt? Eben.

Kommentare
  1. Klingt spaßig.
    Wo findest du denn solche Perlen des guten Geschmacks?

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