happy hell night (brian owens, jugoslawien/kanada 1992)

Veröffentlicht: Dezember 13, 2016 in Film
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happyhellnight-quest1Man tut dem Slaherfilm kein Unrecht, wenn man ihm nachsagt, dass er sich wie nur wenige andere Genres für die Stellenlektüre eignet. Das gilt für seine berühmtesten Vertreter, die zwischen den klimaktischen Mordszenen jede Menge Zeit totschlagen, aber noch mehr, wenn man sich zu Werken auf den unteren Brettern der Videothekenregale vorarbeitet. Will sagen: Je mehr man von diesen Filmen sieht, umso mehr lernt man, bei der Beurteilung auf die kurzen Szenen und Momente zu achten, in denen die meist kläglichen Produktionsbedingungen überwunden werden konnten, sich das kollektive Unvermögen wie von Geisterhand zu Augenblicken der Poesie addiert und der sprichwörtliche Silberstreif durch die allgemeine Trübnis zischt. So gesehen wird HAPPY HELL NIGHT immer der Slasherfilm mit dem kreuzunheimlichen, saumäßig effektiven Auftakt sein, auch wenn er dem leider nichts hinzuzusetzen hat, sich nach zehn Minuten stattdessen in den üblichen rammdösigen Fraternity-Kapriolen verliert und seinen eigentlich recht gruseligen Killer als albernen Freddy-Verschnitt vergeigt.

Zwei Pfleger, ein Mann und eine Frau, schleichen durch die dunklen, mödrigen Gänge einer Irrenanstalt. Am Ende eines Flures bleiben sie vor einer Tür stehen, hinter der sich der berüchtigtste Insasse des Hauses verbirgt. Die Frau schaut durch die Luke hinein, man sieht sie und den Strahl ihrer Taschenlampe von innen. Sie erblickt etwas und schreit. Der Mann erklärt ihr mit Grabesstimme, dass dieser Insasse seit 25 Jahren nichts anderes tue als dort zu sitzen, als ob er auf etwas warten würde. Man sieht ihn nicht ganz, nur seinen Schatten, wie er da regungslos auf einem Stuhl im fahlen Licht sitzt. 25 Jahre zuvor wurde er gefasst, nachdem er in den Katakomben einer alten Kirche ein wahres Gemetzel unter einigen Studenten angerichtet hatte. Auch dies fängt Owens sehr effektiv ein, lässt einen Zeugen im Dunkel erst über blutige Gliedmaßen stolpern bevor ein leichenblasser, glatzköpfiger, blutverschmierter Mann mit riesigen schwarzen Augen in den Lichtschein seiner Taschenlampe stolpert. Ein wirklich spitzenmäßiger Auftakt.

Leider kommt danach nicht mehr viel, meist sogar deutlich weniger: Zur „Hell Night“, in der sich traurige Studenten bei den diversen Fraternitys anbiedern und sich in meist demütigenden Mutproben beweisen müssen, muss ein armer Tropf ein Foto des Killers machen und befreit ihn dabei. Im Folgenden sucht der irre Mörder die Studenten heim – die derselben Fraternity angehören, deren Mitglieder er damals schon dahingerafft hatte – und killt sie mit einem Eispickel, nicht ohne dabei fürchterlich unterbelichtete One Liner abzusondern, die nicht nur unwitzig sind, sondern zu dieser Figur einfach überhaupt nicht passen wollen. Weil die Studenten gerade eine Riesenparty feiern, gibt es auch ein paar weibliche Opfer, die hier und da etwas nackte Haut zeigen. Einer der Studenten – ein Loser mit Schnurrbart, fliehendem Kinn und einem Muttermal am Ohr, das ich zunächst für einen fleischfarbenen Ohrring gehalten habe – betreibt einen College-Fernsehsender, filmt seine Kumpels mit versteckten Kameras beim Sex und führt sich dabei wie ein Pornomogul auf. Am Ende kommt etwas schwarze Magie ins Spiel und die Flucht vor dem Mörder wird endlos ausgewalzt, als sei das alles auch nur im Entferntesten spannend, bevor HAPPY HELL NIGHT schließlich mit der vorhersehbarsten Pointe aller vorhersehbaren Pointen schließt. Nee, der Film ist nix. Aber er hat eben diesen Anfang – und Sam Rockwell und Jorja CSI Fox in Mini-Nebenrollen, auf die man sie heute wahrscheinlich eher nicht mehr ansprechen sollte.

Kuriosum am Rande: Der deutsche und englische Wikipedia-Eintrag machen alles richtig. Bis auf die Inhaltsangabe, die nichts, aber auch rein gar nichts mit diesem Film zu tun hat. Sehr seltsam.

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