16. hofbauer kongress: o bem dotado – o homem de itu (josé miziara, brasilien 1978)

Veröffentlicht: Januar 10, 2017 in Film
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VERFLIXT NOCHMAL – WER HAT? DER HAT! lautet der hübsche deutsche Titel, unter dem diese brasilianische Sekomödie hierzulande firmierte. Der Film sorgte für große Heiterkeit – sicher handelte es sich um die Stimmungskanone dieses Kongresses, was passt, weil sich auch seine Geschichte um eine solche „Stimmungskanone“ dreht.

Lírio (Nuno Leal Maia) ist ein klassischer Dorfdepp: Groß und kräftig zwar, mithin durchaus attraktiv, aber etwas einfältig und von dem Pfarrer, der als sein Vormund fungierte, leider in dem Bewusstsein erzogen, dass Sex pfui ist. Die Mädchen im Dorf mühen sich vergeblich, ihn zu entjungfern, aber alles ändert sich, als zwei wohlhabende Gesellschaftsdamen, Doña Nair (Consuelo Leandro) und Doña Zila (Maria Luíza Castelli) ihn auf der Suche nach einem Antiquitätengeschäft an der Straße aufgabeln. Sie stellen nämlich fest, dass er mit einem riesigen Gemächt ausgestattet ist: ein Fakt, der auch den anderen weiblichen Hausangestellten sowie dem Freundinnenkreis nicht verborgen bleibt und manche Begehrlichkeit weckt. Der zunächst so scheue Lirio kommt bald auf den Geschmack, während im zuvor so geordneten Leben seiner Gönnerinnen das totale Gefühlschaos ausbricht.

VERFLIXT NOCHMAL ist eine Meisterleistung der Effizienz: Die streng genommen zwei Gags, die Regisseur Miziara aufzubieten hat, werden immer und immer wieder verbraten, aber dem Erfolg der Unternehmung tut das keinen Abbruch. Eher im Gegenteil verstärkt sich der Effekt durch die Wiederholung noch. Der eine Witz besteht in einer Soundeffekt-Orgie, die die unkontrollierten Spontanerektionen des Protagonisten untermalt: ein Flötenton, ein Hupen und ein Gong gehören dazu, also der unverzichtbare Grundstock des Slapstick-Tonarchivs, und sie künden zusammen sehr anschaulich von den entgeisterten Blicken der weiblichen Belegschaft von den gigantischen Dimensionen des Geschlechtsteils, das da unsanft aus dem Dornröschenschlaf gerissen wurde. Der andere Witz schließt sich meist direkt an: Der Orgasmus, den Lírio seinen Verehrerinnen verschafft, sorgt nämlich für erdbebenartige Erschütterung, purzelnde Menschen und panisch im Zeitraffer fliehende Hunde. Man ahnt es schon: VERFLIXT NOCHMAL ist von comichafter Überzeichnung, dabei aber – anders als etwa die Commedia sexy all’Italiana, an die er teilweise erinnert – weniger konfus, überdreht und vollgestopft, sondern sehr konzentriert und reduziert auf seine zentrale Idee.

Der Film bedient natürlich auch die Ressentiments des vermutlich eher ländlichen Publikums gegenüber den überkandidelten Bonzen aus der Großstadt, die über den „einfachen Bürger“ verfügen wie über einen Gegenstand. Zu Beginn gibt es ein Missverständnis zwischen Nair und Zila, als letztere über das „Stück“ redet, das sie beim Antiquitätenhändler erstanden hat, und erstere dies auf das Glied Lírios bezieht. Sex ist in der Stadt immer mit extremen Konfusionen, Heimlichkeit und Komplikationen verbunden, die Frauen sind unbefriedigt und geil, die Männer impotent, schlecht bestückt und eifersüchtig. Und dass Nair, Zila und ihre Freundinnen dann auch noch in einem Frauenverein engagiert sind, der sich für die Gleichberechtigung einsetzt, ist dem Film auch eher suspekt. Das Gegenstück zur urbanen Korrumpiertheit findet Lírio zurück in seiner Heimat bei der süßen Volga (Ana Maria Nascimento e Silva), mit der er sich einfach in der Natur nieder- und es krachen lässt. Vor Erlangung dieses romantischen Liebesidylls muss er aber noch einiges durchstehen: Er geht in der Großstadt verloren, wird von zwei Zivilpolizisten aufgegriffen (hier wird VERFLIXT NOCHMAL für Nicht-Brasilianer, die schon einmal von Todesschwadronen gehört haben, ganz kurz einmal ziemlich unheimlich), landet bei einer reichen Ehebrecherin, zieht den Zorn des japanischen Hausdieners Kimura auf sich, dessen Freundin Pedra sich an ihm vergeht, und wird schließlich von einer ganzen Horde geiler Weiber verfolgt.

Für großes Vergnügen sorgten nicht nur die schon erwähnten Soundeffekte, sondern gewiss auch das Backpfeifengesicht des Hauptdarstellers, eine schlaksige Mischung aus Belmondo und Celentano, Dialogpreziosen von geplatzten Hosen, die Idee, dass sämtliche von Lírio beglückten Damen zunächst ärztlicher Handlung oder zumindest eines Krückstocks bedürfen, und dessen Bemühungen, seine Erektionen im Zaum zu halten: Erst zieht er fünf Hosen übereinander an, dann hüllt er sich in eine Ritterrüstung, mit dem Ergebnis dass auch die Kollision von Schwanz und Metall ihren eigenen Soundeffekt bekommt. Pimmelwitze sind ein schwieriges Feld, José Miziara erweist sich mit VERFLIXT NOCHMAL – WER HAT? DER HAT! als Großmeister der Gattung.

 

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