suicide squad (david ayer, usa 2016)

Veröffentlicht: Januar 24, 2017 in Film
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Ist es nur die geminderte Erwartungshaltung oder doch die Sympathie für den Underdog, die mich solche schon im Vorfeld mit Häme und Spott überzogenen, vermeintlich „misslungenen“ (DC-)Filme wie SUICIDE SQUAD regelmäßig besser finden lässt, als ihre gefeierten (Marvel-)Kollegen?

Man konnte viel darüber lesen, dass Ayer und seine Schauspieler ohne Drehbuch arbeiten, ihre Geschichte quasi on the spot, von Drehtag zu Drehtag, improvisieren mussten; dass das Studio dem Regisseur bei jeder Entscheidung dazwischengrätschte, Jared Leto es mit dem method acting übertrieb. Bei Erscheinen wurde SUICIDE SQUAD heftig verrissen, was an seinem finanziellen Erfolg aber nichts änderte. Langweilig sei der Film, unlogisch, schlecht inszeniert, darüber hinaus zahnlos, vor allem gemessen an der gezeichneten Vorlage, die dem Vernehmen nach relativ blutig ist (ich hab das Comic nie gelesen). Fakt ist, dass der Film viel Potenzial verschleudert: Die Exposition ist toll, temporeich, mit viel Schwung und Stilbewusstsein inszeniert, das Figureninventar interessant, die Darsteller sind mit viel Engagement bei der Sache. Der Humor ist over the top, mit dem wenig originell, aber sehr ikonisch bestückten Soundtrack peilt der Film auf sehr gelungene Art und Weise die archetypische Überzeichnung an, die für Superhelden-Comics so charakteristisch ist. Leto setzt Ledgers Joker eine exzentrischere, selbstverliebtere, aber nicht minder verstörende Darbietung gegenüber, Will Smith erinnert endlich mal wieder daran, dass er mal ein veritabler Actionstar war, Margot Robbie herrscht als Fetischfantasie Harley Quinn und die etwas untergeordneten Jai Courtney, Jay Hernandez und Adewale Akinnuoye-Agbaje haben als Captain Boomerang, Diablo und Killer Croc ebenfalls sichtbar Spaß an ihren Rollen. Alle Zeichen stehen auf Durchmarsch, doch dann versumpft der Film auf unerklärliche Weise.

Die Vorbereitung der Handlung ist noch viel versprechend, doch leider mündet die Exposition in eine knapp 90-minütige Actionsequenz, die ohne nennenswerte Höhepunkte, dramaturgische Zuspitzung oder auch nur einen klaren Konflikt vor sich hin dümpelt. Interessant wird es immer dann, wenn der Joker auftritt, weil die bizarre Liebesbeziehung zwischen ihm und Harley einen emotionalen Anknüpfungspunkt bietet, den etwa die bloß behauptete Liebe zwischen dem Soldaten Flag (Joel Kinnaman) und der von einer uralten Zauberin besessenen Wissenschaftlerin June Moon (Cara Delevingne) überhaupt nicht trifft. Überhaupt: Hat jemand verstanden, wieso die Enchantress ausbricht, obwohl man sie doch angeblich durch den Besitz ihres Herzens unter Kontrolle hat? Und warum sie einen riesenhaften Gehilfen benötigt, obwohl sie doch selbst so mächtig ist? Ich jedenfalls nicht, auch nach mehreren Versuchen nicht. Die Konfusion und Löchrigkeit von SUICIDE SQUAD (auch in der langen Fassung) ist auch deshalb so rätselhaft, weil der Film in sich eigentlich sehr homogen wirkt. Es gibt keine sichtbaren Sprünge, der Film ist geradezu ein Paradebeispiel für lineare Handlungsentwicklung (man kann buchstäblich 120 Minuten lang neben den Figuren herlaufen).

Dass ich ca. vier Anläufe gebraucht habe, SUICIDE SQUAD zu Ende zu sehen, würde ich immer noch in erster Linie meiner Müdigkeit nach Feierabend zuschreiben, aber so ganz unschuldig daran ist der Film selbst auch nicht. Mit diesem Figureninventar nichts besseres anzufangen wissen, als sie in eine eintönige Auseinandersetzung mit einem leeren Obermufti zu schicken, ist schon ein Armutszeugnis, auch wenn man immer wieder erkennen kann, dass Ayer was drauf hat. Warum man sich nicht auf den Joker als Hauptgegner konzentrierte, ist mir ein Rätsel. Dass ich hier dennoch eher geneigt bin, Gnade walten zu lassen, liegt am Look des Films, eben an den Charakteren und der ersten Dreiviertelstunde, die richtig viel Spaß gemacht hat. Und es ist dann doch mehr hängengeblieben als vom durch und durch routinierten CIVIL WAR.

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