3. mondo bizarr weekender: horror on snape island (jim o’connolly, großbritannien 1971)

Veröffentlicht: Februar 5, 2017 in Film
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unbenanntHORROR ON SNAPE ISLAND habe ich zum letzten Mal vor sage und schreibe 12 Jahren gesehen (unmittelbar danach habe ich Ameñabars Querschnittslähmungsdrama MAR ADENTRO im Kino geschaut, was für ein Double Feature!). Außer, dass ich ihn damals sehr putzig fand, habe ich genau gar nichts davon in Erinnerung behalten. Nur, dass der Film eher der Kategorie „dumm und billig“ zuzuordnen war, hatte ich noch abgespeichert. Die neuerliche Sichtung zeigt aber, dass sich dieses Urteil nur bedingt aufrechterhalten lässt: Ja, HORROR ON SNAPE ISLAND – den sowohl deutsche wie auch englischsprachige Verleiher dem uninteressierten Publikum unter zahlreichen reißerischen Titeln andienten, darunter DEVIL’S TOWER – SCHRECKENSTURM DER ZOMBIES, TURM DER LEBENDEN LEICHEN, TOWER OF EVIL und BEYOND THE FOG -, dürfte eher preisgünstig gewesen sein und besonders intelligent ist er auch nicht, aber ihn als „billig und dumm“ zu diffamieren, ist viel zu gemein.

Die inhaltlich sowohl an Shermans meisterlichen DEATH LINE wie auch an D’Amatos ANTHROPOPHAGUS erinnernde Schauermär um einen dem Wahnsinn verfallenen Zauselkopp, der auf einer einsamen Insel sein Unwesen treibt, auf die es einst auch die Phönizier (!)  verschlagen hat, ist vor allem eins: endlos charmant. Wie eigentlich fast alle der raren britischen Horrorfilme aus jener Zeit hat er diese wunderbar staubig-rumpelige Kirmesbudenanmutung, die auch über manche eher langweilige Passage hinweghilft. Außerdem inszeniert O’Connolly – berühmtester Film: das Harryhausen-Vehikel VALLEY OF GWANGI – durchaus kompetent, weiß seine liebevoll ausstaffierten Studiosettings effektiv einzusetzen und hat zudem eine Riege an Darstellern, die den Kenner mit der Zunge schnalzen lässt. Dennis Price bringt in einem geil psychedelischen Seitenarm des Films Respektabilität, und einen besseren Seemann als Jack Watson kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen. Dazu kommen Leute wie Bryant Haliday, Jill Haworth, Mark Edwards, Anna Palk oder Robin Askwith, deren Namen man nicht unbedingt kennt, die man aber alle schon einmal in anderen, vergleichbaren britischen Filmen gesehen hat und über die man sich freut.

HORROR ON SNAPE ISLAND ist ein Vertreter eines Subgenres, das ich mal als „Zauselfilm“ bezeichnen würde: Im Zentrum steht ein zurückgebliebener, vollbärtiger, sabbernder, verdreckter und ultimativ bemitleidenswerter Tropf, der im Zustand geistiger Umnachtung Menschen ermordet und am Ende von seinem traurigen Schicksal erlöst wird. O’Connollys Film ist der ideale Partner für den schon erwähnten DEATH LINE von Sherman, mit dem er wohl die Speerspitze des leider nicht zu Weltruhm gelangten Formats bildet. Auch im amerikanischen Backwood-Film lassen sich Vertreter des Zauselkinos ausmachen, aber ich spreche hier wohl vielen aus der Seele, wenn ich behaupte, dass die Briten einfach einen besonders avancierten Zugang zur Zauseligkeit hatten. (Ich muss bei Gelegenheit noch einmal THE CELLAR auffrischen, aber ich meine, dessen menschliches Monster hatte weder Vollbart noch Latzhose, lässt also die für das Etikett des Zausels nötige Ausstattung vermissen.) Schade, dass es nicht mehr britische Zauselfilme gibt! SNAPE bekommt im letzten Drittel noch einmal einen kleinen Arschtritt, wenn die phönizische Baal-Statue gefunden wird, die aussieht, wie ein missglückter Muppet, der den Stinkefinger zeigt. Ich hoffe inständig, dass O’Connollys Werk nie bis nach Phönizien gedrungen ist, weil diese Darstellung dazu geeignet ist, die diplomatischen Beziehungen schwer zu beschädigen. Im Zeitalter von Trump und Putin können wir uns nicht auch noch einen Konflikt mit Phönizien erlauben!

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