31 (rob zombie, großbritannien/usa 2016)

Veröffentlicht: März 9, 2017 in Film
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Rob Zombie hatte als Regisseur schon immer ein immenses Nervpotenzial. Die fatale Polanskieske Begeisterung für seine zugegeben knackige, aber nur mäßig begabte Gattin, der White-Trash-, Truckermützen- und Seventies-Redneck-Fetisch, der mitunter nicht subversiv, sondern eher infantil anmutende Hang zum ostentativen Tabubruch, die Unfähigkeit, drei zusammenhängende Dialogzeilen ohne Verwendung des Wörtchens „Fuck“ oder ähnlicher Vulgarismen zu Papier zu bringen: Das alles ließ mich auch schon in Zombies vorangegangenen Filmen mitunter die Augen verdrehen. Meist verzieh ich ihm seine Exzesse, weil ich ihm nicht absprechen konnte, einen eigenen Stil entwickelt zu haben, Filme zu machen, die unverkennbar die seinen waren, for better or worse. Und darüber hinaus entwarf er zum einen aufregende Bildwelten (die psychedelischen Tunnelsysteme in HOUSE OF 1000 CORPSES etwa), zum anderen hatte er immer wieder interessante und durchaus auch intelligente Einfälle, die einen über seine Fehlgriffe hinwegsehen ließen. Ich mochte nicht alle seine Filme, für manche brauchte ich zwei Anläufe (THE DEVIL’S REJECTS), bei anderen konnte ich mich dazu bislang nicht hinreißen (HALLOWEEN 2), aber ich war trotzdem immer neugierig, was da kommen würde, weil zumindest sicher war, dass Zombie keine fade Durchschnittsware liefern würde. Und sein letzter Spielfilm, THE LORDS OF SALEM ließ sogar die Möglichkeit eines künstlerischen Reifeprozesses plausibel erscheinen.

Nach 31 ist von dieser Hoffnung allerdings nicht mehr viel übrig. Der Film vereint Zombies fragwürdigsten Impulse in hochverdichteter Form, ohne jedoch den entsprechenden Ausgleich zu liefern. Es gibt keine interessanten Charaktere, keine auch nur ansatzweise involvierende Geschichte, ja nicht einmal ein einzige irgendwie reizvolle Idee oder auch nur ein im Gedächtnis bleibendes Bild. Stattdessen angesichts der nichtigen Handlung ausufernde 104 Minuten lang nervtötendes Gekreisch, in unattraktiver Wackeloptik inszenierte Metzeleien und Geschmacklosigkeiten, die möglicherweise einen 14-jährigen Mormonen in Salt Lake City oder Zombies unkritische Fanschar zu schocken vermögen, aber einem einigermaßen intelligenten Zuschauer kaum mehr als ein Gähnen entlocken dürften. 31 markiert den Moment, in dem Zombie die Phase der Selbstkopie mit Verve überspringt und gleich bei der ungewollten Selbstdemontage landet.

Seine Protagonisten Roscoe (Jeff Daniel Phillips), Charly (Sheri Moon Zombie), Panda (Lawrence Hilton-Thomas), Venus (Meg Foster) und Levon (Kevin Jackson) sind die fluchenden, fickenden, kiffenden, Classic Rock hörenden Betreiber einer Sideshow, die von drei vergreisten Bonzen im Barock-Outfit (Malcolm McDowell, Judy Geeson und Jane Carr) und ihren Killer-Clowns aufgegriffen und in ein mörderisches Menschenjagd-Spiel in einem leerstehenden Fabrikgebäude eingespannt werden. Bei diesen Clowns handelt es sich um einen spanisch sprechenden Lilliputaner (Pancho Moler) mit Hitlerbärtchen und Hakenkreuz-Tattoo auf dem Bauch, zwei Freaks mit Kettensägen, einen hochgewachsenen Deutschen (Torsten Voges) mit blonder Langhaarfrisur und Tütü, der „Hänschen Klein“ singt und eine puppenhaft aufgetakelte Freundin (Elizabeth Daly) an einer Leine mit sich führt, und schließlich „Doom-Head“ (Richard Brake), den „Endgegner“, eine jener Zombie-typischen White-Trash-Figuren, die man in einer schmierigen Sexszene mit einer ekligen Prostituierten bewundern darf. Das Menschenjagd-Szenario, dessen sich immer wieder sehenswerte kleine Exploiter angenommen haben, wird vollkommen lustlos und ohne jeden Witz abgespult: Offensichtlich war Zombie der Meinung, seine mittlerweile doch reichlich abgedroschenen Einfälle würden seinen Film allein tragen. Ein bitterer Irrtum.

Die Momente, in denen man sich daran erinnert, wozu er in der Vergangenheit fähig war, sind rar gesät: Richard Brake gibt trotz seiner einfallslosen Figur eine gute Vorstellung ab, das Finale versöhnt zwar nicht mit dem drögen Vehikel, ist aber dennoch die beste Szene des Films. Die Ernüchterung ist groß. 31 ist von einer solchen Einfallslosigkeit und Primitivität, dass er in der Lage ist, rückwirkend auch die gelungeneren Vorgänger zu diskreditieren, weil man plötzlich vermutet, dass deren Stärken bloß dem Zufall geschuldet waren. Das einzige Argument, das man zu Zombies Ehrenrettung anführen könnte: Dass er diesen mit knapp 1,5 Millionen US-Dollar enorm billig entstandenen Film nur gedreht hat, weil sich nichts anderes anbot und er mal wieder was von sich hören lassen wollte (der geradezu offensiv nichtssagende Titel und der Verzicht, ihn irgendwie zu erklären, könnten Indizien in diese Richtung sein). Aber auch dann muss man fragen, ob es nicht ein bisschen mehr – oder wenigstens weniger vom Blöden – hätte sein können. Es tut mir schon ein bisschen weh, das so deutlich formulieren zu müssen, aber 31 ist einfach eine ziemlich unentschuldbare Scheiße.

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