race with the devil (jack starrett, usa 1975)

Veröffentlicht: April 1, 2017 in Film
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Zwei befreundete Pärchen – Roger (Peter Fonda) und Kelly (Lara Parker) sowie Frank (Warren Oates) und Alice (Loretta Swit) – wollen gemeinsam in den Skiurlaub fahren. Dafür haben sie sich das modernste Wohnmobil besorgt, dass es auf dem Markt gibt. Unterwegs beobachten sie einen nächtlichen Ritualmord: Ihnen gelingt die Flucht, aber anschließend lauern ihnen immer wieder Sympathisanten der Sekte auf, die anscheinend das gesamte amerikanische Hinterland unterwandert hat …

Die Geschichte von RACE WITH THE DEVIL ist von berückender Einfachheit und greift auf mehrere bereits etablierte Motive zurück, die munter miteinander vermischt werden. Zu nennen sind natürlich vor allem der Paranoia-Thriller der Marke INVASION OF THE BODY SNATCHERS und mal wieder der Backwood-Horror THE TEXAS CHAINSAW MASSACRE. Aber Starretts Film ist nicht nur ein Remix des Bekannetn: Mit der langen Verfolgungsjagd, die den Film beschließt, hat er wahrscheinlich seinerseits einen geringen Einfluss auf George Millers späteren MAD MAX 2: THE ROAD WARRIOR genommen. Dass RACE WITH THE DEVIL so gut funktioniert, liegt sicherlich an den beiden sympathischen Hauptdarstellern und der Unaufgeregtheit, mit der Starrett seinen Film zielstrebig runterinszeniert hat, meiner Meinung nach aber mehr noch an etwas anderem: Es ziehen sich lauter kleine Subtexte durch RACE WITH THE DEVIL, die nie wirklich ausformuliert werden, aber dem schnittigen kleinen Thriller Vielschichtigkeit und eine gewisse Tiefe geben.

Da ist zum einen die schon angesprochene Besetzung: Fonda war wenige Jahre zuvor mit EASY RIDER, aber auch mit Filmen wie Cormans THE TRIP zu einer Ikone der Gegenkultur geworden, und auch Warren Oates hatte in Hollywood immer als Outsider gegolten. Starrett spielt in der Gestaltung von Fondas Rolle mit dessen Persona, indem er ihn etwa zum Motorradfahrer und zum coolen Smartass macht, aber eigentlich sind beide gegen den Strich besetzt, wie sie da mit ihren Ehefrauen und einem Wohnmobil durch die Gegend fahren. Man kann das kaum anders als als sarkastischen Kommentar zur Generation der „Blumenkinder“ verstehen, die Mitte der Siebzigerjahre längst wieder in der Realität angekommen waren. Da machten dann die sexuell befreiten Ehefrauen den beiden saufenden Gatten Rührei, während die den schnellst Weg nach Amarillo ausbaldowerten, oder warfen sich abends vielsagende Blicke zu, wenn die Herren der Schöpfung sich beim Austausch alter Jugendgeschichten den Arsch zusoffen – oder freuten sich auch einfach nur darüber, eine Mikrowelle an Bord ihres Luxusvehikels zu haben. Ein bisschen hat mich RACE WITH THE DEVIL an Harold Ramis‘ NATIONAL LAMPOON’S VACATIION erinnert: Wie Familienoberhaupt Clark Griswold sich nach etlichen Katastrophen immer noch weigert, den Familienurlaub einfach abzubrechen, bestehen auch Roger und Frank darauf, nach Amarillo zu fahren, koste es was es wolle. Die Liebe und das Eheglück werden von Starrett nie wirklich hinterfragt, aber die Rollenverteilung spricht für sich: In erster Linie machen die Ehemänner diesen Urlaub für sich, um mal wieder so richtig auf die Kacke hauen zu können. Die Frauen sind gewohnheitsmäßig dabei und stören ja auch nicht weiter. „Ihre Jungs“ haben sich den Spaß ja durchaus verdient. Dass sich die Landbevölkerung die eingebildeten Städter vorknöpft, ist ja nun die Grundbedingung des Backwood-Films, aber bedenkt man, woher Fonda und Oates kamen, kann man auch das kaum anders als als Gag verstehen. Gerade Fonda hätte es nach EASY RIDER ja nun besser wissen müssen …

 

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Kommentare
  1. Marcos sagt:

    Hab den mit 14 oder so zum ersten Mal gesehen und mir beim Ende fast in die Hose geschissen. Im gleichen Jahr hat Thomas McGuane Oates und Fonda für den avangarditisch angehauchten 92 IN THE SHADE zusammenbekommen. Hätten ruhig mehr Filme zusammen machen sollen.

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