gojira tai hedora (yoshimitsu banno, japan 1971)

Veröffentlicht: Mai 10, 2017 in Film
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Je nachdem, wen man fragt, ist GOJIRA TAI HEDORA ein absoluter Favorit der GOJIRA-Reihe oder aber das krasse Gegenteil. Für Tōhō-Chef Tomoyuki Tanaka, der während der Entstehung des Films in einem Krankenhaus weilte, fiel GOJIRA TAI HEDORA klar in die zweite Kategorie: Er war angeblich schockiert von dem Ergebnis und davon, was Regisseur Yoshimitsu Banno aus „seinem“ Godzilla gemacht hatte und sorgte dafür, dass Banno – der übrigens vor drei Tagen im Alter von 71 Jahren  verstorben ist – sich vom Fall-out nicht mehr erholte. Sein Spielfimdebüt sollte auch sein letzter bleiben, obwohl er sich bereits in den Vorbereitungen für ein Sequel befand; er trat danach nur noch als Produzent in Erscheinung. Immerhin musste er sich keine Vorwürfe machen, denn er war wohl sehr zufrieden mit dem Ergebnis. Und wie man GOJIRA TAI HEDORA am Ende auch bewertet, daran, dass der Film innerhalb der homogenen Reihe einen überaus originellen, ja fast schon avantgardistischen Ausreißer darstellt, besteht kaum ein Zweifel. Schließlich ist es genau das, was ihm meist angekreidet wird.

GOJIRA TAI HEDORA handelt von der Umweltverschmutzung und von einem Monster namens Hedora, dass durch eben diese Verschmutzung entsteht und sie dann noch weiter verstärkt. Das Geschöpf kommt zunächst aus dem Wasser, verwandelt sich dann in eine aufrecht wandelnde Gestalt und schließlich in ein Flugmonster. Godzilla stellt sich dem Treiben Hedoras entgegen und besiegt es am Ende. Beobachtet und kommentiert wird das Geschehen von dem Wissenschaftler Dr. Toru Yano (Akira Yamauchi) und seinem Sohnemann, dem großen Godzilla-Fan Toshie (Toshie Kimura). Zwischendurch gibt es immer wieder Zeichentricksequenzen oder auch pseudowissenschaftliche Exkurse sowie Bilder von verschmutzten Gewässern, qualmenden Fabrikschornsteinen und Müllhalden. Gegenüber dem bonbonbunten Pop-Potpourri, das in den GOJIRA-Filmen sonst aufgefahren wird, wirkt GOJIRA TAI HEDORA ernüchternd grau, auch wenn sich diese Düsternis über die Distanz von 45 Jahren ziemlich relativiert hat. Wenn Hedora da mit Wonne an einem Fabrikschornstein saugt wie ein Kiffer an der Blubba, dann ist das einfach ein überaus putziger Einfall. Wie auch Bannos Idee, Godzilla im Finale fliegen zu lassen, zum ersten und einzigen Mal in seinem langen, wechselhaften Leben.

Neben solchen skurrilen Einfällen und der Bezugnahme auf reale Probleme – eigentlich ja eine Rückbesinnung auf den Ursprung Godzillas – ist es aber die Struktur, die GOJIRA TAI HEDORA zu einem Unikat macht. Klar, letztlich geht es in allen Kaiju der Produktionsfirma Tōhō um die Balgerei der Monster; niemand sah sich die Filme wegen der psychologisch ausgereiften menschlichen Protagonisten an. Trotzdem standen diese im Mittelpunkt der Geschichte, in die sie als handelnde Personen eingriffen. Das ist in GOJIRA TAI HEDORA nicht mehr so: Die Menschen sind nur noch Beobachter und ihre einzige Funktion besteht darin, Exposition abzuleisten oder aber einen Anknüpfungspunkt für den Zuschauer zu bilden. Der ganze Film ist auffallend handlungsarm, besteht eigentlich nur aus einer Prämisse und einer sich anschließenden Monsterkeilerei, die aber mithilfe der schon erwähnten bizarren Regieeinfälle und eines sehr unorthodoxen Scores „verfremdet“ wird. Teilweise fühlte ich mich an alte Folgen von DIE SENDUNG MIT DER MAUS aus meiner Kindheit erinnert, bei der sich bunte Zeichentrickclips mit tristen Spiel- und Lehrfilmbeiträgen abwechselten. Es fällt schwer das zu glauben: Aber  inmitten eines sowieso schon ziemlich wilden Genres legte Banno mit GOJIRA TAI HEDORA noch einmal eine Schippe obendrauf und vermischte Elemente aus Filmwelten, die nie zuvor jemand zusammengedacht, geschweige denn -gebracht hatte – und danach auch nicht mehr.

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Kommentare
  1. Michael Behr sagt:

    Was ich an diesem Film immer unheimlich „erwachsen“ fand, im Gegensatz zu den meist bunten Serienzeitgenossen, war die Tatsache, dass Hedora wirklich ein Monster ist, das ersichtlich Menschen tötet. Ich denke da an die Szene, in der es über die Schule (?) hinweg fliegt und alle Kinder und die Lehrerin tot zu Boden sinken. Das hat es so, bei aller Zerstörung, glaube ich kein zweites Mal in der Serie gegeben.

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