gezora, ganime, kameba: kessen! nankai no daikaijû (ishirô honda, japan 1970)

Veröffentlicht: Mai 19, 2017 in Film
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Das wunderbare Plakatartwork, das ihr oben seht und das international in ähnlichen Ausführungen zur Anwendung kam, ist grob irreführend: Die putzige, glubschäugige Krake, die da die Erdkugel umklammert, ist nämlich mitnichten das titelgebende „Monster from Space“: Bei diesem handelt es sich um eine zumindest optisch eher unspektakuläre „Space Amoeba“, wie sie in anderen Versionen des Films genannt wird, die nach ihrer Landung mit einer Weltraumkapsel in der Nähe einer Pazifikinsel für unerwartete Mutationen sorgt, zu der eben auch die Riesenkrake zählt.

Die Entscheidung, diese Krake aufs Poster zu hieven, war natürlich goldrichtig, denn sie ist der absolute Höhepunkt des Films und Grund genug, sich Ishirô Hondas sonst etwas schnarchigen Kaiju anzusehen. Der Film folgt einer Abordnung japanischer Charaktere, die besagte Pazifikinsel auf ihre Eignung für ein großes Bauprojekt untersuchen sollen und dabei recht schnell auf die Riesenkrake stoßen, die die heidnischen Inselbewohner als „Gezora“ bezeichnen. Als Gezora mit vereinten Kräften besiegt und ins Meer getrieben wird – ja, es handelt sich um eine Krake, die sich auch an Land heimisch fühlt -, wird sie von einer Riesenkrabbe abgelöst, der sich am Ende auch noch eine Riesenschildkröte mit erigierbarem Katapulthals hinzugesellt. Die Spaceamöbe materialisiert sich in der Zwischenzeit in einem der Japaner und kündigt ihre Weltbeherrschungspläne an. Mithilfe von Fledermäusen – Ultraschall! – werden die Monster schließlich in den Wahnsinn und einen Vulkan getrieben.

GEZORA, GANIME, KAMEBA besteht zu einem Großteil leider aus dem dramaturgisch wenig erbaulichen Hin-und-Her-Gelatsche auf der Insel, das immer wieder durch die Auftritte der Monster unterbrochen wird. Im Unterschied zu Godzilla und Co. verfügen diese aber nicht über eine echte Identität und da sie es ausschließlich auf die ihnen allein größenmäßig weit unterlegenen Menschen abgesehen haben, es zudem keine Miniaturstädte gibt, die sie plattmachen könnten, sind ihre Attacken nicht gerade als spannend, sondern vor allem als redundant zu bezeichnen. Der Film hätte gut und gern eine halbe Stunde kürzer ausfallen können, ohne dass es ihm wesentlich geschadet hätte. Es ist das elefantenhäutige Krakenmonster Gezora, das ihn sehenswert macht, denn wie das da zwischen den Palmen umherwabbelt, ist schon eine echte Schau. Seine Nachfolger können den Verlust seines Ablebens nicht kompensieren, auch wenn das Krabbenmonster ebenfalls ganz hübsch anzusehen ist. Amüsiert habe ich mich am Schluss nur noch über die englischen Untertitel, die das Wort „bats“ überaus inflationär und in ungeahnten Satzkonstruktionen verwenden. Als Freund oder Sympathisant japanischer Kaijus sollte man GEZORA, GANIME, KAMEBA schon gesehen haben, weil er eben eine seiner schönsten Schöpfungen bereithält, aber den Schwung anderer Titel lässt er schmerzlich vermissen.

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