gern hab ich die frau’n gekillt (alberto cardone/robert lynn/sheldon reynolds, italien/frankreich/österreich 1966)

Veröffentlicht: Mai 24, 2017 in Film
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Das gab’s noch nie: Die drei Stars der Karl-May-Reihe, Pierre Brice, Lex Barker und Stewart Granger, vereint in einem einzigen Film! Und noch dazu Karin Dor, unvergesslich als Winnetous Gspusi Ribanna in WINNETOU 2. TEIL! Das war das Versprechen des Films, seine Unique Selling Proposition, um es mal in Marketingsprech zu sagen, und die Produzenten waren anscheinend so angetan von dieser Idee, dass die Notwendigkeit, eine richtige Story um diesen Besetzungscoup herum zu stricken, ihnen offensichtlich zweitrangig erschien. So ist GERN HAB ICH DIE FRAU’N GEKILLT also ein Episodenfilm geworden, in dem die drei Stars doch wieder fein säuberlich voneinander getrennt in unterschiedlichen Segmenten agieren, die in Wien (Granger), Rio (Barker) und Rom (Brice) spielen, und also doch nicht „gemeinsam“ auftreten.

Die Rahmenhandlung dreht sich um einen vermeintlichen Mädchenmörder (Peter Vogel), der sich auf der Flucht vor der Polizei im Haus von Professer Alden (Richard Münch) versteckt und von diesem im Verlauf des Abends drei Geschichten zu hören bekommt, die fuck all mit seinem Schicksal zu tun haben, aber egal. Episode eins ist die beste des Films und lässt Granger als mondäner Privatdetektiv David Porter in einer Mordsache in Wien ermitteln – natürlich zu Zithermusik. Dieser Teil des Films ist mit Leichtigkeit sauber inszeniert mit einigen schönen, stimmungsvollen Bildern des nächtlichen Wiens und gut aufgelegten Darstellern. Neben Granger, der diese versnobten Gentlemänner im Schlaf beherrscht, gefällt vor allem Walter Giller als sein freundlicher Butler. Episode zwei fällt dann schon massiv ab und schickt Pierre Brice als Geheimagent Brice (haha!) nach Rom. Worum es geht, ist zweitrangig, die ganze Geschichte wirkt wie aus unattraktiven Resten zusammenstückelt, ein bemüht lustiger Voice-over-Kommentar sowie alberne Soundeffekte versuchen zu retten, was zu retten ist. Es misslingt. Episode drei schließlich lässt den Privatdetektiv Glenn Cassidy (Lex Barker) von Los Angeles nach Rio jetten, um ein Komplott aufzudecken. Karin Dor absolviert einen sinnlosen Cameo als Rezeptionistin in einem Hotel und Klaus Kinski macht seine Aufwartung als kleiner Gauner. Natürlich dürfen Impressionen vom Karneval nicht fehlen. Am Ende erweist sich der Mädchenmörder als Kriminalist, der den eigentlichen Killer – Professor Alden – überführt.

GERN HAB ICH DIE FRAU’N GEKILLT, benannt nach dem Stück „Gern hab ich die Frau’n geküsst“ aus der Operette „Paganini“ von Franz Lehár, ist einigermaßen kurzweilig – wie könnte es bei einem Episodenfilm auch anders sein -, aber so willkürlich und sinnfrei, dass es kracht. Weder passen die drei Geschichten zusammen – von der oben erwähnten Gemeinsamkeit ihrer Hauptdarsteller mal abgesehen – noch werden sie durch die ebenfalls bescheuerte Rahmenhandlung in irgendeiner sinnstiftenden Form zusammengeführt. Man kann hier wirklich nur mutmaßen, was wirklich für eine Idee hinter dem Film steckte bzw. warum es nicht gelang, einen die drei Episoden überspannenden Bogen zu finden. Als Drehbuchautor fungierte übrigens Rolf Olsen, neben etlichen anderen, z. B. Ernesto Gastaldi, und ich vermute, dass wir ihm die „witzigen“ Sprüche aus Episode zwei zu verdanken haben. Ein Mysterium, dieser Film, aber keins der guten Art.

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Kommentare
  1. noribori sagt:

    Pierre Brice konnte ja Stewart Granger bekanntlich nicht ausstehen, vielleicht war ein streng getrennter Episodenfilm die einzige Möglichkeit, die beiden noch einmal in einen Film zu bekommen.
    Und während Lex Barker (dem Youtube-Ausschnitt nach) völlig bruchlos in die Detektiv-Rolle schlüpfte, bekam Pierre Brice auch gleich eine neue Synchronstimme spendiert — es hätte den Zuschauer sicher völlig verwirrt, wenn der kurzhaarige Schönling mit der gewohnten Winnetou-Stimme gesprochen hätte.
    Auf dem Plakat sehen sie alle gleich groß aus, aber Lex Barker war 10 cm größer als die beiden anderen. Angeblich auch ein Grund, weshalb er nach Europa gehen musste: Für Starrollen reichte es nach dem Tarzan nicht, und ein Nebendarsteller, der den Hauptdarsteller überragt und klein aussehen lässt, wurde nur in wenigen Fällen akzeptiert.

  2. Man kann hier wirklich nur mutmaßen, was wirklich für eine Idee hinter dem Film steckte

    Vielleicht wollte man sich ja nur an SPIONE UNTER SICH (1965) anhängen, der auch aus drei mehr oder weniger unabhängigen Episoden plus Rahmenhandlung besteht. Henry Fonda, Bourvil (!) und Vittorio Gassman spielen da die Episodenhauptrollen. Auch hier sind die Episoden recht unterschiedlich geraten: Die mit Fonda ist ein düster-klaustrophobisches Drama, die anderen beiden sind recht flockig-leicht inszeniert und haben sogar jeweils eine Slapstick-Szene. Die mit Bourvil hat immerhin auch eine lange Unterwassersequenz, die stark an THUNDERBALL erinnert. Insgesamt ein ganz netter, aber doch recht unausgegorener Film.

    • Oliver sagt:

      Deine Hinweise sind hier immer sehr willkommen – auch dieser. Das mögliche Vorbild kenne ich nicht, aber es klingt nicht unwahrscheinlich, dass da ein Bezug bestehen könnte, war es doch gängige Praxis in diesem Bereich mit Epigonen nachzuziehen. So oder so hätte diese Kopie aber ruhig besser ausfallen dürfen. 🙂

      • So oder so hätte diese Kopie aber ruhig besser ausfallen dürfen.

        Das glaube ich Dir natürlich gerne. Wie ich gesehen habe, war Karl Spiehs der Produzent des Films. Der ist später mit Fernseh-Meilensteinen wie EIN SCHLOSS AM WÖRTHERSEE, KLINIK UNTER PALMEN und DAS TRAUMHOTEL hervorgetreten. Da muss man ja dankbar sein, dass nicht Roy Black einen der Detektive gespielt hat …

      • Oliver sagt:

        Er hätte seine Sache bestimmt ganz gut gemacht. 🙂

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