ercole e la regina di lidia (pietro francisci, italien/frankreich/spanien 1959)

Veröffentlicht: Mai 31, 2017 in Film
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Ich will hier nicht behaupten, dass es sich beim Vorgänger LE FATICHE DI ERCOLE um seriöses Historienkino handelt, aber mit diesem Sequel kehrt nun der Camp ein, den man mit dem Peplum gemeinhin assoziiert. Die englische Synchro, die für den ein oder anderen Schenkelklopfer sorgt, trägt gewiss ihren Teil dazu bei, aber auch so gibt es deutlich mehr zu schmunzeln als noch zuvor. Wenn Hercules (Steve Reeves) durch den Genuss verzauberten Quellwassers sein Gedächtnis verliert und fortan als fauler Lustsklave der nuttigen Omphale (Sylvia Lopez) in den Tag hineinlebt, sein verzweifelter Sidekick Odysseus (Gabriele Antonini) wie ein Flummi durch die Gegend hüpft, um seinen Kumpel von seinem Schicksal zu erlösen, dann ist das schon sehr putzig. Zumal Hercules in seinem roten hüftbetonten Minikleidchen wirklich herzallerliebst aussieht. Die schönste vollbärtige Dame, die ich je gesehen habe!

Mario Bavas Talent als Lichtmagier und Effektzauberer kommt ebenfalls deutlich mehr zum Tragen als in LE FATICHE, mit dem Ergebnis, dass ERCOLE E LA REGINA DI LIDIA auch mehr fürs Auge bietet, als der diesbezüglich eher erdfarbene Erstling. Der Höhlenpalast der titelgebenden Königin ist ein wunderbar kitschiger Hingucker und die Gruppenbilder, in denen leichtbeschürzte, bronzen glänzende Herren dekorativ im Sonnenuntergang stehen, möchte man sich gleich rahmen lassen und übers herzförmige Bett hängen. Mutete LE FATICHE immer etwas gebremst an, geht es hier in die Vollen und man hat den Eindruck, das jeder im ersten Teil vielleicht noch bestehende Anspruch, den literarischen Vorlagen halbwegs gerecht zu werden, hier beherzt in die Tonne getreten wird. Oder vielmehr besinnt sich Francisci auf das, was ich in meinem letzten Text angemerkt habe: In REGINA DI LIDIA wird alles, was der herzzerberstenden Emotion im Wege stehen könnte, merklich zurückgefahren.

Der Beleg: Auch wenn man das Drehbuch wieder als Fehlschlag verbuchen muss, ist es doch auffällig, dass es den Film überhaupt nicht anficht. Die Episode um Hercules‘ Gefangenschaft bei Königin Omphale ist eigentlich nur ein Subplot, der mit der eigentlichen Geschichte – einem Bruderkampf um die Herrschaft über Hercules‘ Heimatstadt Theben – rein gar nichts zu tun hat und einer reinen Verzögerungstaktik gleichkommt,  aber gut dreimal so viel Laufzeit einnimmt. Was aus künstlerischer Sicht streng genommen ein Offenbarungseid ist, fungiert hier als Beleg dafür, dass Francisci verstanden hat, worauf es ankommt: Denn natürlich ist es ein kluger Schachzug, sich ganz auf das sadomasochistische Treiben von Omphale zu konzentrieren, die ihre abgelegten Liebschaften in Stauen zu verwandeln pflegt, und Hercules‘ Ringen um die eigene Virilität. Wer interessiert sich da schon für den albernen Schwanzvergleich zweier Deppen mit Topfhaarschnitt?

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