gli amori di ercole (carlo ludovico bragaglia, italien/frankreich 1960)

Veröffentlicht: Juni 1, 2017 in Film
Schlagwörter:, , , , ,

Nach ERCOLE E LA REGINA DI LIDIA verabschiedete Steve Reeves sich von der Rolle des Herkules: Er hatte den Eindruck, dass er seinen Darbietungen nichts mehr hinzuzufügen hatte. Dem Peplum blieb er aber dennoch erhalten, zum Beispiel in den beiden SANDOKAN-Filmen von Umberto Lenzi, wie Leser meines kleinen Blogs wissen. Den dritten HERKULES-Film, LA VENDETTA DI ERCOLE, mit Mark Forest in der Titelrolle, konnte ich leider nicht in nicht Augenkrebs verursachender Qualität ausfindig machen, weshalb ich gleich zu Nummer vier springe: Bragaglias GLI AMORI DI ERCOLE, in dem Mickey Hargitay den Halbgott an der Seite seiner damaligen Gattin gibt, Busenwunder Jayne Mansfield.

Hargitay, der 1955 den Titel „Mr. Universum“ errungen hatte, bringt gegenüber dem holzfällerartigen Reeves eine jungenhaft-überschwängliche Qualität mit, die gut zu Bragaglias Film passt. Er beginnt mit der Ermordung von Herkules‘ Gattin durch den gemeinen Licos (Massimo Serato). Der Mann will Herkules‘ Zorn anstacheln, um in der Folge seine Königin Deianira (Jayne Mansfield) vom Thron zu stoßen und ihn selbst zu besteigen (den Thron, nicht Herkules). Zunächst bringt er dafür aber auch noch Deianiras Verlobten um und schiebt Herkules diesen Mord in die Schuhe. Der nimmt die Fährte des wahren Mörders auf, besiegt im Vorbeigehen einen dreiköpfigen Drachen und landet schließlich im Reich der Hexe Hippolyta (Jayne Mansfield), die ihm in Gestalt Deianiras den Kopf verdreht.

GLI AMORI DI ERCOLE geizt nicht mit Schauwerten, von denen der Drache natürlich der schönste ist: Gut, ein bisschen fühlt man sich an die Geisterbahn erinnert, wie das Monstrum da mit seinen Köpfen wackelt, mit den Augen rollt und mechanisch ein kleines Flämmchen spuckt, ohne wirklich von dem sich an ihm abarbeitenden Herkules Kenntnis zu nehmen. Aber dennoch muss man die Handarbeit, die in die Konstruktion des Drachen gegangen ist, honorieren. Wie ich überhaupt den oft gehörten Vorwurf, die Pepla seien „billig“ nicht so recht nachvollziehen mag: Der betriebene Aufwand ist ziemlich hoch, von den Kostümen bis hin zu den elaborierten Bauen und toll ausgestatteten Sets. Wem da nicht die Augen übergehen, dem ist eigentlich kaum zu helfen oder er ist von den maximal perfektionistischen, aber eben auch lebloseverdorbenn CGI schon. Wenn am Schluss dann auch noch ein behaarter Affenmann auftritt, ist das Glück eigentlich perfekt. Der tollste Einfall sind aber definitiv die verwunschenen Ex-Liebhaber von Hippolyta, die als knorrige Baumwesen ein trauriges Dasein auf einem Stück Ödland fristen und noch ein bisschen bluten, wenn man ihnen ein Ästlein abknickt.

Insgesamt wird die mit REGINA eingeschlagene Richtung von Bragalia mit AMORI fortgesetzt, was bedeutet, dass die zugrundeliegenden Mythen lediglich noch eine motivische Basis liefern, von der aus dann wild in alle möglichen Richtungen fantasiert wird. Interpretiert man Herkules‘ Gesichtsausdruck richtig, dann kann er selbst kaum glauben, was ihm da alles widerfährt und dem Zuschauer geht es ganz ähnlich. Ein beknackter Einfall reiht sich an den nächsten, das alles wird in quietschbunte Bilder mit ebensolchen Kostümen verpackt. Den Vogel schießt gewiss Leicos ab, dessen Frisur und lilafarbener Jumpsuit auch Eighties-Hardrock-Gniedelgöttern wie Yngwie Malmsteen oder Steve Vai gut zu Gesicht bzw. Schritt gestanden hätten, aber Herkules‘ meterbreite Lederhosenträger sind auch nicht verkehrt. Jayne Mansfield hat demgegenüber deutlich mehr an und ist vollends ausgelastet mit der Aufgabe, nicht vorn über zu fallen. Alles in allem eine sehr runde Sache.

Advertisements
Kommentare
  1. Vor vielen Jahren, als Bragaglia der älteste lebende Regisseur war (so um die 100), wenn auch schon seit Jahrzehnten im Ruhestand, hab ich im Fernsehen eine kurze Doku über ihn gesehen, und da hat er einen sympathischen und humorvollen Eindruck gemacht und lauter Anekdoten aus der alten Zeit erzählt. An die kann ich mich aber nicht mehr erinnern.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s