the pope of greenwich village (stuart rosenberg, usa 1984)

Veröffentlicht: Juni 18, 2017 in Film

Es ist eine Konstellation, die man aus zahlreichen Filmen kennt: Da ist auf der einen Seite der gutaussehende, ambitionierte und intelligente Jungganove, der es mit etwas Geduld mal zu etwas bringen wird in der Organisation. Und auf der anderen Seite der etwas naive, aber herzensgute Verwandte, der den durch Blutsbande an ihn Gebundenen mit seinen Dummheiten unweigerlich mit in den Abgrund ziehen wird. Ersterer ist Charlie (Mickey Rourke), der noch in einem Restaurant arbeitet, aber sich nichts sehnlicher wünscht, als irgendwann einmal sein eigenes zu eröffnen. Mit großer Konzentration geht er seinem Job nach, wissend, dass jeder Tag zählt auf dem Weg nach oben. Der andere ist Paulie (Eric Roberts), Charlies Cousin, der immer nur den schnellen Dollar im Sinn und keine Geduld hat, zu warten. Seine Gier ist stärker als jegliche Vernunft, deshalb beklaut er seine Arbeitgeber und sorgt dafür, dass Charlie gemeinsam mit ihm auf der Straße landet. Aber natürlich hat er schon einen großen Coup in petto, eine todsichere Sache, die die große Kohle bringen soll und mit keinerlei Risiko verbunden ist. Pustekuchen: Am Ende des Tages ist man zwar um 50.000 Dollar reicher, hat aber einen toten Undercover-Cop zu verantworten. Und dann stellt sich auch noch raus, dass der Besitzer des Geldes der gefürchtete „Bettwanzen-Eddie“ (Burt Young) ist, der titelgebende Pate von Greenwich Village, der im Ruf steht, Leute, die ihm quer kommen, zerhacken zu lassen …

Alles spricht dafür, dass THE POPE OF GREENWICH VILLAGE ein furchtbar tragisches Ende nehmen wird: Charlie entgleitet das kleine bisschen Glück, das er schon hat, immer mehr, weil er von Paulie nicht los kommt, während dessen Ideen zunehmend gefährlicher werden. Und weil er noch dazu ein ziemlicher Jammerlappen ist, ahnt man, dass alle, die mit ihm im Boot sitzen, in höchster Gefahr sind, sobald er erwischt wird. Der Film von Regieveteran Rosenberg läuft über weite Strecken genau so, wie man das erwartet, wenn man diese Art von Filmen kennt. Zu Beginn noch unbeschwert und leicht, wird bald ein überaus gefährlicher Weg eingeschlagen. Dass Charlie und Paulie zwar wissen, was ihnen im schlimmsten Fall blüht, sie aber die Ruhe niemals verlieren, nimmt man als Beleg dafür, dass es keine Rettung für sie geben wird. Aber dann kommt alles ganz anders …

Aus dramaturgischer Sicht ist das Ende ein letdown, aber Rosenberg ist dennoch ein großer Wurf damit gelungen. Nicht nur, weil er die Erwartungen des Zuschauers damit unterläuft, er gewinnt einem sonst ziemlich festgefahrenen Genre auch neue Aspekte ab. Der sonst übermächtige Pate, der aus seinem Hinterzimmer über Tod und Leben entscheidet, ist hier auch nur ein Mensch, dem der Glauben an die eigene Übermacht zum Verhängnis wird. Und der naive Trottel ist dann doch nicht vollkommen nutzlos, sondern in seiner unbekümmerten Sorglosigkeit auch für den Gegner unangenehm unberechenbar. Man konzentriert sich als Zuschauer dann auch meist auf Rourke, der hier kurz vor seinem ganz großen Durchbruch stand, aber Eric Roberst stiehlt ihm gnadenlos die Show und drängt den Hauptdarsteller immer mehr an den Rand. Seine Rolle ist sicherlich dankbarer als die von Rourke, aber was er daraus macht, ist trotzdem wunderbar. Mit Minipli, Goldkettchen und bis zum Bauchnabel aufgeknöpftem Hemd tanzt er über die Straßen, flirtet Aerobictänzerinnen an und – in der wahrscheinlich tollsten Szene des Films – belegt sich ein armlanges Baguette mit einem halben Pfund Schinken. Auch deshalb ist das Ende so schön: Paulie ist ein Idiot, aber auch ein liebenswertes Original, ohne das die Welt ärmer wäre. Er hat es verdient, zu überleben, und wie er es tut, entschuldigt für all seine Schwachheiten.

THE POPE OF GREENWICH VILLAGE ist nicht unbedingt spektakulär, aber durch und durch schön, flockig und angenehm leicht. Hinzu kommt die famose Besetzung: Neben Kenneth McMillan, M. Emmet Walsh, Daryl Hannah, Tony Musante, Jack Kehoe und vielen, vielen Gesichtern, die man aus New-York- und Mafiafilmen kennt, begeistert vor allem Geraldine Page als whiskeysaufende, kettenrauchende, Bullen verfluchende, eisenharte Mutter des toten Cops. Schade, dass sie und Eric Roberst keine gemeinsame Szene haben, aber das hätte die Leinwand wahrscheinlich nicht ausgehalten.

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