gli orrori del castello di norimberga (mario bava, italien/deutschland 1972)

Veröffentlicht: Juli 25, 2017 in Film
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Wahrscheinlich hat Mario Bava diesen Film mit einem breiten Grinsen im Gesicht gedreht. Ich weiß nichts über seine Entstehung (und habe gerade keine Lust, mir an Tim Lucas‘ Bava-Bibel einen Bruch zu heben), aber einzig die Annahme, dass Bava mit vollem Bewusstsein in die Mottenkiste gegriffen hat, um zu Hochzeiten des Giallos einen aufreizend altmodischen, gnadenlos pulpigen und ultimativ dämlichen Knarzgrusler vorzulegen, hält mich davon ab, seinen GLI ORRORI DEL CASTELLO DI NORIMBERGA als des Meisters unwürdig zu beschreiben. So oder so ist es einer von Bavas schwächsten Filmen, aber Spaß macht er trotzdem, gerade weil er so unfassbar unbedarf wirkt. Und dass man sich darauf verlassen kann, dass er fantastisch aussieht, sollte eh klar sein.

Aber diese hirnrissige Story: Man hat ja schon viele Trottel in Horrorfilmen gesehen, aber dieser Peter Kleist (Antonio Cantafora) schießt den Vogel ab. Als ihm eine Beschwörungsformel in die Hände fällt, mit der man in der Lage sein soll, den alten Baron zum Leben zu erwecken, macht er das sofort. Seine Beweggründe? Reine Langeweile, würde ich sagen, denn weder glaubt er wirklich daran, dass es Zauberei gibt, noch hat er einen Grund, das Gegenteil zu beweisen. Dummerweise schlägt der Zauber an und ab sofort macht der blutgierige Baron die Gegend um das Schloss unsicher. Als erstes muss ein Arzt daran glauben, der den modrigen Adelsmann zu sich hereinbittet, um ihn zu verpflegen und als Dank umgebracht wird. Die Architektin Eva (Elke Sommer) folgert messerscharf, dass der Tote auf das Konto des Wiedererweckten gehen muss: „Nachdem er von den Toten zurückgekehrt war, brauchte er bestimmt ärztliche Betreuung!“ Und einen starken Kaffee wahrscheinlich auch.

Am Ende gibt es eine ganz weltliche Auflösung für den Spuk, die GLI ORRORI DEL CASTELLO DI NORIMBERGA stark in Richtung Edgar Wallace lenkt. Die Morde sind allerdings deutlich happiger als das was, deutschen Zuschauern in den Gruselkrimis vorgesetzt wurde: Besonders im Gedächtnis bleibt das Ende des armen, schwachsinnigen Hausmeisters Fritz (Luciano Pigozzi), der in einer eisernen Jungfrau landet und danach ziemlich dumm aus der Wäsche guckt. Leider ist das alles aber weder besonders nachhaltig noch zeugt es von jenem untrüglichen Stilbewusstsein, das Bavas bester Arbeiten auszeichnete, sondern erinnert eher an eine Geisterbahn, die ihre besten Zeiten schon hinter sich hat. Die schöne Fotografie reißt es raus und insgesamt ist GLI ORRORI DEL CASTELLO DI NORIMBERGA natürlich viel zu sympathisch, um ihn wirklich zu verreißen. Aber „gut“ ist definitiv was anderes.

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Kommentare
  1. noribori sagt:

    „eine Geisterbahn, die ihre besten Zeiten schon hinter sich hat“

    Kann man wohl sagen: dass es Nürnberg/Norimberga in den Originaltitel geschafft hat, liegt wohl an der Eisernen Jungfrau. Angeblich ein typisch mittelalterliches Folterinstrument ist diese Vorrichtung in Wirklichkeit die Erfindung und Fälschung eines geschäftstüchtigen Nürnberger Antiquitätenhändlers, Georg Friedrich Geuder, der Mitte des 19. Jahrhunderts einen böhmischen Schandmantel zum Folterwerkzeug umbaute, indem er ihn innen mit Nägeln ausstattete. Die Fälschung wurde zum Prunkstück einer „Folterkammer“ im Fünfeckturm der Nürnberger Burg und wurde regelrecht berühmt, schaffte es beispielsweise in eine Kurzgeschichte von Bram Stoker. Sie wurde dann nach England verkauft, später nach Amerika. Heute soll dieses gefälschte Original im Rothenburger Kriminalmuseum stehen. Die Nägel hat man aber mittlerweile wieder entfernt.
    Eiserne Jungfrauen, nichts daran ist echt, nie gab es sowas im mittelalterlichen Nürnberg, aber im kollektiven Gedächtnis bleibt beides untrennbar verbunden.

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