kong: skull island (jordan vogt-roberts, usa 2017)

Veröffentlicht: August 27, 2017 in Film

King Kong ist wahrscheinlich eine der berühmtesten Schöpfungen, die das Kino hervorgebracht hat – mehr noch: Kong IST Kino, eine Kreatur, die dafür gemacht war, auf der Leinwand zum Leben erweckt zu werden. Neben den beiden „echten“ Kong-Filmen sowie den Remakes und ihren Fortsetungen inspirierte der Riesenaffe zahlreiche weitere Filme aus aller Welt (man lese hierzu auch Ingo Streckers neues Buch „Gorillawood“) und eines der schönsten Kinophänomene überhaupt. Der aktuellste Beitrag zum äffischen Treiben knüpft nicht etwa an Peter Jacksons umstrittene Neuverfilmung aus dem Jahr 2005, sondern an Gareth Edwards GODZILLA und die Tradition des japanischen Kaijus mit seinen ausufernden Monsterbalgereien an. Grundsätzlich eine schöne Sache. Leider ist das Riesenaffen-Abenteuer mit der Ausdauer und Ruhe eines Dreijährigen inszeniert. Die spannungsarme, dafür aber atemlose Aneinanderreihung von effektreichen Monsterszenen ist zwar schön bunt und kurzweilig, verpufft trotz gigantischem Geld- und Technikeinsatz aber nahezu wirkungslos.

Ich muss gestehen, Jacksons Remake im Gegensatz zur gängigen Einschätzung damals absolut geliebt zu haben. Ja, der Film hätte vielleicht ein paar Kürzungen gut vertragen, aber seinem Regisseur war es m. E. doch gelungen, seine schablonenhaften Charaktere ebenso wie seine digitalen Kreaturen mit Leben zu füllen. Und man merkte dem Film in jeder seiner rund 180 Minuten an, wie oft Jackson die Heimat Kongs in seiner Fantasie besucht hatte, dass sein Film auch die Erfüllung eines lang gehegten, intensiven Jungentraums war. Die Kluft zu KONG: SKULL ISLAND könnte größer kaum sein. Seine Figuren sind kaum mehr als Stichwortgeber für eine nur rudimentär skizzierte Story, die vollends übertriebenen Monsterschöpfungen werden mit großer Hast ins Rennen geworfen und selbst der Titelheld, der nun die Größe eines Berges hat, bleibt seltsam blass. Viel wurde über die Parallelen zu APOCALYPSE NOW geschrieben: KONG: SKULL ISLAND sei ein Quasi-Kriegsfilm, vielleicht sogar eine Allegorie auf den Vietnamkrieg (ganz nach dem Vorbild von Inoshiro Hondas Ur-GODZILLA, der bekanntermaßen eine Reaktion auf die Atombombe war). Ich fand die Idee ja einigermaßen reizvoll, aber ich hätte wissen müssen, dass die Parallelen sich in ein paar leicht zu identifizierenden Bildzitaten, die „Allegorie“ darin erschöpft, dass die Soldaten auch hier durch den Urwald stapfen und sich dort einem mit „archaischen“ Mitteln kämpfenden Gegner gegenübersehen. Ein typischer Fall für einen „Subtext“, der keiner ist, weil er jederzeit lautstark und überdeutlich artikuliert wird, mit dem Ziel, Bedeutung vorzugaukeln.

„Warum das alles?“, fragt man sich. Eine Insel voller Monster, eine aus Wissenschaftlern, Abenteurern und Soldaten zusammengesetze Mannschaft, die von diesen dezimiert wird: Ist das nicht mehr als genug Stoff für einen Film? Jordan Vogt-Roberts tut sein Bestes, jeden Tropfen aus seiner kargen Prämisse rauszupressen, und wahrscheinlich sollte ich mit dem, was ich bekommen habe, zufrieden sein: jede Menge Effekte, Kreaturen und mitunter tolle Bilder. Aber leider wird das alles so  dargeboten, dass nichts davon wirklich hängenbleibt oder auch nur die angestrebte Wirkung erzielt (ich gebe zu, im Kino war der Überwältigungseffekt wahrscheinlich ungleich größer). Nach kurzer Exposition und Spannungsaufbau tritt sofort Kong auf, die meines Erachtens spektakulärste Sequenz des Films ist gewissermaßen der Aufmacher. Ich sehe ja ein, dass man den Riesenaffen in einem Film von 2017 nicht mehr lange anteasern muss, aber es gibt für Vogt-Roberts nach diesem Moment nichts mehr hinzuzusetzen. Das führt dazu, dass es von allem Mehr gibt, ohne jedes Gespür für Rhythmus oder Dramaturgie. Früher kämpfte Kong gegen einen Tyrannosaurus, heute sind es die fiesen Skullcrawler, zweibeinige (?) Riesenechsen mit Totenschädelkopf. Früher war es Gang und Gäbe, dass irgendwo eine Riesentarantel träge in ihrem Netz hing, hier ist die Riesenspinne gleich so groß wie ein Hochhaus. Die Riesenkrake, mit der es Kong zu tun bekommt, ist es den Filmemachern schon gar nicht mehr wert: Sie wird vom Titelhelden genauso schnell beiseite geschafft wie sie aufgetaucht ist. Und das unablässige Sterben der zahlreichen Nebenfiguren, evoziert keinerlei Reaktion, so wenig tangieren sie.

Was ich sagen will: KONG: SKULL ISLAND fehlt in jeder Hinsicht die Zurückhaltung, die ein spannender Abenteuerfilm auf der Schwelle zum Horror, aber auch eine bloß bunte Monsterbalgerei im Stile eines Kaiju benötigt. Vogt-Roberts will irgendwie beides haben, aber am Ende fabriziert er einen Film, für den die Form eines Sonntagmorgen-Cartoon um einiges besser geeignet wäre. Trotz Kriegs-Sujet ist das alles flüchtige Kinderkacke ohne echten Stil, ohne Charme und ohne jede Nachhaltigkeit. Ich will KONG: SKULL ISLAND nicht jeglichen Unterhaltungswert absprechen, aber irgendwie tut mir Kong hier noch mehr Leid als im Orginal – obwohl er überleben und seine Rückkehr verkünden darf.

 

 

 

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