the wolverine (james mangold, usa 2013)

Veröffentlicht: September 1, 2017 in Film
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Demnächst steht hier die Sichtung von LOGAN an, über den man ja viel Gutes hört, und zur Vorbereitung habe ich mir jetzt noch einmal den Vorgänger vorgeknöpft, bei dem ich damals nach kurzer Zeit und auch jetzt wieder ein paarmal eingepennt bin. Mangold trifft zwar einige richtige Entscheidungen, aber THE WOLVERINE ist trotzdem ein ziemlicher Langweiler, der allen Goodwill, den man aufgrund guter Ansätze und einiger wirklich schöner Bilder für ihn aufbringt, mit seiner schnarchigen Erzählhaltung und einem  Rückfall ins Superhelden-Einerlei zerstreut.

THE WOLVERINE beginnt hübsch mit einer Rückblende ins Nagasaki des Jahres 1945, wo der Kriegsgefangene Logan (Hugh Jackman) den japanischen Soldaten Yashida (Hal Yamanouchi) vor der Atombombe rettet. In der Gegenwart stromert er nach dem Tod seiner Geliebten Jean Grey (Famke Janssen), die ihm in seinen Träumen immer wieder erscheint, durch die Wälder Kanadas und freundet sich mit einem Grizzly an. Bis die seherisch begabte Schwertkämpferin Yukio (Rila Fukushima) auftaucht und ihn nach Japan bringt, wo der im Sterben liegende Yashida, mittlerweile ein schwerreicher Erfinder und Unternehmer, Logan das Geschenk der Sterblichkeit in Aussicht stellt.

Nach dem ultrabeschissenen X-MEN ORIGINS: WOLVERINE wendet sich James Mangold tonal den Wolverine-Soloabenteuern zu, die sich eher an Erwachsene richteten und seinen Helden konsequent als brüterischen Killer und Gewalttäter zeichneten. Ganz so weit kann Mangold mit seinem Film natürlich (noch) nicht gehen, aber in der ersten Stunde ist THE WOLVERINE deutlich geerdeter als die anderen Superheldenverfilmungen um die X-Men. Das Japan-Setting weckt zudem wohlwollende Erinnerungen an Filme wie Pollacks THE YAKUZA oder Frankenheimers THE CHALLENGE, die sich ebenfalls dem Kulturclash und der komplexen Beziehung von Amerikanern und Japanern widmeten. Keine schlechte Referenz, allein Mangold versteht es nicht, die verschiedenen Einflüsse zu einem funktionierenden und vor allem involvierenden Ganzen zusammenzuführen.

Viel Zeit geht für die sich anbahnende Liebesgeschichte zwischen dem Einzelgänger und Yashidas schöner Enkelin Mariko (Tao Okamoto) drauf, aber anstatt die Vorgänge wie wohl gewünscht mit zusätzlicher Dramatik aufzuladen, zerfasert es einen sowieso schon langsamen Film noch weiter. Auch Logans Verlust seiner Selbstheilungskräfte wirkt lediglich wie eine irgendwie notwendige Episode auf dem Weg zum Ziel, es erwächst keine Spannung aus diesem Problem, und die ständige Betonung seines Liebesschmerzes und seiner Schuldgefühle gegenüber der Angebeteten Jean Grey verstärken nur das inszenatorische Versagen, diese inneren Konflikte wirklich fühlbar zu machen. Die Unentschlossenheit der ganzen Unternehmung wird dann während des Showdowns endgültig offenbar, in dem ein besonders persönlichkeitsarmer Supergegner aus dem Hut gezaubert werden muss, der sich dem Helden im generischen Schlussfight stellt, bevor der – hui-buh! – „schicksalsträchtige“ Plottwist folgt, der einem aufgrund gnadenloser Überkonstruiertheit vollends am Arsch vorbeigeht. Und dann kommt die mittlerweile unvermeidliche Post-Credit-Sequenz. Schnarch.

Es ist schade um den betriebenen Aufwand und die oben erwähnten Ansätze: Mangold scheitert krachend bei dem Versuch, einen „erwachsenen“ Superheldenfilm zu drehen. Für ein finsteres Action-Drama im Stile der Siebziger ist THE WOLVERINE vor allem zu leblos, zu stromlinienförmig und baukastenartig, dann auch wieder zu albern und kindisch mit seinen Riesenroboterfantasien, für ein buntes Popcornspektakel zu lahm, unspektakulär, uncharmant und humorlos. Vielleicht wäre das zu verkraften gewesen, wenn Mangold sich im Zaum gehalten und auf einen knackigen Anderthalbstünder beschränkt hätte. Aufgeblasen auf endlose 120 Minuten ist THE WOLVERINE aber lediglich als hochpotentes Schlafmittel effektiv.

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