spontaneous combustion (tobe hooper, usa 1990)

Veröffentlicht: September 16, 2017 in Film
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Der Mythos der spontanen Selbstentzündung beruht laut Wikipedia auf Funden von teilweise verbrannten Leichen, deren Umgebung keinerlei Anzeichen auf ein Feuer zeigte. Es gibt jedoch keinerlei wissenschaftliche Belege oder gar Augenzeugenberichte dafür, dass Menschen plötzlich ohne Grund in Flammen aufgehen, wohl aber Erklärungen dafür, wie es zu den rätselhaften Verbrennungen kommen konnte. Für seinen Film von 1990 nahm sich Tobe Hooper der urbanen Legende an: Zwar heißt es dort einmal über das Phänomen „it happens all the time“, doch dafür sind alle, die damit konfrontiert werden, ziemlich unentspannt. Noch nicht einmal im Krankenhaus, weiß man, was man mit dem dampfenden Typen machen soll.

SPONTANEOUS COMBUSTION ist im Grunde genommen ein Superheldenfilm, nur ohne bunte Kostüme und Heldentaten: Er beginnt mit einer klassischen Origin Story und einer Rückblende in die Fünfzigerjahre, in denen das junge Ehepaar Brian (Brian Bremer) und Peggy Bell (Stacy Edwards) sich während der Zündung einer Atombombe zu Testzwecken in einen Bunker sperren lässt. Beide zeigen danach keine Anzeichen von radioaktiver Verseuchung, doch Monate später, kurz nach der Geburt ihres Sohnes, gehen beide ohne jede Vorwarnung in Flammen auf. Jahrzehnte später, David (Brad Dourif) ist mittlerweile erwachsen und Lehrer, schießt während eines Wutanfalls Feuer aus seinem Finger. Die Attacken werden immer schlimmer und noch dadurch begünstigt, das einige Menschen Kapital aus seiner Krankheit schlagen zu wollen scheinen. Ist David Teil einer Verschwörung, die Jahrzehnte in die Vergangenheit zurückreicht?

Ich wollte SPONTANEOUS COMBUSTION wirklich mögen, aber richtig befriedigend ist der Film nicht. Es ist schön, Brad Dourif mal in einer Haupptrolle zu sehen, die Effekte sind, wenn auch manchmal etwas fadenscheinig und krude, doch meist recht effektiv, originell und mitunter verstörend und auch visuell hat der Film, dem man ansieht, dass kein üppiges Budget hinter ihm stand, einiges zu bieten: Zeitgeist- und Designfanatiker werden angesichts Requisiten wie dem von einer Neonröhre beleuchteten Glastelefon oder den Glasbausteinen im türkisfarbenen Badezimmer gewiss frohlocken. Aber irgendwie kommt SPONTANEOUS COMBUSTION einfach nicht aus dem Quark, er bleibt uninvolvierend und kalt, zäh und träge. Brad Dourif, dem ich die Hauptrolle von Herzen gönne und der seine Sache gut macht, ist ein Teil des Problems: Er taugt einfach nicht als Held, weil er dafür zu linkisch und sonderbar ist. Er bleibt weitestgehend passives Opfer seiner „Krankheit“, was bedeutet, dass der Film sich entfaltet wie das Drama über einen Todgeweihten. So weit, so gut, nur taugt das „Fire Syndrome“ (so der deutsche Verleihtitel) nicht recht dazu, großes Mitleid mit ihm zu evozieren, zu absurd und mitunter unfreiwillig komisch ist es, wenn ihm während des Streits mit seiner Freundin Lisa (Cynthia Bain) unkontrolliert explosionsartige Feuerstöße entweichen. Es hilft nicht, dass Hooper diese Geschichte um böse Machenschaften profitgieriger Wissenschaftler mit großem Ernst erzählt (selbst wenn Regiekollege John Landis einen lustigen Gastauftritt absolviert). Das passt einfach nicht zu einem Film, in dem Sams Flammenpower sogar dafür sorgt, dass Menschen, die mit ihm telefonieren, von aus der Muschel schießenden Feuerstrahlen versengt werden. Das tolle Finale, bei dem er – kurz vor dem totalen Zusammenbruch – förmlich unter Dampf steht und den Fadenzieher des Experiments hinter seinen Leiden aufsucht, entschädigt ein bisschen und zeigt, was möglich gewesen wäre. Wie gesagt: Es ist nicht so, dass der Film ganz ohne Meriten wäre, aber man muss sich dafür durch einen Sumpf der Tristesse kämpfen.

Für Hooper begann mit SPONTANEOUS COMBUSTION, seinem ersten Spielfilm nach den Cannon-Jahren und THE TEXAS CHAINSAW MASSACRE PART 2, der eher frustrierende letzte Teil seine Karriere. Weder die Kritik noch das Publikum konnten wirklich viel anfangen mit dem, was er da vom Stapel ließ. Zwischen zahlreichen Fernseharbeiten erschienen krude Werke wie THE MANGLER (demnächst hier!) und NIGHT TERRORS (dito). Selbst eine zumindest nominell interessante Sache wie der mit Carpenter realisierte Episodenfilm BODY BAGS konnten den stetigen Sinkflug nicht beenden. Schade, denn sein großes Potenzial war immer unverkennbar. Selbst in einem schwachen Film wie SPONTANEOUS COMBUSTION sieht man sein beachtliches Talent – Achtung! – aufglimmen.

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