gojira tai megaro (jun fukuda, japan 1973)

Veröffentlicht: September 17, 2017 in Film
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Der 13. und drittletzte Godzilla-Film der klassischen Reihe gilt Fans und Kennern als einer der schwächeren. Man merkt ihm an, dass man dem Konzept, das die Reihe über 20 Jahre lang getragen hatte, nämlich den freundlichen Saurier in immer absurderen Plots gegen immer neue Gegner antreten und die Erde retten zu lassen, nicht mehr so recht vertraute. In GOJIRA TAI MEGARO – zu deutsch: KING KONG – DÄMONEN AUS DEM WELTALL – taucht der Titelheld erst sehr spät auf, während das eigentliche Interesse dem farbenfrohen Roboter Jet Jaguar gilt, in der deutschen Synchro hinrissigerweise „King Kong“ genannt. Außerdem wirkt der ganze Film seltsam entvölkert, keine Spur mehr von den apokalyptischen Monsterschlachten in denen Tokio erst evakuiert und dann verwüstet wurde und eine große Protagonistenschar bangen Blickes gen Horizont schaute, wo sich das Schicksal der Menschheit im Zwei- oder Mehrkampf der Giganten entschied. Hier sind es der Wissenschaftler Goro (Katsuhiko Sasaki) und sein Bruder Hiroshi (Yutaka Hayashi) sowie Goros Sohn Rokuri (Hiroyuki Kawase), die es in ihrer tristen Neubausiedlung irgendwo im Nirgendwo mit unterirdischen Kräften zu tun bekommen.

Atomversuche verursachen ein Erdbeben, nach dem die Bevölkerung des einst versunkenen Kontinents Seetopia die Schnauze voll hat: Sie schicken sowohl die Monsterschabe Megaro (deutsche Fassung: Megalon) als auch ein paar Häscher, die den Superroboter Jet Jaguar, eine Erfindung Goros, entführen sollen. Jet Jaguar widersetzt sich den Übernahmeversuchen der Seetopier, die von dem stark behaarten König Antonio (Robert Dunham) angeführt werden, wächst auf Riesengröße und stellt sich Megaro. Weil die Schabe den Kampf zu verlieren droht, wird auch noch Geigan aktiviert, während es Jet Jaguar gelingt, Godzilla zu Hilfe zu rufen. Es kommt wie es kommen muss: zum großen Vierkampf der Monster.

Dass die Kaiju Eigas um Godzilla und Konsorten in erster Linie ein riesengroßer Schwachsinn sind, der das Kind im Manne oder in der Frau weckt, ist ja kein Geheimnis: Wer nicht vor Freude jauchzt, wenn sich erwachsene Männer in fantasievollen Gummianzügen durch detailreiche Miniaturlandschaften kloppen, alldieweil die menschlichen Protagonisten haarsträubenden, pseudowissenschaftlichem Unfug labern, der verbergen soll, dass das alles ein riesengroßer Stuss ist, mit dem muss irgendwas schief gelaufen sein. GOJIRA TAI MEGARO gelingt das eindrucksvolle Kunststück, sogar noch greller und noch beknackter zu sein als die vorangegangenen Teile. Gleich zu Beginn paddelt der kleine Rokuri auf einem quietschbunten Tretboot in Fischform herum, im höchst eigenwillig geschnittenen, farbenfroh bemalten Haus der Männer-WG hängen völlig sinnfreie Dekowürfel an Ketten von der Decke, die Robotererfindung Goros wird immer dann, wenn es dem Plot passt, um neue Eigenschaften erweitert: Einmal verweigert Jet Jaguar seinem Herrn den Dienst, weil der einen Mechanismus eingebaut hat, der es dem Roboter erlaubt, auf eigene Verantwortung zu handeln, wenn es ihm denn so passt. Very clever. Dann sind da noch die Geschichte um den versunkenen Kontinent mit seinem haarigen König, der mit weißen Stretchhosen, Toga und Metallstirnband aussieht wie ein Pornovideothekar, der sich für eine Ballettvorführung aufgebrezelt hat, und natürlich die beiden Monster Megaro und Geigan, die auch eher zu den unglücklichen Schöpfungen der Toho zählen. Die Motte spielt mit ihren komischen Metallhänden Backe-backe-Kuchen, Geigan trägt eine höchst beachtliche Plauze vor sich her. Das alles macht einfach Spaß, ganz besonders an einem Samstag-Vormittag im Kino unter enthusiasmierten Menschen, die sich das kindliche Gemüt und die Fähigkeit, sich über solchen Quatsch zu freuen, bewahrt haben.

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