the mangler (tobe hooper, usa 1995)

Veröffentlicht: September 17, 2017 in Film
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1995 war die Zeit, in der die Menschen hinter einer Stephen-King-Verfilmung noch eine echte Sensation erwarteten, zwar lang vorbei, doch der Name hatte immer noch einige Zugkraft, wie das etwa der Überraschungserfolg von SLEEPWALKERS einige Jahre zuvor unter Beweis gestellt hatte. Das Problem: Die großen Romane waren alle schon umgesetzt worden und was noch übrig blieb, waren Kurzgeschichten, die eigentlich nicht genug Stoff für einen abendfülllenden Spielfilm boten. So etwa „The Mangler“, die Geschichte um eine besessene Wäschemangel. Für die Verfilmung wurde die Geschichte „angedickt“, unter der Regie von Tobe Hooper umgesetzt und dann auf ein Publikum losgelassen, das dem Film die kalte Schulter zeigte, so wie man das eigentlich hätte erwarten müssen.

THE MANGLER spielt – wie die Vorlage – überwiegend in einer Wäscherei, die mit industrieller Architektur, menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen, schwitzenden, blassen Wäscherinnen, einem Befehle bellenden Vorarbeiter und einem über allem thronenden Chef (Robert Englund) einem antikapitalistischen Albtraum entsprungen scheint. Als eine junge Frau infolge eines Unfalls in die riesige Mangel blutet, entwickelt diese ein Eigenleben und „frisst“ eine ältere Angestellte. Der Polizist John Hunton (Ted Levine) beginnt die Ermittlungen und wird durch seinen Schwager Mark (Daniel Matmor) auf die Idee gebracht, die Wäschemangel könne besessen sein und müsse exorziert werden …

Nicht alles, was in literarischer Form funktioniert, funktioniert auch noch, wenn man es in bewegte Bilder übersetzt: THE MANGLER verfügt über einige Production Values – die Szenen in der an ein Gemälde von Hieronymus Bosch erinnernden Wäscherei sind ebenso bizarr wie toll -, trotzdem ist die alles beherrschende Frage: „What were they thinking?“ Die Wäschemangel sieht super aus, die Effekte um sie herum sind nicht uneffektiv, aber Schrecken geht von ihr beim besten Willen nicht aus. Sie steht fest an ihrem Platz und würden nicht immer wieder Menschen auf die dumme Idee kommen, ihre Gliedmaßen hineinzustecken, sie könnte harmloser kaum sein. Die These, dass sie besessen sein könnte, kommt Schwager Mark eine Nummer zu schnell und selbstbewusst über die Lippen, um ihm das wirklich abzukaufen, und der ganze hinzugedichtete Kram um einen seit Jahrzehnten kursierenden Fluch fügt der Story nichts Wesentliches hinzu – er bringt den Film eben nur auf Länge. Als Unterhaltung, bei der man der Auflösung mit Spannung entgegensieht und mit den Figuren mitfiebert, funktioniert THE MANGLER überhaupt nicht, weil er einfach viel zu abseitig ist.

Schaut man sich den Film heute so an, kann man sich daher nur am Kopf kratzen, wie dieses Vehikel jemals in Produktion gehen konnte. THE MANGLER ist von vorn bis hinten so rätselhaft, dass es fraglich scheint, ob wirklich jemand glaubte, er könne in dieser Form ein Publikum finden. Idee und Setting sind schon merkwürdig genug, dann wurde mit Ted Levine auch noch ein Hautdarsteller gewählt, der alle seine Dialogzeilen mit vollem Mund zu intonieren scheint. Wie gelang es Hooper, am Set die Spannung zu halten? Wie viele Takes des Showdowns, in dem John und Mark mit Kreuz und Bibel bewaffnet lateinische Beschwörungsformeln in Richtung der rasenden Maschine schreien, waren nötig, weil die Darsteller immer wieder ihren Lachanfällen erlagen? Welche Drogen nahm Englund zu sich, um sich für seinen Part des mit Metallschienen ausgestatteten Unternehmers in das richtige mindset zu begeben? Vor allem aber: Wie konnte es dazu kommen, dass THE MANGLER nicht eine, sondern sogar zwei Fortsetzungen erfuhr? Die Frage, ob mit THE MANGLER eine lang und zu Unrecht vergessene Perle in Hoopers Filmografie schlummert kann klar verneint werden. Sofern man ein Faible für filmische Freak Accidents hat, sollte man ihn sich aber trotzdem anschauen.

Kommentare
  1. Philosophus sagt:

    „Hautdarsteller“ ist bei Ted Levine (Silence of the Lambs) natürlich ein Super-Vertipper. 🙂 Unbedingt drin lassen!

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