kingu kongu tai gojira (ishirô honda, japan 1962)

Veröffentlicht: Oktober 1, 2017 in Film
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Der dritte Godzilla-Film folgte nach einer siebenjährigen Pause und bedeutete auch für ein anderes berühmtes Monster der Filmgeschichte eine Rückkehr: KINGU KONGU TAI GOJIRA ist, wie der Titel andeutet, eigentlich eher ein King-Kong-Film mit dem Saurier als Schurken und zudem das erste Farbabenteuer des Riesengorillas. Nach den beiden eher ernsten Vorgängern vollzieht Regisseur Honda zudem endgültig den Wandel zum bunten Kindergeburtstag: KINGU KONGU TAI GOJIRA lässt einem das Herz aufgehen mit seinen liebevollen Modellbaulandschaften, den naiven Matte Paintings, einem von Lochfraß und Motten geplagten King Kong, der aussieht wie der Kulisse einer maroden Geisterbahn entsprungen, den Anleihen beim klassischen Abenteuerfilm und der Bonbon-Optik der frühen Sechzigerjahre. Es muss sich einfach um einen der schönsten Filme der Welt handeln.

Mr. Tako (Ichiro Arishima), Chef eines Pharmaunternehmens, ist entsetzt über die bislang getroffenen Marketingmaßnahmen. Als er von einer Insel hört, auf der ein Monster sein Unwesen treiben soll, will er es filmen und für Werbefilme benutzen. Während er und seine Leute sich auf den Weg zu der Insel machen, auf der auch einige buntgefederte Eingeborene leben, um dort den Riesenaffen King Kong anzutreffen und einzufangen, steht an anderem Ort Godzilla aus seinem eisigen Grab auf. Die beiden Giganten treffen sich und drohen in ihrem Duell Japan zu verwüsten …

KINGU KONGU TAI GOJIRA ist einfach herzallerliebst. Die (latent rassistischen) Szenen auf der Insel mit den klischiert gezeichneten Eingeborenen, die von Japanern mit blackface gegeben werden, wirken wie einem alten Pulproman entsprungen, der Angriff einer Riesenkrake ist effekttechnisch höchst fadenscheinig umgesetzt (nämlich mit einer echten Krake und ins Bild kopierten Statisten), aber trotzdem oder gerade deswegen wunderbar, und King Kong ist in genau demselben Maße herzerwärmend wie das Kostüm gammlig ist. Die Großaufnahmen seines schlecht animierten Gesichts mit den kullerigen Schielaugen sind herrlich und der Kampf zwischen ihm und dem sich wie ein übergewichtiger Vierjähriger mit zu kurzen Armen gebärdenden Godzilla ein humoristischer Höhepunkt. Schlichtweg herrlich sind die unzähligen Modellbau-Sequenzen: Wie da kleine Plastikpanzer und andere Fahrzeuge durch liebevoll gestaltete Miniaturstädte und -wälder kullern, ist Balsam auf CGI-geschädigte Herz, und das Finale, bei dem King Kong mit Ballons durch die Luft getragen und Godzilla quasi auf den Kopf geschmissen wird, treibt einem beinahe Tränen der Rührung in die Augen. Wer will angesichts solcher Schönheit und solchen Ideenreichtums noch über „den hässlichsten King Kong der Filmgeschichte“ lästern (selbst wenn er schlagkräftige Argumente hat)? Dieser King Kong macht solche Mängel durch ein großes Herz und Charakter wieder mehr als wett. Man muss nur den Riesenkrakenkampf hier mit dem langweiligen Gerangel in KONG: SKULL ISLAND zu vergleichen, um zu dem Schluss zu kommen, dass KINGU KONGU TAI GOJIRA ein Meisterwerk ist, nicht nur des Kaiju Eiga.

 

 

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