kaijû daisensô (ishirô honda, japan 1965)

Veröffentlicht: Oktober 9, 2017 in Film
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In meiner Godzilla-Werkschau mache einen kleinen Sprung ins Jahr 1965 – die übergangenen Filme 4 und 5 hole ich in Kürze nach – und widme mich KAIJÛ DAISENSÔ, dem sechsten Film der Reihe. Wie im zuletzt besprochenen KINGU KONGU TAI GOJIRA ist Godzilla auch hier eher eine Nebenfigur: Die herrlich abstruse Story dreht sich um eine Expedition zum Planeten X, wo die tapferen Atronauten Glenn (Nick Adams) und Fuji (Akira Takarada) auf eine intelligente, menschenähnliche Spezies von Außerirdischen treffen, die vom Monster Nummer Zero bedroht werden. Bei diesem handelt es sich um King Ghidora, den Godzilla im vorangegangenen Abenteuer besiegt hatte. Die Außerirdischen bieten einen Deal an: Sie holen sich zur Bekämpfung ihrer Nemesis die schlafenden Monster Godzilla und Rodan und überlassen den Menschen ein Heilmittel gegen Krebs. Freudig stimmen alle ein, doch dann müssen sie feststellen, dass die Außerirdischen mitnichten friedliebend sind: Sie wollen nichts anderes als die Erde unterjochen und dafür haben sie ja jetzt geeignete Waffen …

KAIJÛ DAISENSÔ fügt sich wunderbar ein in die Tradition des naiven Sechzigerjahre-Science-Fiction-Films, wie er in Europa etwa von Antonio Margheriti gefertigt wurde: Astronauten sind kernige Typen, die auch in der aussichtslosesten Situation nicht das überlegene Lächeln verlieren und zu Hause ein braves Mäuschen warten habe. Ihre Auftraggeber sind grübelnde Kittelträger, die mit nachdenklichem Blick auf piepende Kontrollbilsdschirme schauen und ansonsten alle Energie daran setzen, dem waffenstarrenden Übereifer stahlgesichtiger Militärs einen kühlen Kopf entgegenzusetzen. Die Außerirdischen sind Superhirne mit lustigen Brillen und Antennen auf dem Kopf, deren intellektuelle Überlegenheit natürlich Anlass für Skepsis bietet. Die Settings sind allesamt detailverliebte Eisenbahn-Modelllandschaften, durch die niedlich Modellautos tuckern. Und der Blick aus der Rakete auf die zurückgelassenen Monstergiganten offenbart zwei glubschäugige Püppchen, die mäßig überzeugend mit ihren Ärmchen wedeln: Ein wunderbarer Kontrast zu den Suitmation-Sequenzen, in denen sich übermotivierte Schauspieler auf die Mappe hauen und anschließend einen hüftsteifen Freudentanz aufführen.

KAIJÛ DAISENSÔ braucht eine Weile, um in Fahrt zu kommen, und wer ihn sich wegen Godzilla und der typischen Monsterbalgereien anschaut, ist vielleicht enttäuscht. Aber er bringt eine ganz eigene Qualität mit und funktioniert für Menschen, die mit den klassischen Kaijû Eiga nicht so viel anfangen können, möglicherweise sogar besser. Ich finde ihn mindestens genauso rührend und herzerwärmend wie die anderen Filme der Reihe und gestehe ihm darüber hinaus noch den Bonus einer originelleren Story zu.

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