mosura tai gojira (ishirô honda, japan 1964)

Veröffentlicht: Oktober 15, 2017 in Film
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Zumindest als Laie, der ich in Bezug auf den japanischen Kaiju Eiga nun einmal bin, ist es schon nach wenigen gesehenen Filmen alles andere einfach, noch etwas Neues oder gar Gehaltvolles über sie zu sagen, was man nicht vorher schon gesagt hätte. MOSURA TAI GOJIRA, zu dem ich nach KAIJÛ DAISENSÔ wie versprochen zurückspringe, ist genau das, was die zuletzt gesehenen Teile auch schon waren: niedlich, naiv, ebenso liebenswert wie liebevoll, bunt und infantil. Godzilla ist auch hier wieder eher der Gaststar, was ja auch schon der Titel belegt, der ihn ins zweite Glied rückt.

In MOSURA TAI GOJIRA wird das alles aber noch potenziert: Hondas Film ist wärmer, märchenhafter, traumgleicher, verspielter, zärtlicher – und das Auftauchen der Riesenechse markiert einen harten Bruch. Man könnte sagen, sie zertrampelt nicht nur Städte, Strommasten und Panzer, sondern auch den Film selbst, ohne ihm aber wirklich Schaden zufügen zu können.

Nach einem Sturm wird vor der Küste ein Riesenei gefunden, das sich zwei zwielichtige Geschäftsleute unter den Nagel reißen, um damit den großen Reibach zu machen. Zwei däumlingsgroße Mädchen bitten sie, das Ei zurückzugeben: Es gehört der Riesenmotte Mothra, die auf einer entlegenen Insel wohnt und darauf wartet, dass sie endlich sterben kann, um durch das Ei zu neuem Leben zu erwachen. Die beiden Zwergenmädels nehmen Kontakt zum Reporter Ichirô Sakai (Akira Takarada) und dem Wissenschaftler Nakanishi (Yuriko Hoshi) auf und bitten um Hilfe. Indessen wacht Godzilla auf und droht wieder einmal die japanische Zivilisation plattzumachen …

Mothra und die beiden kleinen Mädchen sind eine wahre Schau, die surrealen Bildkompositionen, in denen die beiden letzteren eingefangen werden, so hoffnungslos kitschig, dass einem das Herz schmilzt. Und wenn sich die Riesenmotte erhebt und durch die Lüfte segelt, wird man wieder ein kleines Kind, das mit weit geöffnetem Mund vor der Glotze sitzt und noch näher heranrutscht, bis die Nasenspitze fast das Glas berührt. Toll ist auch der Ausflug zu Mothras Heimatinsel, wo riesige, völlig blank geputzte Skelette eine Mahnung vor Atombombe und Radioaktivität abgeben sollen. Das funktioniert nicht so ganz, denn so lange die bunte Riesenmotte unterwegs ist, kann es unmöglich so richtig schlimm sein. Das ist übrigens auch der Film, in dem Godzilla am Ende von zwei knuffigen Riesenraupen besiegt wird. Was soll ich dazu noch sagen?

Ich nehme an, dass ich die Godzilla-Filme als Kind „naiver“ gesehen habe, aber auch mit acht wusste ich schon, dass sich da keine echten Monster balgen, erkannte, dass ihre Riesenfüße Modelleisenbahn-Landschaften zertrampelten. Im Unterschied zu anderen Filmen, die die Immersion benötigen, glaube ich, dass die Godzilla-Filme von diesem Wissen nicht entzaubert werden, sondern noch davon profitieren. Der Budenzauber, den sie entfachen, wird ja eigentlich noch viel geiler und wunderbarer dadurch, dass man weiß, dass da erwachsene Menschen in Gummikostüme stiegen, um sich dann in liebevoll gestaltenen Miniatur-Landschaften auf die Mappe zu hauen. Ich sehe in den Godzilla-Filmen eine große Utopie: Die Welt wäre ein besserer Ort, wenn die Menschen ihren Frust dadurch abbauten, dass sie in die Rollen von kulleräugigen Monstern schlüpften und Plastikhäuser zertrampelten, anstatt sich an ihren Mitmenschen zu vergreifen. Infantilität kann auch befreiend wirken.

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