le sexe qui parlé (claude mulot, frankreich 1975)

Veröffentlicht: Oktober 22, 2017 in Film
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Joëlle (Pénélope Lamour) ist mit dem Architekten Eric (Jean-Loup Philippe) verheiratet, der meist zu erschöpft von der Arbeit ist, um seiner Frau noch sexuelle Befriedigung verschaffen zu können. Eines Tages meldet sich das vernachlässigte Geschlechtsteil Joëlles zu Wort: Es ermutigt potenzielle Sexualpartner zum Angriff oder demütigt chauvinistische Schlappschwänze. Während Joëlle zum wissenschaftlichen und medialen Phänomen heranreift, haben die Betroffenen mit den Folgen der Mutation zu kämpfen.

Ein Film, wie er in dieser Form wohl nur aus Frankreich kommen konnte: LE SEXE QUI PARLÉ, international etwas griffiger PUSSY TALK betitelt, wurde eigentlich als Hardcore-Porno gedreht, kam dann aber auch in soften Fassungen in die weltweiten Kinos. Zu spektakulär und erfolgversprechend war die Idee mit der sprechenden Pussy, als dass man dieses Potenzial an ein Trenchcoatpublikum allein verschenkt hätte. Claude Mulot bezieht natürlich jede Menge Witz aus der Überraschung von Männern und Frauen, die plötzlich von einer vulgären Scheide angemacht werden, und aus dem dominant-aggressiven Tonfall des Allerheiligsten. Doch der Film stürzt niemals in die Untiefen der Zote, wie das etwa bei einem deutschen Film dieses Themas unvermeidbar gewesen wäre.

Die Grundstimmung von LE SEXE QUI PARLÉ ist eher depressiv, die Farbgebung dunkel und kalt, gleiches gilt für den schwermütigen Synthiescore. Unter der Sexkomödie schwelt nicht nur ein Ehedrama um sexuelle Frustration, sondern auch ein Bodyhorror-Film, der nie so ganz durchbrechen darf. Ein ausgedehnter Teil der Handlung besteht aus einer langen Rückblende auf Joëlles Vergangenheit, in der ihr sexueller Werdegang untersucht und der Ursprung ihrer Deformation gesucht wird. Am Ende wird alles damit gelöst, dass sich Eric endlich einen Ruck gibt und es seiner Gattin mal wieder so richtig besorgt – der nicht wirklich überraschende Schlussgag, dass nun Erics bestes Stück aufbegehrt, scheint eher aus kommerziellen Erwägungen eingefügt worden zu sein und sollte wahrscheinlich nicht überinterpretiert werden. Ich habe mich während der Sichtung andauernd gefragt, wie LE SEXE QUI PARLÉ sich wohl im französischen Original verhält: Die deutsche Synchronstimme für die Pussy ist ziemlich überdreht, klingt so, wie sich der deutsche Spießer anno 1975 wahrscheinlich eine Emanze vorgestellt hat, und trägt wesentlich dazu bei, dass die zwei Gesichter von Mulots Film nicht so richtig in Einklang finden. Gut möglich, dass LE SEXE QUI PARLÉ mit zurückhaltenderem Originalton stimmiger ist. Wirklich vermisst habe ich auch die fehlenden Hardcore-Szenen: Hätte ich auch nie gedacht, dass ich das mal schreiben würde, aber auch wenn LE SEXE QUI PARLÉ durchaus als „normaler“ Spielfilm funktioniert, ist es doch jedesmal ein Letdown, wenn da plötzlich abrupt weggeschnitten wird und sich alle wieder von ihrer Bettstatt erheben, auf die sie sich doch gerade erst niedergelassen haben. Da möchte man, fast wie die sprechende Pussy gen Leinwand rufen: „Jetzt steck‘ ihn endlich rein!“

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Kommentare
  1. Faniel Dranz sagt:

    Kennst du BAD BIOLOGY von Frank Hennenlotter? 😀

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