chocolate (prachya pinkaew, thailand 2008)

Veröffentlicht: Oktober 26, 2017 in Film
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Nachdem er den thailändischen Actionfilm mit ONG-BAK und TOM-YUM GOONG kurzzeitig zum „nächsten heißen Scheiß“ gemacht hatte, drehte Prachya Pinkaew CHOCOLATE. Kaum weniger eindrucksvoll als die Vorgänger, was das Können seiner Protagonistin JeeJa Yanin, die kristallklare Cinematografie und die Lebensmüdigkeit der Stuntmen angeht, konnte CHOCOLATE dennoch nicht an den Erfolg der Vorgänger anknüpfen. Zu sagen, dass seine Regiekarriere danach versandet wäre, kann man zwar nicht gerade behaupten, aber Pinkaew hat es auch nicht geschafft, das Versprechen seiner beiden großen Hits einzulösen: Der einst „neue Stern“ am Actionfilm-Himmel glimmt heute eher unauffällig vor sich hin. Was lief falsch bei CHOCOLATE?

Eigentlich nichts. Und vielleicht war genau das das Problem. Denn Pinkaew liefert mehr von dem, was ihn bekannt gemacht hatte. Zum dritten Mal in Folge bekommt man eine rührselige Geschichte, thailändisches Straßenflair in allerdings geleckter Digital-Optik sowie rasante Kämpfe und irrwitzige Stunts. Im Zentrum diesmal eine weibliche Protagonistin, die damals 24-jährige JeeJa Yanin, als autistische/geistig behinderte Zen, die eine unglaubliche Martial-Arts-Begabung entwickelt und diese nutzt, um den Peinigern ihrer schwerkranken Mutter das Geld abzunehmen, das sie ihr schulden.

Wer ONG-BAK und TOM YUM GOONG mochte, wird auch mit CHOCOLATE etwas anfangen können – aber eben auch dieses leise Gefühl der Unzufriedenheit spüren, das sich breitmacht, wenn etwas die Erwartungen nur noch erfüllt. Zumal, wenn das wie bei Pinkaew nicht nur die positiven, sondern auch die negativen Aspekte seines Films betrifft. Will sagen: Die erzählerischen Schwächen, die man bei den beiden Vorgängern immer wieder zu Recht kritisierte, wurden hier nicht ausgemerzt. Wieder einmal gibt es ein kitschig-melodramatisches Storygerüst aus der Schublade, das seine Wirkung leider verfehlt und lediglich als Bremse wirkt. Nicht, dass ein Actioner eine komplexe Handlung bräuchte, aber die Archetypen und Standards müssen eben sitzen. Das funktioniert hier nur bedingt: Man nimmt es hin, dass man sich durch eine Exposition auf Soap-Niveau kämpfen muss, um zum „Good Stuff“ zu kommen. Bei ONG-BAK lohnte sich das, weil man etwas geboten kam, das man in dieser Form noch nicht gesehen hatte. Das kann CHOCOLATE leider nicht mehr für sich beanspruchen. JeeJa Yanins Künste sind beeindruckend, die Präzision, Geschwindigkeit und Leichtigkeit ihrer Tritte für Normalsterblich schlicht nicht nachvollziehbar, aber diese Alle-Bremsen-los-Qualität, die Tony Jaa auszeichnete, erreicht sie nicht. Vielleicht ist sie einfach zu gut: Man sieht kaum eine Anstrengung in ihren Kämpfen, das alles scheint ihr zuzufliegen und das sorgt nicht gerade für Spannung. Wenn die Heldin noch nicht einmal außer Puste gerät, warum sich überhaupt Sorgen um sie machen? Erst zum Showdown hin legt Pinkaew eine Schippe drauf, lässt seine Heldin erst einen halsbrecherischen Kampf auf den Simsen zweier gegenüberliegender Häuser absolvieren, stellt ihr dann schließlich einen offenbar unter Krampfanfällen leidenden Gegner gegenüber. Aber auch dieser Fight ist dann irgendwann vorbei und man denkt sich: „OK.“ Das ist für einen Actionfilm schon eine eher verheerende Reaktion.

CHOCOLATE ist keinesfalls schlecht und ich habe auch durchaus meinen Spaß mit ihm gehabt. Aber er ist doch eher was für Zwischendurch, nichts, was einen lange begleitet. Wie Schokolade eben.

 

 

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