ticks (tony randel, usa 1993)

Veröffentlicht: Oktober 26, 2017 in Film
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Ein Film, um den ich keine großen Worte machen muss. Durch Düngemittel mutierte Killerzecken machen sich im Wald über eine Gruppe schwer erziehbarer, straffälliger Jugendlicher her, die dort gerade mit ihren Sozialarbeitern campieren. Inszeniert wurde das von HELLBOUND-Regisseur Randel in einer Zeit, in der keine Woche verging, ohne dass eine Handvoll bunter neuer US-amerikanischer Horrorfilme in den Regalen der hiesigen Videotheken landete. Wobei die wenigsten dieser Filme tatsächlich noch echten Schrecken verbreiteten. Wie die Ekeleffekte realisiert wurden, konnte man haarklein in der Fangoria nachlesen, auf bleibenden Eindruck waren die wenigsten dieser Filme hin konzipiert, eher schon am Reißbrett entworfen: Man nehme ein paar nett anzusehende Teens und konfrontiere sie auf begrenztem Terrain mit einer mörderischen Bedrohung, in diesem Fall eben Killerzecken.

Das kann man natürlich nicht ganz zu Unrecht für vollkommen unoriginell und künstlerisch minderwertig halten, aber als unschicke Berieselung funktioniert TICKS für mich auch heute noch hervorragend, ohne dass ich ihm deswegen gleich einen Klassikerstatus oder sowas zugestehen würde. Nein, man muss sich TICKS wirklich nicht anschauen. Der für mich bei dieser Sichtung wahrscheinlich interessante Aspekt des Films war dann auch die Besetzung des obligatorischen schwarzen street kids Panic mit Alfonso Ribeiro. Ribeiro kennt man wohl vor allem aus Will Smiths Sitcom FRESH PRINCE OF BEL-AIR: Er gab dort den Cousin Carlton als Inbegriff des „white n*****s“ mit Pullunder, Strickpullovern, Bundfaltenhosen, miserablem Musikgeschmack, peinlichen Tanzmoves und einer generell weibischen Art. Eine Rolle, in der Ribeiro vollkommen aufging – und von der er von mir einfach nicht mehr zu trennen ist. Ribeiro macht seine Rolle hier so gut es das klischeeüberfrachtete Drehbuch hergibt, aber ich sehe immer nur diesen Carlton, der jetzt verzweifelt versucht, mit umgedrehter Cap, Lederjacke und Gehtto-Manierismen auf dicke Hose zu machen. Und dann wird der arme Kerl auch noch Wirt für die große, finale Riesenkillerzecke …

TICKS muss man zugutehalten, dass er ohne große Umwege zu Ziel kommt, keine falschen Ambitionen verfolgt und dann auch noch mit Clint Howard auftrumpfen kann, der jeden Film automatisch ein Stück aufwertet. Dass er über das Stilbewusstsein verfügt, seinem heimlichen Star den vielleicht schönsten Make-up-Job zu verpassen, gibt Zusatzpunkte. Die Effekte um die Zecken sind gut gelungen, eben „handgemacht“, wie man zu sagen pflegt, und natürlich der Mittelpunkt von TICKS. Ich habe mich während des Gucken gefragt, ob riesige Killerzecken nicht eigentlich eine beknackte Idee sind: Das Eklige oder Beunruhigende an Zecken ist doch vor allem, dass sie so klein sind, dass man sie nicht unbedingt bemerkt. Zwar möchte ich ungern eine Riesenkillerzecke an mir wissen, aber ich würde es schnell bemerken und könnte dann entsprechende Maßnahmen ergreifen. In TICKS müssen die Zecken mithin auch noch superaggressiv sein und Menschen aktiv attackieren, damit sie als Bedrohung überhaupt funktionieren. Vielleicht dreht ja mal jemand TICKS 2, in dem die Killerzecken mutieren, aber trotzdem weiterhin nur auf dem Baum sitzen und darauf warten, sich auf jemandes Kopf fallen zu lassen. Den würde ich mir dann auch noch angucken. Schade, dass Eric Rohmer schon verstorben ist.

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