di shi pan guan (herman yau, hongkong 1993)

Veröffentlicht: Oktober 30, 2017 in Film
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CAT III-Schmier vom Besten, was soll da groß schief gehen? Nichts, und selbst wenn TAXI HUNTER an wahnsinnige Kotzbrocken wie THE UNTOLD STORY und EBOLA SYNDROME nicht herankommt, liefert Yau doch wieder eine ordentliche Packung aus Elementen, die nirgendwo anders als in Hongkong zusammen gingen.

Ah Kin (Anthony Wong) ist ein erfolgreicher aber braver Versicherungsvertreter kurz vor der Beförderung. Seine Ehefrau erwartet in Kürze ein Baby, alles könnte ganz wunderbar sein. Doch dann verliert sie durch das grob fahrlässige Verhalten eines ignoranten Taxifahrers ihr Leben. Kin ist untröstlich – und geht auf einen blutigen Rachefeldzug gegen alle Taxifahrer, die sich auf Hongkongs Straßen benehmen wie die buchstäbliche Axt im Walde.

TAXI HUNTER ist eine grelle Mischung aus TAXI DRIVER und FALLING DOWN, begeistert mit vielen stimmungsvollen Szenen im neonbeleuchteten Nachtleben der Metropole, rührt darüber hinaus noch jede Menge fehlgeleiteter Komik in den Thriller und agitiert, dass die Schwarte kracht. Über Taxifahrer und ihren oft rücksichtslosen Fahrstil zu lästern, ist auch hierzulande durchaus üblich, der Hass, den Yau und Wong auf sie niedergehen lassen, spielt aber in einer ganz anderen Liga. Man kann bei Betrachtung des Films aber tatsächlich den Eindruck bekommen, dass in Hongkong nur asoziale Taugenichtse, Menschenfeinde und arbeitsunwillige Faulpelze in der Personenbeförderung arbeiten: ein Taxifahrer verweigert Kins Frau den Transport, weil er befürchtet, sie ruiniere sein Auto, Beschiss ist an der Tagesordnung, droht Ärger, wird Verstärkung geholt, die äußerst rabiat zu Werke geht. Und Kin tritt nun also an, diesen Arschgeigen zu zeigen, wo der Hammer hängt. Er stürzt sich ins Nachtleben und schaut sich die besonders miesen Schweine unter den Taxifahrern aus, mit denen er dann kurzen Prozess macht – sehr zur Begeisterung der normalen Bürger, die schon lange die Schnauze voll haben.

Konterkariert wird das vom Subplot um Kins bestem Freund, dem Hardboiled-Polizisten Kai-chung Yu (Rongguang Yu), der mit seinem neuem Partner, dem trotteligen Gao (Ng Man-tat), in den Fall verwickelt wird. Gao agiert als Undercover-Cop und läuft den ganzen Film über in US-Sports-Montur herum, mit der er aussieht wie ein Zurückgebliebener. Seine Tochter, die süße Fernsehreporterin Mak (Athena Chu), mischt auch noch mit, ohne dass das so wirklich eine Rolle spielt. Wie das im Hongkong-Kino oft der Fall ist, ist auch TAXI HUNTER so vollgestopft, dass für den eigentlichen Plot kaum noch Raum bleibt. Da geht es dann auch mal um die Vorliebe Gaos für die Chilisauce seiner Tochter. Diese erzählerische Unfokussiertheit führt dazu, dass sich TAXI DRIVER schon nach ein paar Morden bereits dem Ende zuneigt. Den beiden Cops hilft letzten Endes vor allem die Unbedarftheit des Täters, mehr als eigenes Ermittlungsgeschick. Hinsichtlich Blut und Geschmacklosigkeit muss man gegenüber den beiden weiter oben genannten Tabubrechern einige Abstriche machen: TAXI HUNTER wird mit seinen Gewaltdarstellungen niemanden um den Schlaf bringen und ist mit seinen absurden Übertreibungen viel zu weit draußen, um seine Selbstjustiz-Verherrlichung wirklich ernst zu nehmen. Aber als völlig enthemmte Oper und epileptische FALLING DOWN-Variante ist er natürlich definitiv einen Blick wert.

Kommentare
  1. Faniel Dranz sagt:

    Andy Lau? What could go „Wong“?

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