Archiv für Oktober, 2017

Der letzte Beitrag der ersten GODZILLA-Reihe ist nicht nur ein Sequel zum unmittelbar vorangegangenen GOJIRA TAI MEKAGOJIRA, sondern auch die letzte Regiearbeit des großen Ishirô Honda. Er beschert dem Franchise einen versöhnlichen Abschluss, nachdem die unmittelbar vorangegangenen Teile  Ermüdungserscheinungen und konzeptionelle Ratlosigkeit nicht mehr verbergen konnten. MEKAGOJIRA NO GYAKUSHU erinnert wieder mehr an die frühen, naiven Monsterabenteuer mit Sci-Fi-Einschlag und muss sich nicht noch zusätzlich bei Kleinkindern und Pärchen anbiedern.

Nach den Ereignissen des Vorgängers versuchen Wissenschaftler die Trümmer des Mechagodzilla vom Meeresboden zusammenzuklauben, um ihn zu rekonstruieren, doch ihr U-Boot wird dabei von einem Monster, dem Titanosaurus, attackiert und zerstört. Den Titanosaurus hatte einst der mittlerweile verstorbene Professer Mafune entdeckt, der dafür aber nur Hohn und Spott erntete und in der Versenkung verschwand. Nun stellt sich heraus, dass er nicht nur quicklebendig ist, sondern auch mit außerirdischen Kräften paktiert, um sich mithilfe des Mechagodzilla an den Menschen zu rächen …

Die Story ist so herzhaft Banane, wie man das von der Reihe erwartet und der neue Titanosaurus, dessen Superpower das Windmachen mit seiner Schwanzflosse ist, sieht aus wie ein Riesenseepferdchen mit Wendehals und Schunkelbirne. Das sind schon einmal zwei Grundzutaten für ein putziges Vergnügen, das zwar mit den frühen GOJIRA-Filmen nicht mithalten kann, aber eben doch wieder angenehm naive Unterhaltung bietet. Zusätzliches Drama liefert der Subplot um das menschliche Hirn, das Mechagodzilla zum perfekten Funktionieren braucht und das ausgerechnet Professor Mafunes Töchterlein ihm geben soll. Aber wie gehabt ist das letztlich alles nur Vorgeplänkel für die ausufernde Schlacht der Monstren am Schluss, die noch einmal all das aufbietet, was man von Anfang an so geliebt hat. Man merkt es meinen Texten an: Wenn man über einen dieser Filme geschrieben hat, fällt es schwer, noch Neues über die anderen zu sagen. MEKAGOJIRA NO GYAKUSHU markiert gehobenen Godzilla-Film-Durchschnitt, was für seinen Status als Abschlussfilm nicht so verkehrt ist. Wer mehr wissen will, sollte ihn sich selbst anschauen.

Selbst ein so gut erschlossenes Genre wie der US-amerikanische Slasherfilm birgt immer noch Geheimnisse. Von HORROR HOUSE ON HIGHWAY FIVE hatte ich noch nie zuvor gehört – trotz obsessiver Horrorlexika-Lektüre -, jetzt ist der bizarre kleine Film in den USA gar auf Blu-ray erschienen. Ein echter Liebesdienst, denn ich glaube kaum, das irgendjemand mit bebender Brust auf dieses Teil gewartet hat. Nur ganz knapp oberhalb des Amateurfilms angesiedelt, erinnert Caseys Debüt (er wirkte als Editor beim tollen 3:15 mit) aber weniger an den Billigschund aus jenen Tagen, sondern eher an die Filme solcher Leute wie Ted V. Mikels oder Al Adamson, die ihre Zuschauer mit irrsinnigem Stuss bei Laune hielten, wenn es mit dem storytelling und dem Spannungsaufbau mal wieder nicht klappte. HORROR HOUSE ON HIGHWAY FIVE ist eigentlich eine lupenreine Komödie, aber dabei so far out, dass er schon fast wieder als verstörend durchgeht. Zumindest ist er in seiner seltsamen Mischung absolut originell. Das ist ja schon mal was.

Eine Gruppe von Studenten (der Dozent ist genauso alt wie sie) soll sich in einem kleinen Kaff nach dem ehemaligen deutschen Wissenschaftler Frederick Bartholomew erkundigen, der erst eine V2-Rakkete entwickelte, dann seine ganze Familie abschlachtete. Eine der Studentinnen fällt bei der Recherche einem durchgeknallten Brüderpaar in die Hände, das vorgibt, Nachfahren des Wissenschaftlers zu sein und die junge Frau festhält, um sie in einem bizarren Ritual zu opfern. Gleichzeitig läuft ein verrückter Killer mit Nixon-Maske herum …

Die besten Szenen des Films sind eigentlich die witzigen: Als der schwachsinnigere der beiden Brüder die Frau zurückholen soll, schnappt er stattdessen eine andere von der Straße weg. Sein Bruder maßregelt ihn und zwingt ihn, die Betäubte wieder loszuwerden. Das tut der, indem er sie einfach an einer Bushaltestelle ablädt. Der Killer geht später tatsächlich mit einem Handbohrer (siehe Bild) auf seine Opfer los, den er bedrohlich in seiner Hand dreht und die Fliehenden damit zum Kreischen bringt. Und ein weiterer Student fällt so unglücklich, dass er sich eine Harke in den Kopf rammt: Diese macht ihn zwar zum Zombie, aber immerhin lebt er noch ein bisschen, bis ihm eine Kommilitonin das Gartenwerkzeug gegen seinen Willen aus dem Kopf zieht. Seine letzten Worte: „Don’t pull the rake!“

Die hervorstechendste Qualität von HORROR HOUSE ON HIGHWAY FIVE ist ganz gewiss, dass man nie weiß, was einen als nächstes erwartet. So bescheuert und billig der Film auch ist – vor allem im Schnitt kommt zum Vorschein, dass da keine Ahnungslosen am Werk waren -, so eigenständig ist er auch. Wir haben es nicht mit einer bislang unentdeckten Perle zu tun, aber ich freue mich immer wieder, wenn ich bei meinen mittlerweile doch etwas anstrengenden Wanderungen durch den immer muffiger stinkenden Slashertümpel über solche Filme stolpere, die sich nicht bereits nach fünf Minuten völlig offenbaren. Freunde des Bizarren sollten Caseys Film eine Chance geben.

ticks (tony randel, usa 1993)

Veröffentlicht: Oktober 26, 2017 in Film
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Ein Film, um den ich keine großen Worte machen muss. Durch Düngemittel mutierte Killerzecken machen sich im Wald über eine Gruppe schwer erziehbarer, straffälliger Jugendlicher her, die dort gerade mit ihren Sozialarbeitern campieren. Inszeniert wurde das von HELLBOUND-Regisseur Randel in einer Zeit, in der keine Woche verging, ohne dass eine Handvoll bunter neuer US-amerikanischer Horrorfilme in den Regalen der hiesigen Videotheken landete. Wobei die wenigsten dieser Filme tatsächlich noch echten Schrecken verbreiteten. Wie die Ekeleffekte realisiert wurden, konnte man haarklein in der Fangoria nachlesen, auf bleibenden Eindruck waren die wenigsten dieser Filme hin konzipiert, eher schon am Reißbrett entworfen: Man nehme ein paar nett anzusehende Teens und konfrontiere sie auf begrenztem Terrain mit einer mörderischen Bedrohung, in diesem Fall eben Killerzecken.

Das kann man natürlich nicht ganz zu Unrecht für vollkommen unoriginell und künstlerisch minderwertig halten, aber als unschicke Berieselung funktioniert TICKS für mich auch heute noch hervorragend, ohne dass ich ihm deswegen gleich einen Klassikerstatus oder sowas zugestehen würde. Nein, man muss sich TICKS wirklich nicht anschauen. Der für mich bei dieser Sichtung wahrscheinlich interessante Aspekt des Films war dann auch die Besetzung des obligatorischen schwarzen street kids Panic mit Alfonso Ribeiro. Ribeiro kennt man wohl vor allem aus Will Smiths Sitcom FRESH PRINCE OF BEL-AIR: Er gab dort den Cousin Carlton als Inbegriff des „white n*****s“ mit Pullunder, Strickpullovern, Bundfaltenhosen, miserablem Musikgeschmack, peinlichen Tanzmoves und einer generell weibischen Art. Eine Rolle, in der Ribeiro vollkommen aufging – und von der er von mir einfach nicht mehr zu trennen ist. Ribeiro macht seine Rolle hier so gut es das klischeeüberfrachtete Drehbuch hergibt, aber ich sehe immer nur diesen Carlton, der jetzt verzweifelt versucht, mit umgedrehter Cap, Lederjacke und Gehtto-Manierismen auf dicke Hose zu machen. Und dann wird der arme Kerl auch noch Wirt für die große, finale Riesenkillerzecke …

TICKS muss man zugutehalten, dass er ohne große Umwege zu Ziel kommt, keine falschen Ambitionen verfolgt und dann auch noch mit Clint Howard auftrumpfen kann, der jeden Film automatisch ein Stück aufwertet. Dass er über das Stilbewusstsein verfügt, seinem heimlichen Star den vielleicht schönsten Make-up-Job zu verpassen, gibt Zusatzpunkte. Die Effekte um die Zecken sind gut gelungen, eben „handgemacht“, wie man zu sagen pflegt, und natürlich der Mittelpunkt von TICKS. Ich habe mich während des Gucken gefragt, ob riesige Killerzecken nicht eigentlich eine beknackte Idee sind: Das Eklige oder Beunruhigende an Zecken ist doch vor allem, dass sie so klein sind, dass man sie nicht unbedingt bemerkt. Zwar möchte ich ungern eine Riesenkillerzecke an mir wissen, aber ich würde es schnell bemerken und könnte dann entsprechende Maßnahmen ergreifen. In TICKS müssen die Zecken mithin auch noch superaggressiv sein und Menschen aktiv attackieren, damit sie als Bedrohung überhaupt funktionieren. Vielleicht dreht ja mal jemand TICKS 2, in dem die Killerzecken mutieren, aber trotzdem weiterhin nur auf dem Baum sitzen und darauf warten, sich auf jemandes Kopf fallen zu lassen. Den würde ich mir dann auch noch angucken. Schade, dass Eric Rohmer schon verstorben ist.

chocolate (prachya pinkaew, thailand 2008)

Veröffentlicht: Oktober 26, 2017 in Film
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Nachdem er den thailändischen Actionfilm mit ONG-BAK und TOM-YUM GOONG kurzzeitig zum „nächsten heißen Scheiß“ gemacht hatte, drehte Prachya Pinkaew CHOCOLATE. Kaum weniger eindrucksvoll als die Vorgänger, was das Können seiner Protagonistin JeeJa Yanin, die kristallklare Cinematografie und die Lebensmüdigkeit der Stuntmen angeht, konnte CHOCOLATE dennoch nicht an den Erfolg der Vorgänger anknüpfen. Zu sagen, dass seine Regiekarriere danach versandet wäre, kann man zwar nicht gerade behaupten, aber Pinkaew hat es auch nicht geschafft, das Versprechen seiner beiden großen Hits einzulösen: Der einst „neue Stern“ am Actionfilm-Himmel glimmt heute eher unauffällig vor sich hin. Was lief falsch bei CHOCOLATE?

Eigentlich nichts. Und vielleicht war genau das das Problem. Denn Pinkaew liefert mehr von dem, was ihn bekannt gemacht hatte. Zum dritten Mal in Folge bekommt man eine rührselige Geschichte, thailändisches Straßenflair in allerdings geleckter Digital-Optik sowie rasante Kämpfe und irrwitzige Stunts. Im Zentrum diesmal eine weibliche Protagonistin, die damals 24-jährige JeeJa Yanin, als autistische/geistig behinderte Zen, die eine unglaubliche Martial-Arts-Begabung entwickelt und diese nutzt, um den Peinigern ihrer schwerkranken Mutter das Geld abzunehmen, das sie ihr schulden.

Wer ONG-BAK und TOM YUM GOONG mochte, wird auch mit CHOCOLATE etwas anfangen können – aber eben auch dieses leise Gefühl der Unzufriedenheit spüren, das sich breitmacht, wenn etwas die Erwartungen nur noch erfüllt. Zumal, wenn das wie bei Pinkaew nicht nur die positiven, sondern auch die negativen Aspekte seines Films betrifft. Will sagen: Die erzählerischen Schwächen, die man bei den beiden Vorgängern immer wieder zu Recht kritisierte, wurden hier nicht ausgemerzt. Wieder einmal gibt es ein kitschig-melodramatisches Storygerüst aus der Schublade, das seine Wirkung leider verfehlt und lediglich als Bremse wirkt. Nicht, dass ein Actioner eine komplexe Handlung bräuchte, aber die Archetypen und Standards müssen eben sitzen. Das funktioniert hier nur bedingt: Man nimmt es hin, dass man sich durch eine Exposition auf Soap-Niveau kämpfen muss, um zum „Good Stuff“ zu kommen. Bei ONG-BAK lohnte sich das, weil man etwas geboten kam, das man in dieser Form noch nicht gesehen hatte. Das kann CHOCOLATE leider nicht mehr für sich beanspruchen. JeeJa Yanins Künste sind beeindruckend, die Präzision, Geschwindigkeit und Leichtigkeit ihrer Tritte für Normalsterblich schlicht nicht nachvollziehbar, aber diese Alle-Bremsen-los-Qualität, die Tony Jaa auszeichnete, erreicht sie nicht. Vielleicht ist sie einfach zu gut: Man sieht kaum eine Anstrengung in ihren Kämpfen, das alles scheint ihr zuzufliegen und das sorgt nicht gerade für Spannung. Wenn die Heldin noch nicht einmal außer Puste gerät, warum sich überhaupt Sorgen um sie machen? Erst zum Showdown hin legt Pinkaew eine Schippe drauf, lässt seine Heldin erst einen halsbrecherischen Kampf auf den Simsen zweier gegenüberliegender Häuser absolvieren, stellt ihr dann schließlich einen offenbar unter Krampfanfällen leidenden Gegner gegenüber. Aber auch dieser Fight ist dann irgendwann vorbei und man denkt sich: „OK.“ Das ist für einen Actionfilm schon eine eher verheerende Reaktion.

CHOCOLATE ist keinesfalls schlecht und ich habe auch durchaus meinen Spaß mit ihm gehabt. Aber er ist doch eher was für Zwischendurch, nichts, was einen lange begleitet. Wie Schokolade eben.

 

 

Captain Peter Skellen (Lewis Collins) ist ein harter Hund beim SAS, so hart, dass er suspendiert wird, nachdem er zwei neue Mitglieder bei einer Übung foltern lässt. Doch der Rauswurf ist natürlich nur ein Vorwand, ihn als free agent für die Zwecke der einer terroristischen Vereinigung interessant zu machen. Skellen schmeißt sich sogleich an die Anführerin Frankie (Judy Davis) heran, die in dem einstig regimetreuen Spezialisten einen idealen Verbündeten gefunden zu haben glaubt. Gemeinsam planen sie ihren großen Coup: Die internationalen Gäste des Botschafters sollen als Geisel genommen und die Zündung einer Atombombe in Schottland als Preis für ihr Leben gezahlt werden …

WHO DARES WINS ist angeblich inspiriert von der Befreiung der durch Terroristen belagerten iranischen Botschaft in London aus dem Jahr 1980 durch ein Kommando der SAS. Mithin ist WHO DARES WINS – so die Losung des Special Air Service – ein schöner Werbefilm, der allerdings nicht mit dem Glanz und Sexappeal eines TOP GUN daherkommt, sondern das Collins’sche Pokerface und die Abgebrühtheit des zynischen europäischen Agentenfilms der Siebziger zeigt. Die Welt ist in Auflösung begriffen: Linke Protestler demonstrieren gegen Aufrüstung und Atomkraft, wenn sie nicht zu tosendem Applaus antiamerkanische Agit-Prop-Art aufführen, die ehrenwerten Männer aus Regierung und Militär, die es natürlich besser wissen, suchen händeringend nach Lösungen. Wie gut, wenn man einen eiskalten Vollstrecker wie Skellen auf seiner Seite weiß: Er steigt lächelnd mit der Terroristin ins Bett und hat keinerlei Skrupel, alles, was ihm nutzen kann, aus ihr herauszupressen, wohl wissend, dass es für sie kein gutes Ende nehmen wird.

Die Kaltschnäuzigkeit, mit der Sharp die Arbeit Skellens und des SAS abbildet, steht in scharfem Kontrast zu dem Fähnlein Fieselschweif der Bösewichter. Judy Davis gibt die fanatische, zu allem Entschlossene, „intellektuelle“ Anführerin, deren gesamte Argumentation in sich zusammenfällt, sobald sie von Richard Widmark eine Standpauke bekommt. Man fragt sich nur: Warum hat der vorher niemand mal die Hammelbeine langgezogen? Schlimmes hätte vermieden werden können. Das unerbittliche Zuschlagen des SAS mutet angesichts der zwar gefährlichen, aber eben gnadenlos fehlgeleiteten Aktionen der Rebellen einfach nur brutal an. Franke wird ohne ein Zögern weggepustet, es reicht nicht einmal mehr für den Abschied zwischen ihr und Skellen. Der dreht sich einfach nur um und geht dem nächsten Job entgegen. Es wird nicht lang dauern, denn der Staat mit denen, die Terrorismus finanzieren, unter einer Decke, wie uns der Prolog wissen lässt.

WHO DARES WINS stammt aus einer seltsamen Zeit, in der Actionfilme meist kalte, zynische Brocken waren, mit ausgehöhlten Profis, gefangen als entbehrliche Diener in unmenschlichen Machtapparaten, die Welt kurz vor dem totalen Kollaps durch Umweltverschmutzung, Verbrechen oder Dritten Weltkrieg stand, inszeniert von Veteranen, die mit diesen Filmen noch einmal den Kasernenhofton des Kriegsfilms aufleben ließen. Sharps Film ist bemerkenswert in seiner lässigen Haltung gegenüber dem Treiben der Spezialeinheiten, wenig schmeichelhaft in der Zeichnung von Friedenskämpfern, resigniert im Blick nach vorn. Eine Entwicklung für den Helden gibt es nicht, weder große Erleichterung am Ende noch Niedergeschlagenheit. Einfach nur ein konsterniertes: Weiter so ohne Richtung und Idee.

 

Eine konzeptionelle Linie in dieser Endphase der ersten Godzilla-Reihe zu finden, ist schwierig. Hatte man die stärkere Hinwendung zum Kinder- und Pärchenfilmmarkt (KAIJÛTO NO KESSEN: GOJIRA NO MOSUKO und GOJIRA – MINIRA – GABARA: ORU KAIJÛ DAISHINGEKI) versucht, um dann wieder ernstere Töne anzuschlagen (CHIKYU KOGEKI MEIREI: GOJIRA TAI GAIGAN), nur um sich dann doch wieder um die Kinder zu kümmern (GOJIRA TAI MEGARO). GOJIRA TAI MEKAGOJIRA ist nun also die erneute Rückbesinnung auf die Wurzeln im Abenteuer- und Science-Fiction-Film. Wieder einmal wollen Böslinge die Welt erobern, wieder einmal wissen sie, dass sie es zuerst mit Godzilla aufnehmen müssen. Ihre Antwort: der Mechagodzilla, ein dem Original nachempfundener Roboter (auch wenn sie noch so oft „Cyborg“ sagen), der auch fliegen sowie Raketen aus Fingern und Zehen abschießen kann.

Godzilla zur Seite steht wieder einmal der weitestgehend nutzlose Anguirus, dem vierbeinigen Dinomonster, das den auf den Knien herumkriechenden Schauspieler leider/zum Glück nicht verbergen kann. Und dann kommt da noch die zweite Neuschöpfung ins Spiel der löwengleiche King Cäsar, der von einer holden Maid mit lieblichem Gesang aus tausendjährigem Schlaf geweckt wird und Godzilla zur Hilfe kommt. Das klingt wahrscheinlich genauso bunt, banane und potenziell spaßig wie bei anderen Godzilla-Filmen auch, aber die Luft ist doch merklich raus. Die Monsteraction und der erzählerische Anteil des Films stehen merklich unverbunden nebeneinander, zum ersten Mal musste ich an Godfrey Ho denken. Mechagodzilla ist eine Schau, kommt aber erst spät und dann zu selten zum Einsatz. King Cäsar stört nicht wirklich, ist aber auch kein neuer Star am Kaiju-Himmel, am schönsten ist die oben genannte Erweckungsszene. Vielleicht ist die Folge dieser Sichtung aber auch viel weniger ein Urteil über den Film als die Erkenntnis, dass man vielleicht nicht drei Godzilla-Filme nacheinander schauen sollte.

Das Godzilla-Franchise lebt noch, aber es ist merklich ins Trudeln geraten: Seit KAIJÛTO NO KESSEN wurden die Budgets kontinuierlich reduziert und durch Beigaben wie Godzillas knuffiges Söhnchen Minira versucht, neue Zuschauer zu gewinnen. Diese Bemühungen kulminierten dann schließlich im Kleinkinderfilm GOJIRA – MINIRA – GABARA: ORU KAIJÛ DAISHINGEKI und dem drogeninduzierten, leider kommerziell gescheiterten GOJIRA TAI HEDORA von Yoshimitsu Banno. Mit GOJIRA TAI GAIGAN war es an der Reihe von Jun Fukuda, Godzilla wieder auf die Erfolgsspur zurückzubringen. Zwar konnte er letzten Endes keine wesentliche Trendwende einläuten, aber es gelang ihm immerhin, wieder einen „ernsteren“ und moderneren Kaijû zu machen, der die Wurzeln der Reihe mit den seit den Sechzigern doch etwas gereifteren Ansprüchen des Publikums zu versöhnen.

Fukudas Protagonist ist der jobsuchende Manga-Zeichner Gengo (Hiroshi Ishikawa), dessen neueste Monsterkreationen leider niemanden so wirklich zu begeistern vermögen – außer dem Begründer eines Godzilla-zentrierten Themenparks für Kinder. Schnell stellt sich heraus, dass es sich bei diesem um einen Außerirdischen handelt, dessen Heimatplanet von einer menschenähnlichen Rasse unbewohnbar gemacht wurde. Nun will er den Themenpark als Basis für seine feindliche Übernahme gründen. Gengo ruft Godzilla und Anguirus zur Hilfe. Es kommt zur Schlacht zwischen den beiden Monstern sowie den aus dem All herbeieilenden King Ghidorah und Gigan …

GOJIRA TAI GAIGAN gönnt sich eine echte Exposition für seinen Helden und erinnert im Aufbau durchaus ein wenig an die politischen Paranoiafilme des Jahrzehnts: der nichtsahnende Protagonist, der durch einen Zufall in ein großes Komplott stolpert, das sich hinter einem Wirtschaftsunternehmen verbirgt. Auch wenn die Handlung dann mit der Enttarnung der Außerirdischen – es handelt sich um riesige Küchenschaben! – und dem Auftauchen der Monster erwartungsgemäß Richtung Quatsch kippt, das putzige Setting des Godzilla-Parks an die selbstreferenziellen Pop-Ausflüge der Reihe erinnert, ist GOJIRA TAI GAIGAN einer der düsteren Einträge in dem sonst so infantilen Franchise. Das liegt nicht nur am Look der Zeit, sondern auch daran, dass Fukuda auf ein sauber und straff strukturiertes Drehbuch zurückgreifen kann, das die Vorlage für eine actionlastigere Inszenierung ist: Parallel zum Monster Mash müssen die Helden den Godzilla-Turm stürmen und einen Gefangenen befreien. Da kommt fast Söldnerfilm-Stimmung auf! Bevor man aber allzu aufgeregt wird, senken die ausgedehnten Monsterkeilereien den Blutdruck. So süß das grundsätzlich auch ist, nicht nur sinkt ihr Reiz nach x gesehenen Filmen auf ein gesundes Normalmaß, gleiches gilt auch die Toleranzschwelle angesichts der epischen Breite, mit der die nun nicht eben filigran choreografierten Kämpfe ausgewalzt werden. Ob Gaigan nun irgendwie cool oder nicht doch total bescheuert aussieht, habe ich auch noch nicht abschließend entschieden, tendiere aber zu letzterem. Ich habe GOJIRA TAI GAIGAN schon als Kind ein bisschen ermüdend gefunden: Der Film hat einen klinischen, leblos-perfektionistischen Touch, der möglicherweise etwas mit dem Budget zu tun hat. Nicht nur wirken die Sets auffallend unterbevölkert, in den Modellbaustädten sind auch die Autos längst zum Stillstand gekommen.