die brut des bösen (christian anders, deutschland 1979)

Veröffentlicht: Dezember 29, 2017 in Film
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Während sich seine Kollegen von der singenden Zunft noch in Lustspielen und ähnlichen Klamotten verdingten, z. B. aus der Schmiede der LISA-Film, da wandelte Christian Anders auf den Spuren des damals immer noch schwer angesagten Bruce Lee. Der Karatekämpfer Anders schrieb und inzenierte den vielleicht ersten echten deutschen Kung-Fu-Film – und spielte auch noch die Hauptrolle darin, because who else? Was sich anhört wie ein drogeninduzierter Fiebertraum, kann Menschen, die Anders‘ zweite Regiearbeit kennen, den schier unglaublichen Sektensexfilm TODESGÖTTIN DES LIEBESCAMPS, zwar nicht mehr so richtig schocken, aber DIE BRUT DES BÖSEN hat dennoch die Wirkung eines Handkantenschlags gegen den Kehlkopf.

Anders ist Frank Mertens (was wahlweise „Fränk Mertens“ oder „Frank Mörtens“ ausgesprochen wird), Leiter einer Karateschule, die er von seinem weisen Meister Takimura übernahm, nachdem dieser auf mysteriöse Art und Weise ums Leben gekommen war. Die Schüler bewundern ihn und schauen zu ihm auf, vor allem die schöne Ingrid (Maribel Martin), die auch als Sekretärin der Schule fungiert. Doch dann kommt eines Tages der fiese Zweg van Bullock (Deep Roy) des Weges und plant, direkt gegenüber seine eigene Kampfsportschule aufzumachen. Franks Etablissement ist ihm dabei natürlich im Wege, also hetzt der dem Blondschopf seine Häscher auf den Leib. Als alle Versuche nicht fruchten, schickt der Schurke – der natürlich auch für den Tod Takimuras verantwortlich ist – die rassige Cora (Dunja Rajter) vorbei: Frank lässt sich nicht lang bitten: Und sitzt wenig später im Knast, weil man Heroin bei ihm gefunden hat …

DIE BRUT DES BÖSEN wird gegen jede Wahrscheinlichkeit und die Sabotageversuche der Realität von der schieren Willenskraft seines Schöpfers zusammengehalten. Christian Anders legt sich voll ins Zeug, flext die Muckis, wirft böse Blicke, schreit, faucht, keift, spendet Trost, trauert, droppt Wisdom-Bombs auf die andächtig lauschenden Schüler, reißt politisch unkorrekte Zwergen-Sprüche, ist ein guter Kumpel und rastet am Ende schließlich total aus. Das große Vorbild hat er genau studiert, kopiert Lees Trademarks bis ins Detail und kommt dabei gar nicht mal so schlecht weg. Sein Film hat einen wunderbar kruden Charme, der nicht zuletzt daher rührt, dass er sich geografisch nicht so recht verorten lässt. Gedreht wurde der Film in Spanien und einmal heißt es auch, man befände sich in Madrid, aber weder nutzt Anders die Kulisse der spanischen Hauptstadt für pittoreske Establishing Shots – was ja durchaus naheliegend gewesen wäre -, noch wird sonst irgendwie auf den Handlungsort eingegangen: Da ist also dieser Deutsche (?) namens Frank Mertens, der ausgerechnet in Madrid die Karateschule eines verstorbenen Japaners betreibt und darüber in Clinch mit dem Inder (?) van Bullock (?) gerät, dessen Reichtum aus nicht weiter spezifizierten Geschäften stammt, wahrscheinlich dem Betrieb einer megaerfolgreichen Kampfsportschule in Belfast. Friss oder stirb. Und man tut es.

Ganz einfach deshalb, weil DIE BRUT DES BÖSEN sich nicht lang mit Kinkerlitzchen aufhält, sondern seine tausendfach erprobte Story zielstrebig, ohne falsche Ambitionen und mit sperrangelweit offenstehendem Hosenlatz abspult. Man ist sich hier wirklich für nichts zu schade, kein Plotbaustein ist zu doof, um ihn nicht auch noch zu verwerten, wenn er denn passt. Warum will van Bullock unbedingt einer Kampfsportschule aufmachen? Warum muss es unbedngt an diesem Ort sein? Egal! Und wenn der Mertensfrank sich weigert, mitzumachen, beschmeißt man ihn einfach mit einem Berg von Geld, den dieser, edelmütig wie er ist, auch noch ablehnt! Bei einer Friedhofskeilerei wird ein bisschen die Nebelmaschine angeworfen, der Showdown spielt im Wald mit Rauschebach. Frank Mertens Schule besteht aus zweieinhalb Zimmerchen, dem Kampfraum, einer Umkleide und einem Bürokabuff. Abends räumt er das Karateequipment weg und baut ein Bettchen auf. Der Eingang ist eine mit den Buchstaben „FM“ beschriebene Doppel-Schwingtür tritt, die mich ein bisschen an das Restaurant aus der Sesamstraße erinnert hat.

Der Hinweis auf die Kindersendung ist eh treffend, weil der Film einer durch und durch kindlichen Logik verpflichtet ist, selbst wenn es um Heroin geht oder van Bullock sich am Hintern der scharfen Cora reibt. Die Moral von der Geschicht ist, dass die Bösen böse sind und deshalb Böses tun und die Guten das Gegenteil davon. Den großen Vorbildern wird mit viel Spucke und Ehrgeiz nachgeeifert, aber was am Ende dabei rumkommt, ist meilenweit daneben. Am meisten gilt das für die Kung-Fu-Fights, die furchtbar unelegant und unbeeindruckend daherkommen und belegen, dass das reine Beherrschen einer Kampfkunst noch nicht ausreicht, sie auf Film adäquat darzustellen. Ob man das auch selbst gemerkt hat? Christian Anders spielt gänzlich ohne Augenzwinkern: zum Glück, denn sein Frank Mertens muss so geradeaus und echt sein wie ein Tritt in die Nüsse, voll brennenden Zorns und mit festem Gerechtigkeitssinn. Aber Deep Roy und Fernando Bilbao, Darsteller von van Bullocks hünenhaftem Gehilfen Komo, lassen stark vermuten, dass die Beteiligten sehr genau wussten, was sie da taten. Besonders ersterer dreht gnadenlos auf und hatte allem Anschein nach viel Spaß daran, einen schön überzeichneten Bösewicht zu geben. In einer meiner Lieblingsszenen versucht Komo, den armen Frank mit einem goldenen Rolls Royce zu überfahren. Unauffälliger geht’s nicht.

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Kommentare
  1. amourfoufilm sagt:

    Guter Beitrag über einen sehr unterhaltsamem Film

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