intolerable cruelty (joel coen, usa 2003)

Veröffentlicht: Januar 14, 2018 in Film
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Machen wir es kurz: INTOLERABLE CRUELTY ist der zehnte Film und die erste Hollywood-Auftragsarbeit der Coens. Das Drehbuch von Robert Ramsey und Matthew Stone wurde von den Coens fertig gestellt und kursierte dann mehrere Jahre durch Hollywood, wo es unter anderem von Ron Howard und Jonathan Demme adaptiert werden sollte, bevor es schließlich wieder bei den Coens landete, deren teuerste Produktion der Film wurde.

Man kann die Handschrift der Brüder herauslesen, am meisten in den rasanten, von der Screwball-Komödie beeinflussten Dialogschlachten, aber auch in der generell eher desillusionierten Haltung zu Liebe und Ehe, doch am Schluss wirkt der ganze Film vor allem schrecklich kompromittiert. Die Idee, einen zynischen Scheidungsanwalt die Liebe finden und gegen jede Vernunft eine notorische Heiratsschwindlerin ehelichen zu lassen, ist eigentlich sehr schön und George Clooney und Catherine Zeta-Jones sind zumindest auf dem Papier die Idealbesetzung für den Stoff. Aber dann ist alles eine ganze Nummer flacher und platter, als es in einem „echten“ Film der beiden wohl gewesen wäre. Der Funke springt einfach nicht recht über, vieles bleibt in Ansätzen stecken, der Film versagt dabei, seine Charaktere glaubwürdig zu gestalten und die zynischen Impulse der Coens mit der romantischen Botschaft zu versöhnen. Es gibt keinen richtigen Flow und es fehlt der Rhythmus, der bei einer solchen Komödie absolut entscheidend ist. Eine klischeehafte und schmerzhaft peiliche Szene wie jene, in der Clooneys erfolgreicher Anwalt Massey bei einem Kongress von Scheidungsanwälten statt einer Eröffnungsrede ein flammendes Plädoyer auf die Kraft der Liebe hält und nach verhaltenem Applaus schließlich der ganze Saal in stehende Ovationen ausbricht, kann unmöglich auf dem Mist der Coens gewachsen sein. Und auch die Gastauftritte von Geoffrey Rush und Cedric the Entertainer haben etwas unangenehm Marktschreierisches, das die Brüder sonst immer sehr geschickt vermieden haben.

Ich mochte INTOLERABLE CRUELTY damals tatsächlich ganz gern und frage mich heute, was ich wohl an dem Film gefunden habe. Sicher, er ist immer noch besser als 95 Prozent der RomComs, allein die Fotografie vonRoger Deakins hebt ihn schon über den Durchschnitt, aber im direkten Vergleich mit dem sonstigen Output der Coens treten seine Mängel gnadenlos hervor. Schade, denn ich glaube, das hier definitiv mehr drin gewesen wäre. So bleibt es eben eine zu vernachlässigende Auftragsarbeit, die nicht ganz und gar missraten ist und die man daher ganz gut ignorieren kann.

 

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