wu ming huo (bryan leung, hongkong 1984)

Veröffentlicht: März 18, 2018 in Film
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Dreckig, asozial, brutal: Leungs Regiedebüt ist ein finsterer, Rachereißer, der sich nicht lang mit langweiligem Scheiß wie „Charakterisierung“, „Differenzierung“ oder gar „Ambivalenz“ aufhält. Exploitation in Reinkultur – und wer sich im Hongkongkino nur ein bisschen auskennt, der weiß, dass die sich von ihren US-amerikanischen Artgenossen darin unterscheidet, dass sie noch greller, noch ignoranter, noch wahnsinniger, mithin noch ehrlicher daherkommt. WU MING HUO (internationaler Titel: PROFILE IN ANGER) erzählt ein gut abgehangene, gewissermaßen trockengereifte Story, deren Verlauf man bereits nach eineinhalb Takten punktgenau voraussagen kann: Chun-yue (Bryan Leung) ist ein prominenter, überall beliebter Superdude, der seine wunderhübsche Verlobte Hydi (Pat Ha) zu Beginn am Flughafen abholt. Dort trifft er in einer der ersten unverschämt naiven Abkürzungen, die sich das Drehbuch gleich reihenweise gönnt, seinen alten Schulfreund Kin-Hang (Damian Lau), einen schweigsamen Hänfling mit Riesenbrille, und nimmt ihn sogleich mit zu sich nach Hause. Was er nicht weiß: Der Spargeltarzan, dem er früher immer gegen die Bullies half, ist auf dem Rachetrip. Er will den schwerreichen Juwelenhändler Wai Kit (Yi Chang) umbringen, der seine Eltern auf dem Gewissen hat. Natürlich geht das schief, der Schurke stellt de Verbindung zwischen Kin-Hang und Chun-yue her und hetzt dem Helden seine Killer auf den Hals, die seine frisch angetraute umbringen. Chun-yue tut, was Mann in einer solchen Situation tun muss: Er lässt sich einen Verzweiflungsvollbart wachsen, geht zum Pumpen ins Fitnessstudio und dann auf Mordtour.

Das Blöde und das Geile geben sich in WU MING HUO die Klinke in die Hand: Die Charaktere sind mit „eindimensional“ noch wohlwollend umschrieben und mehr als einmal hat man das Gefühl, das Script wurde von einem Achtjährigen geschrieben. Einer der beiden Schurken trägt eine Ted-Herold-Gedächtnisfrisur, entpuppt sich dann aber als Glatzkopf mit furchtbaren Verbrennungen: Seine Kopfhaut sieht aus wie ein Brathering und er tritt dem Helden zum Showdown auf einem Schrottplatz in Unterhose entgegen. In einer anderen, völlig abseitigen Szene geht es um eine Rockerbande: Die sieht aus, wie aus DEATH WISH 3 oder MAD MAX 2: THE ROAD WARRIOR entsprungen und begibt sich mit dem exzessiven Konsum von Haschgiftzigaretten ins totale Delirium. Die Mitglieder sitzen apathisch im Dreck, tragen kabukiartiges Make-up, treiben es unabhängig vom Geschlecht des anderen miteinander und beißen lebenden Ratten die Köpfe ab. REEFER MADNESS wirkt dagegen wie ein wissenschaftliche Studie. Und das geht in einer Tour so weiter.

WU MING HUO ist zuerst ein bisschen trist, aber wenn er nach 30, 40 Minuten Fahrt aufgenommen hat, gibt es kein Halten mehr. Die Stunts sind sparsamer als in anderen Hongkong-Spektakeln, aber kaum weniger lebensmüde, die pure Lust an der Gewalt, die hier zum Vorschein kommt, verleiht dem Film etwas Psychotisches, und alles, was man zu Beginn vielleicht vermisst, packt Leung dann in die letzten 20 Minuten. Da verprügelt einer der Bösewichter erst ein Kind und überfährt dann dessen schwangere Mutter, bevor ihm der Held mit einem panzermäßig aufgemotzten Truck den Gar aus macht. Wai Kit wird mit einer Schrotflintenladung aus dem Fenster seines Luxusrestaurants gepustet und die Frage, wie Chun-yue mit Springerstiefeln, Armeehose und Unterhemd da überhaupt reingekommen ist, stelllt sich angesichts solcher Chuzpe nicht mehr. Super.

 

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Kommentare
  1. Faniel Dranz sagt:

    Es gab da noch so einen chinesischen Rache-Heuler aus den 80ern dessen Titel mir aber gerade partout nicht einfallen will: Da wird gleich zum Auftakt vom Antagonisten ein kleiner Welpe aus dem Fenster eines abgefuckten Sozialbaus geworfen (mit extra lauter Matschaufklatsch-Garantie auf der Tonspur) damit dieser seinen evil Standpunkt klarmachen kann. Es ging glaube ich um rivalisierende Straßengangs und viel Messerstecherei. Vielleicht kannst du dich erinnern.
    Ein anderer toller HK-Kracher war damals auch THE LAST BLOOD (feat. the Dakai Lama & Fat Boy) der via Screen Power mit einer wunderbar doofen Deutsch-Synchro veröffentlicht wurde.

  2. Faniel Dranz sagt:

    Harsewinkel? Hört sich ja fast an wie der Name den man einen großen Vertreter der „finnischen Schule“ geben würde. Wie z.B:
    „Harsewinkel ging bei Kaurismäki höchstpersönlich in die Lehre und reifte im Dunstkreis der berüchtigten Aki Avantgarde (welche auch für das Ausrichten der allerersten AA-Treffen bekannt wurde) zum nordischen Vollblut-Auteur heran.“ 😀
    P.S.: Nach gründlicher Überlegung muss ich den „Welpen“ revidieren denn es war eine Katze. Da bin ich mir jetzt zumindest zu 97 Prozent sicher.

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