policewomen (lee frost, usa 1974)

Veröffentlicht: Juni 3, 2018 in Film
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Beim Gefängnisausbruch diverser weiblicher Schwerbrecherinnen beweist die aufmüpfige Wärterin Lacy Bond (Sondra Currie) herausragenden Kampfgeist und wird daraufhin von drei FBI-Beamten rekrutiert, um ein Verbrechersyndikat auszuhebeln. Das Syndikat wird angeführt von der knorrigen Oma Maude (Elizabeth Stuart), die eine ganze Armee schöner Damen befehligt und so einen Goldraub nach dem anderen durchzieht. Lacy soll die Gruppe infiltrieren, aber Pam (Jeannie Bell), eine der Ausbrecherinnen, ist ihr schon zuvorgekommen …

Lee Frost ist einer der zahllosen Filmemacher, die in den Siebzigerjahren dafür sorgten, dass Pennbrüder, Trenchcoatträger und jugendliche Fummler in den Bahnhofskinos und Drive-ins regelmäßig mit frischer Ware versorgt wurden. Softsex, Mondo, Horror, Sleaze, Action, Bikerfilme, Blaxploitation: Was immer gerade angesagt war, Frost hatte einen Film dazu in petto. Seinen Platz in der Geschichte des zweifelhaften Films sicherte er sich mit dem ultraschäbigen LOVE CAMP 7, dem man nachsagt, die Naziploitation losgetreten zu haben, aber auch Tite wie THE BLACK GESTAPO, THE THING WITH TWO HEADS, CHAIN GANG WOMEN und THE SCAVENGERS haben einen guten Klang unter Freunden des Schmutzigen und Geschmacksverwirrten.

Sein POLICEWOMEN – der in Deutschland mit dem sagenhaft idiotischen Titel SADOMONA – INSEL DER TEUFLISCHEN FRAUEN geschlagen wurde – aus dem Jahr 1973 ist ein recht typischer Vertreter des damaligen B-Actionfilms: Man erkennt die deutlichen Anleihen beim Blaxploitation-, Martial-Arts- und Agentenfilm. Lacy Bond teilt mit dem berühmten Superagenten nicht nur den Nachnamen, sondern ist ebenso wie dieser mit unantastbarem Selbstbewusstsein und den Mitteln ausgestattet, sich aus jeder Bredouille herauszuschlagen: Noch dazu sieht sie umwerfend aus und verdreht den Männern reihenweise die Köpfe. Ihre Gegenspielerin Maude ist aus dem selben Holz geschnitzt wie die Blofelds, Dr. Nos und Strombergs des Bond-Universums, auch wenn sie nicht die Weltherrschaft anstrebt, sondern sich mit einfachem Reichtum begnügt. Der zuverlässige henchman an ihrer Seite ist der tumbe, aber bärenstarke Raymond (Wes Bishop), mit dem die alte Vettel auch eine (allerdings nur angedeutete) Liebesaffäre unterhält. Die ethnisch diverse Frauenarmee könnte durchaus umstürzlerisches Potenzial entwickeln, aber so weit geht Frost leider nicht: Subtextuell läuft es aber natürlich mit, dass eine von geckenhaften, herablassenden, mitunter grotesk inkompetenten Männern regierte Welt beim unterlegenen Geschlecht massive Frustrationen auslöst. In der Figur der Pam kulmniert das: Mit Riesenafro ausgestattet, wird sie gleich zu Beginn als Black Muslim (und natürlich als „Nigger“) tituliert, ihr Zorn fühlt sich echt an, während ihre weiße Kollegin in erster Linie eine Karriere machen möchte – und sich dann ja auch nicht scheut, mit dem Obermacho von FBI ins Bett zu steigen.

Aber dennoch ist POLICEWOMEN vor allem liebenswert: Klar, auch er nutzt seinen quasifeministischen Plot weidlich dafür, attraktive Frauen in engen Klamotten oder eben nackt zu zeigen, aber er ist dabe nicht ganz so verlogen wie andere Werke. Die Männer sind hier tatsächlich fast ausnahmslos Trottel und Frost hat Spaß daran, sie bloßzustellen. Am dicksten bekommt es B-Movie-Toughie William Smith als großmäulig-schmieriger Karatelehrer ab: Nicht nur dass Lacy ihm ein paar Zähne ausschlägt, er heult dann anschließend auch noch wie ein kleines Mädchen darüber, dass er ja nun nicht mehr so hübsch sei. Die deutsche Synchro trägt mit ihren Einfällen zum kruden, mitunter albernen Humor des Films bei, ohne sich dabei jedoch in Brandt’sche Absurditätssphären zu katapultieren und das filmische Geschehen völlig zu überlagern. Ein hübscher kleiner Timewaster, dem auch das antiklimaktische Finale keinen echten Schaden anhaben kann.

 

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