the perfect weapon (mark disalle, usa 1991)

Veröffentlicht: Juni 4, 2018 in Film
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Es gibt nicht allzu viele wirklich stichhaltige Argumente, aber irgendwie mag ich THE PERFECT WEAPON, mochte ihn auch schon damals, obwohl die 18er-Freigabe Dinge versprach, die der Film dann nicht einhalten konnte oder wollte. Ich kann mir nicht helfen, aber ich habe einfach ein Faible für diese unterambitionierten Videofilme, die aus unerfindlichen Gründen auf der großen Leinwand landen, in einem akuten (und sympathischen) Anfall von mangelndem Urteilsvermögen der sonst alle Register der Markt- und Zielgruppenforschung ziehenden und sich damit vor knallenden Flops absichernden Studios. Möglicherweise glaubte man bei Paramount tatsächlich, mit Speakman einen neuen Seagal an der Angel zu haben: Anders lässt sich die Tatsache, dass sie diesem in Martial-Arts-Kreisen zwar respektierten, aber dennoch eher persönlichkeitsarmen Langweiler mit einem Multi-Film-Deal ausstatteten (der dann aber nach dem nur mäßigen Abschneiden von THE PERFECT WEAPON schnell platzte wie eine Seifenblase). Nicht falsch verstehen: Speakman macht seine Sache schon ganz ordentlich, schauspielerisch wahrscheinlich sogar besser als so mancher Kollege, aber er bringt nur wenig jener unverwechselbaren Eigenschaften mit, die ein Actionheld nun einmal braucht. Auch der Film, den man um ihn herum gebaut hat, ist auffallend unauffällig: eine Heimkehrer-und-Rache-Geschichte, wie man sie in diesem Genre schon tausend Mal gesehen hat, meist sogar mit spektakuläreren Fights, halsbrecherischeren Stunts, fieseren Brutalitäten, hassenswerteren Schurken und überlebensgrößeren Helden. Was THE PERFECT WEAPON seinen billigen Brüdern im Geiste voraus hat, ist sein überaus gediegener Studio-Look: Die Paramount-Backlots wurden voll ausgenutzt und verleihen dem Film eine leicht künstliche, mitunter märchenhafte, mithin eben echte Hollywood-Anmutung, die nur wenig später ausschließlich den wirklich großen Blockbustern vorbehalten war.

Regisseur Mark DiSalles claim to fame ist der deutlich bekanntere und beliebtere KICKBOXER, der nicht nur Jean Claude van Damme in der Hauptrolle, sondern mit dem fiesen Tong Po (Michael Qissi) auch einen wirklich legendären Schurken des Prügelfilms aufbietet (vor kurzem gab es ein Remake). Da kann THE PERFECT WEAPON nicht mithalten, auch wenn er sich anstrengt und neben Professor Toru Tanaka auch noch Cary Hiroyuki-Tagawa als Bösewicht aufbietet. Wahrscheinlich wird man ihn aber vor allem wegen der Verwendung von Snap!’s Megahit „The Power“ in Erinnerung behalten, der gleich zu Beginn eine Solo-Kenpo-Darbietung von Schwarzgurt Speakman untermalt. Sekunden später wird sein Held Jeff Sanders am Telefon mit einem Überfall auf seinen väterlichen Freund Kim (Mako) konfrontiert, dem er dann kurz entschlossen zu Hilfe eilt. Anstatt weiter auf die Tube zu drücken, bremst DiSalle das Tempo unerklärlicherweise und baut eine ellenlange, mehrteilige Rückblende ein, die uns erklärt, wie Jeff einst von Kim in die Kenpo-Schule von Meister Lo (Seth Sakai) gebracht wurde, wie er anschließend die Kampfkunst lernte und dann denn Sündenfall erlebte, als er einen fiesen Schulbully krankenhausreif schlug. Hier liegt dann auch der Quell für einen in der Gegenwart des Films immer noch schwelenden Konflikt mit Jeffs strengem Armypapa und seinem jüngerem Bruder, dem er damals zur Hilfe eilte. Zurück in der Heimat gilt es also nicht nur, die fiesen koreanischen Gangster zu vertreiben, die Kim erst belästigen, dann töten, sondern auch mit sich und seiner Familie ins Reine zu kommen. Kennt man schon? Ja, stimmt, macht aber nix.

Diese Zeit, die Jahrgänge ’91/’92 markierten für das Actionkino einen Übergang. Es war die letzte Phase, in der die Studios uns darbende Actionfans mit diesen (mittel)groß produzierten Kloppern verwöhnten, wie wir sie in den Achtzigern lieben gelernt hatten. Wenig später verlagerte sich dieser ganze Bereich dann auf den Videomarkt, während sich der Actionfim zum familientauglichen Eventfilm mit immer weiter aufgeblasenen Budgets entwickelte (witzigerweise basiert Jan De Bonts SPEED – einer der größten Action-Kassenschlager der mittleren Neunziger – auf einem Script, das ursprünglich für Speakman gedacht war). OUT FOR JUSTICE, MARKED FOR DEATH, SHOWDOWN IN LITTLE TOKYO, PASSENGER 57, STONE COLD, A.W.O.L., MCBAIN, DOUBLE IMPACT: Hier war die Welt noch in Ordnung. THE PERFECT WEAPON kann mit diesen Titeln nicht ganz mithalten, aber er ist dennoch aus demselben Holz geschnitzt. Ein Relikt der Achtziger, das sich in die Neunziger verirrt hatte. Ich liebe einfach diese Brüche in der Filmgeschichte, diese Umbruchsmomente zwischen den großen Phasen, in deren Schwerelosigkeit plötzlich Dinge entstehen, die sich später kaum mehr einorden lassen. Jeff Speakman ist in dieser Geschichte so etwas wie ein tragischer Held: Wäre THE PERFECT WEAPON nur ein paar Jahre früher entstanden, hätte er vielleicht tatsächlich eine lukrative Karriere als Actionheld erleben dürfen, so hatte die Paramount aber nach nur einem Film keine Verwendung mehr für ihn und er verabschiedete sich nach dem noch mit einem limitierten Release bedachten STREET KNIGHT schnell in den DTV-und Pay-TV-Bereich, ohne dort jedoch den Kultstatus zu erreichen, den sich dort so mancher Martial Artist erarbeitete. Hier im Blog kann man immerhin noch etwas über DEADLY OUTBREAK lesen.

 

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