Archiv für Juni, 2018

Es gibt nicht allzu viele wirklich stichhaltige Argumente, aber irgendwie mag ich THE PERFECT WEAPON, mochte ihn auch schon damals, obwohl die 18er-Freigabe Dinge versprach, die der Film dann nicht einhalten konnte oder wollte. Ich kann mir nicht helfen, aber ich habe einfach ein Faible für diese unterambitionierten Videofilme, die aus unerfindlichen Gründen auf der großen Leinwand landen, in einem akuten (und sympathischen) Anfall von mangelndem Urteilsvermögen der sonst alle Register der Markt- und Zielgruppenforschung ziehenden und sich damit vor knallenden Flops absichernden Studios. Möglicherweise glaubte man bei Paramount tatsächlich, mit Speakman einen neuen Seagal an der Angel zu haben: Anders lässt sich die Tatsache, dass sie diesem in Martial-Arts-Kreisen zwar respektierten, aber dennoch eher persönlichkeitsarmen Langweiler mit einem Multi-Film-Deal ausstatteten (der dann aber nach dem nur mäßigen Abschneiden von THE PERFECT WEAPON schnell platzte wie eine Seifenblase). Nicht falsch verstehen: Speakman macht seine Sache schon ganz ordentlich, schauspielerisch wahrscheinlich sogar besser als so mancher Kollege, aber er bringt nur wenig jener unverwechselbaren Eigenschaften mit, die ein Actionheld nun einmal braucht. Auch der Film, den man um ihn herum gebaut hat, ist auffallend unauffällig: eine Heimkehrer-und-Rache-Geschichte, wie man sie in diesem Genre schon tausend Mal gesehen hat, meist sogar mit spektakuläreren Fights, halsbrecherischeren Stunts, fieseren Brutalitäten, hassenswerteren Schurken und überlebensgrößeren Helden. Was THE PERFECT WEAPON seinen billigen Brüdern im Geiste voraus hat, ist sein überaus gediegener Studio-Look: Die Paramount-Backlots wurden voll ausgenutzt und verleihen dem Film eine leicht künstliche, mitunter märchenhafte, mithin eben echte Hollywood-Anmutung, die nur wenig später ausschließlich den wirklich großen Blockbustern vorbehalten war.

Regisseur Mark DiSalles claim to fame ist der deutlich bekanntere und beliebtere KICKBOXER, der nicht nur Jean Claude van Damme in der Hauptrolle, sondern mit dem fiesen Tong Po (Michael Qissi) auch einen wirklich legendären Schurken des Prügelfilms aufbietet (vor kurzem gab es ein Remake). Da kann THE PERFECT WEAPON nicht mithalten, auch wenn er sich anstrengt und neben Professor Toru Tanaka auch noch Cary Hiroyuki-Tagawa als Bösewicht aufbietet. Wahrscheinlich wird man ihn aber vor allem wegen der Verwendung von Snap!’s Megahit „The Power“ in Erinnerung behalten, der gleich zu Beginn eine Solo-Kenpo-Darbietung von Schwarzgurt Speakman untermalt. Sekunden später wird sein Held Jeff Sanders am Telefon mit einem Überfall auf seinen väterlichen Freund Kim (Mako) konfrontiert, dem er dann kurz entschlossen zu Hilfe eilt. Anstatt weiter auf die Tube zu drücken, bremst DiSalle das Tempo unerklärlicherweise und baut eine ellenlange, mehrteilige Rückblende ein, die uns erklärt, wie Jeff einst von Kim in die Kenpo-Schule von Meister Lo (Seth Sakai) gebracht wurde, wie er anschließend die Kampfkunst lernte und dann denn Sündenfall erlebte, als er einen fiesen Schulbully krankenhausreif schlug. Hier liegt dann auch der Quell für einen in der Gegenwart des Films immer noch schwelenden Konflikt mit Jeffs strengem Armypapa und seinem jüngerem Bruder, dem er damals zur Hilfe eilte. Zurück in der Heimat gilt es also nicht nur, die fiesen koreanischen Gangster zu vertreiben, die Kim erst belästigen, dann töten, sondern auch mit sich und seiner Familie ins Reine zu kommen. Kennt man schon? Ja, stimmt, macht aber nix.

Diese Zeit, die Jahrgänge ’91/’92 markierten für das Actionkino einen Übergang. Es war die letzte Phase, in der die Studios uns darbende Actionfans mit diesen (mittel)groß produzierten Kloppern verwöhnten, wie wir sie in den Achtzigern lieben gelernt hatten. Wenig später verlagerte sich dieser ganze Bereich dann auf den Videomarkt, während sich der Actionfim zum familientauglichen Eventfilm mit immer weiter aufgeblasenen Budgets entwickelte (witzigerweise basiert Jan De Bonts SPEED – einer der größten Action-Kassenschlager der mittleren Neunziger – auf einem Script, das ursprünglich für Speakman gedacht war). OUT FOR JUSTICE, MARKED FOR DEATH, SHOWDOWN IN LITTLE TOKYO, PASSENGER 57, STONE COLD, A.W.O.L., MCBAIN, DOUBLE IMPACT: Hier war die Welt noch in Ordnung. THE PERFECT WEAPON kann mit diesen Titeln nicht ganz mithalten, aber er ist dennoch aus demselben Holz geschnitzt. Ein Relikt der Achtziger, das sich in die Neunziger verirrt hatte. Ich liebe einfach diese Brüche in der Filmgeschichte, diese Umbruchsmomente zwischen den großen Phasen, in deren Schwerelosigkeit plötzlich Dinge entstehen, die sich später kaum mehr einorden lassen. Jeff Speakman ist in dieser Geschichte so etwas wie ein tragischer Held: Wäre THE PERFECT WEAPON nur ein paar Jahre früher entstanden, hätte er vielleicht tatsächlich eine lukrative Karriere als Actionheld erleben dürfen, so hatte die Paramount aber nach nur einem Film keine Verwendung mehr für ihn und er verabschiedete sich nach dem noch mit einem limitierten Release bedachten STREET KNIGHT schnell in den DTV-und Pay-TV-Bereich, ohne dort jedoch den Kultstatus zu erreichen, den sich dort so mancher Martial Artist erarbeitete. Hier im Blog kann man immerhin noch etwas über DEADLY OUTBREAK lesen.

 

Jeff Wincott (mit zurückgeslickten Haaren und knöchellangem Mantel) ist der Polizist Sean Thompson: Nachdem er zu Beginn als Penner getarnt einen Waffenhandel platzen lässt – gemeinsam mit Kollegin Billie Blake (Cynthia Rothrock) -, wird er zum Detective befördert und in das Revier von Captain Krantz (Billy Drago) versetzt. Hier trifft er einen alten Akademie-Kumpel wieder, der wenig später in einem anscheinend selbstverursachten Autounfall verunglückt. Thompson glaubt natürlich nicht an einen Unglücksfall und beginnt zu ermitteln: Er kommt dem schurkischen Unternehmer Hamilton (Paul Johansson) auf die Schliche: Er hat eine Menge Dreck am Stecken, schmiert die Polizei, treibt Frauen in die Prostitution, betreibt MMA-Fights im Hinterzimmer seiner Bar und ist auch sonst ein echtes Arschloch …

Typische DTV-Kickbox-Action aus den frühen Neunzigern, genauso gut oder schlecht wie die meisten anderen Titel aus jener Zeit auch, idealer Stoff für einen lauen Videoabend also, bei dem man am besten einen ganzen Stapel solcher Hobel zur Verfügung hat und dann wechseln kann, wenn man Abwechslung braucht. MARTIAL LAW II ist sauber produziert, hat mit Wincott und Rothrock zwei Hauptdarsteller, bei denen es zu den ganz großen Weihen nicht gereicht hat, die aber doch sympathisch rüberkommen und ihre Fights adäquat absolvieren. Es gibt deutlich miesere Titel in diesem Segment, aber für die Spitze reicht es auch nicht.

Das Manko, das die meisten dieser mittelguten Actiongülle-Dinger mit sich bringen: Actiontechnisch geht tatsächlich eher wenig. Auch wenn sich die Figuren alle zehn Minuten mit Roundhouse-Kicks die Fresse polieren, richtig spektakulär oder gar spannend ist das selten. Das hat zum einen damit zu tun, dass diese Filme meist ultragenerisch sind, man immer weiß, was als nächstes kommt und erst gar keine Überraschungen versucht werden, zum anderen aber auch damit, dass die Inszenierung eher vom Typ „Ärmel hoch und in die Hände gespuckt“ ist. Kamera aufgestellt und drauf losgefilmt, echte Finessen oder gefährliche Stunts stellten wahrscheinlich ein zu großes Risiko dar. Das manische Geprügel – jede Kneipenschlägerei artet immer gleich zum MMA-Spektakel aus – ist auf Dauer eher ermüdend und führt zu nichts. Es ist eine richtiggehde Wohltat, wenn im Finale, das natürlich in einer Fabrik mit den obligatorischen Rohren, von der Decke hängenden Ketten, Treppen und Metallstegen stattfindet, endlich mal die Pumpgun ausepackt und für blutige Einschüsse verwendet wird. MARTIAL LAW II: UNDERCOVER ist OK, amüsant vor allem, wenn man sich an den ewig gleichen Klischees erfreuen kann, mehr aber auch nicht.

Der Neoliberalismus fräst sich in alle Lebensbereiche und zieht dort immer tiefere Schneisen. Beispiel Profisport: Wer in Deutschland und Europa Fußball verfolgt, sieht einen eigentlich nur noch auf dem Papier bestehenden Wettbewerb, bei dem nur eine Handvoll Mannschaften sich um die prestgeträchtigen und geldwerten Titel streitet, die dafür sorgen, die Kluft zu den restlichen Vereinen noch zu vergrößern. Diese können nur hoffen, den Abstieg in untere Klassen zu vermeiden: Was immer schwieriger wird, da interessante Spieler sofort von den Großen abgeworben werden. Die Lösung dieser verfahrenen Situation besteht ironischerweise darin, sich endgültig von den Wurzeln zu trennen und den „Kleinen“ durch die Verabschiedung von der 50+1-Regel, die Investoren verbietet, sich in Vereine einzukaufen (Ausnahmen bestätigen die Regel), die Chance zu geben, sich einen Platz an den Fleischtöpfen zu sichern. Eine Entscheidung, die viele mit Grausen heraufziehen sehen und oft amerikanische Zustände befürchten.

Den Wettbewerb in den amerikanischen Profiligen bestreiten nämlich keine Vereine, die sich über Jahrzehnte nach oben gekämpft haben, sondern seit ehedem Konzerne. Es gibt keine Auf- und Absteiger am Ende der Saison, stattdessen ziehen Mannschaften schon einmal von einer Stadt in eine andere (zum letzten Mal 2005, als aus den Montreal Expos die Washington Nationals wurden) oder die Ligen werden um neu gegründete franchises erweitert (zuletzt 1998 mit der Expansion um die Arizona Diamondbacks und die Tampa Bay Rays). Die Wettbewerbsfähigkeit aller Teilnehmer sichert hingegen das sogenannte drafting, bei dem die einzelnen Mannschaften nach einer vorher festgelegten Reihenfolge die viel versprechendsten Highschool- und Collegespieler verpflichten dürfen. Bei dieser Reihenfolge werden grade schwächere Clubs bevorzugt, sodass diese in den Genuss kommen, den großen, finanziell besser gestellten Mannschaften das neue Supertalent wegschnappen zu können. Doch nicht immer halten diese draft picks das Versprechen und am Ende ist es auch hier so, dass finanzstarke Clubs gegenüber den kleineren einen immensen Vorteil haben, weil sie ihnen die besten Spieler abkaufen oder eben vorenthalten können.

Die Frage, wie man mit diesem Handicap umgeht, wie man mit Mitteln der Analyse und Statistik eine gleichzeitig günstige wie schlagkräfige Truppe zusammenstellt, bewegte zur Jahrtausendwende auch den ehemaligen, erfolglosen Baseballspieler Billy Beane, den General Manager der finanzschwachen Oakland Athletics. Wie sollte er mit einem Budget von knapp 40 Millionen US-Dollar mit Teams konkurrieren, die das Dreifache zur Verfügung hatten? Er war überzeugt: Er musste ganz neue Wege gehen. Zusammen mit dem Harvard-Wirtschaftsabsolventen Paul DePodesta, einem Statistikspezialisten, wendete er bei der Zusammenstellung seines neuen Teams die Methoden der Sabermetrics an: Dahinter steckt eine neue Form der Analyse und Interpretation des erfassten Datenmaterials, das im Baseballsport akribisch gesammelt und erfasst wird. Während Scouts und Manager bei der Bewertung von Spielern üblicherweise besonders auf den Batting Average (den „Schlagdurchschnitt“), die RBIs (Runs batted in = die Zahl der hereingeschlagenen Punkte) und die Wins (die Siege eines Pitchers) eines Spielers berufen, beruhen die Sabermetrics auf der These, dass diese Daten nicht wirklich aussagekräftig sind. Der Schlagdurchschnitt berücksichtigt keine Extra-Base-Hits und sagt nichts über die erzielten Runs aus, der Win wird nicht vom Pitcher allein errungen, genauso wenig wie der RBI einem Spieler allein gehört. Um die nicht baseballkundigen Leser nicht weiter zu langweilen: DePodesta konzentrierte sich bei seiner Analyse auf andere Werte, wie den On-Base-Percentage (der eine Aussage darüber trifft, wie oft ein Spieler auf Base kommt, ganz egal wie) oder den Slugging Percentage (der die Zahl der erreichten Bases mit in die Rechnung einbezieh)t. Am Ende seiner Analyse hatten DePodesta und Beane mithilfe dieser Daten eine Liste von Spielern, die bei den großen, traditionell bewertenden Clubs durch die Maschen gerutscht oder abgeschrieben und deshalb erschwinglich waren. Das Team aus Aussortierten, Übersehenen und Abgeschriebenen wurde zunächst verlacht und startete desaströs in die 2002er Saison, in deren Verlauf es dann jedoch den Rekord von 20 in Folge gewonnenen Spielen brach und schließlich ins Finale einzog – bei dem es dann jedoch unterlag. Dennoch: Beanes Methode bedeutete einen Paradigmenwechsel und führte dazu, dass Clubs ihre Analyse und ihr Scouting einer Neubertung unterzogen.

MONEYBALL basiert auf dem gleichnamigen Bestseller von Michael Lewis, der Beanes Geschichte erzählt und die Methode der Sabermetrics einem breiteren Publikum bekannt machte. Millers Film (der Regisseur ersetzte den ursprüglich vorgesehenen Soderbergh) beginnt mit dem verlorenen 2001er Endspiel gegen die übermächtige Yankees und dem folgenden Ausverkauf der drei Starspieler der A’s. Wie soll Beane (Brad Pitt) diesen Verlust mit seinem Budget wettmachen? Die Vorschläge seiner Scouts überzeugen ihn nicht, zumal ihm klar ist, dass sie mit ihren Prognosen keine Sicherheit bieten. Er muss das Spiel neu erfinden. Den Ansatz liefert ihm der junge Berater Peter Brand (Jonah Hill), den er bei einem gescheiterten Transfergespräch bei den Cleveland Indians findet und sogleich abwirbt, weil er spürt, dass der junge Mann etws weiß, was andere nicht wissen. Der mit Brand gemeinsam aufgestellte Einkaufszettel verprellt sowohl die traditionelle arbeitenden Scouts als auch den Trainer der A’s, Art Howe (Philip Seymour Hoffmann), der selbst unter dem Druck steht, gewinnen zu müssen, um einen Anschlussvertrag zu erhalten. Beane kämpft also nicht nur gegen die finanziellen Verhältnisse an, sondern auch gegen Scheuklappen, Engstirnigkeit und das traditionelle Wertesystem des Baseball. Am Ende gewinnt er zwar keinen Titel, aber er verändert den Sport: Ein einflatterndes Millionenangebot der Red Sox lehnt er ab, um weiter bei seinen A’s zu bleiben, für die er bis heute tätig ist (ohne je einen Titel gewonnen zu haben).

MONEYBALL kann sich zwar auf seine faszinierende Underdog-Geschiche sowie auf die exzellenten Darbietungen seiner beiden Hauptdarsteller (sowie von Philip Seymour Hoffman) verlassen, hat aber erwartungsgemäß damit zu kämpfen, ein Thema verbildlichen zu müssen, das sich dafür nicht unbedingt anbietet. Die Zahlenreihen und Formeln, die hinter den Sabermetrics stehen, die Wahrscheinlichkeitsrechnungen und Prognosen, um die es eigentlich geht, nehmen dann auch nur eine sehr untergeordnete Rolle in Millers Film ein. Dafür, dass es um einen Paradigmenwechsel geht, greift das Drehbuch von Steven Zaillian und Aaron Sorkin stattdessen auf einige gut abgehangene Klischees des Sportfilms zurück. MONEYBALL unterscheidet sich so nur wenig von gängigen Das-Kollektiv-ist wichtiger-als-der-Einzelne-Geschichten. Beane ist der erfolgshungrige Workaholic, der von Ernnerungen an seine gescheiterte Profikarriere geplagt wird und sich von seiner zwölfjährigen Tochter Lieder vorsingen lässt. (Pitt zeigt wieder einmal, dass er perfekt für diese vor Adrenalin vibrierenden Querdenker ist.) Brand ist der schüchterne Nerd und Außenseiter, der von den alten Hasen misstrauisch beäugt wird. Howe einer dieser Veteranen, der sich von ein paar Spinnern mit Computer nicht die Karriere versauen lassen will. Das Team muss sich erst zusammenraufen, ein paar faule Eier aussortiert werden, die vermeintlichen Versager erst neues Selbstvertrauen tanken. Das alles kennt man schon und Millers zurückhaltende Regie begnügt sich ebenfalls damit, das Drehbuch auf die Leinwand zu bringen. Das heißt nicht, dass MONEYBALL ein schlechter Film ist: Die zwei Stunden vergehen wie im Flug, es macht Spaß Pitt und Hill zuzusehen und auf dem Weg zum Finale fallen durchaus ein paar tolle Szenen ab, die sich meist um Beanes psychologische Takterereien drehen. Nicht, dass ich einen radikaleren Zahlenfilm wirklich erwartet hätte. Aber ich würde ihn mir wünschen.

 

policewomen (lee frost, usa 1974)

Veröffentlicht: Juni 3, 2018 in Film
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Beim Gefängnisausbruch diverser weiblicher Schwerbrecherinnen beweist die aufmüpfige Wärterin Lacy Bond (Sondra Currie) herausragenden Kampfgeist und wird daraufhin von drei FBI-Beamten rekrutiert, um ein Verbrechersyndikat auszuhebeln. Das Syndikat wird angeführt von der knorrigen Oma Maude (Elizabeth Stuart), die eine ganze Armee schöner Damen befehligt und so einen Goldraub nach dem anderen durchzieht. Lacy soll die Gruppe infiltrieren, aber Pam (Jeannie Bell), eine der Ausbrecherinnen, ist ihr schon zuvorgekommen …

Lee Frost ist einer der zahllosen Filmemacher, die in den Siebzigerjahren dafür sorgten, dass Pennbrüder, Trenchcoatträger und jugendliche Fummler in den Bahnhofskinos und Drive-ins regelmäßig mit frischer Ware versorgt wurden. Softsex, Mondo, Horror, Sleaze, Action, Bikerfilme, Blaxploitation: Was immer gerade angesagt war, Frost hatte einen Film dazu in petto. Seinen Platz in der Geschichte des zweifelhaften Films sicherte er sich mit dem ultraschäbigen LOVE CAMP 7, dem man nachsagt, die Naziploitation losgetreten zu haben, aber auch Tite wie THE BLACK GESTAPO, THE THING WITH TWO HEADS, CHAIN GANG WOMEN und THE SCAVENGERS haben einen guten Klang unter Freunden des Schmutzigen und Geschmacksverwirrten.

Sein POLICEWOMEN – der in Deutschland mit dem sagenhaft idiotischen Titel SADOMONA – INSEL DER TEUFLISCHEN FRAUEN geschlagen wurde – aus dem Jahr 1973 ist ein recht typischer Vertreter des damaligen B-Actionfilms: Man erkennt die deutlichen Anleihen beim Blaxploitation-, Martial-Arts- und Agentenfilm. Lacy Bond teilt mit dem berühmten Superagenten nicht nur den Nachnamen, sondern ist ebenso wie dieser mit unantastbarem Selbstbewusstsein und den Mitteln ausgestattet, sich aus jeder Bredouille herauszuschlagen: Noch dazu sieht sie umwerfend aus und verdreht den Männern reihenweise die Köpfe. Ihre Gegenspielerin Maude ist aus dem selben Holz geschnitzt wie die Blofelds, Dr. Nos und Strombergs des Bond-Universums, auch wenn sie nicht die Weltherrschaft anstrebt, sondern sich mit einfachem Reichtum begnügt. Der zuverlässige henchman an ihrer Seite ist der tumbe, aber bärenstarke Raymond (Wes Bishop), mit dem die alte Vettel auch eine (allerdings nur angedeutete) Liebesaffäre unterhält. Die ethnisch diverse Frauenarmee könnte durchaus umstürzlerisches Potenzial entwickeln, aber so weit geht Frost leider nicht: Subtextuell läuft es aber natürlich mit, dass eine von geckenhaften, herablassenden, mitunter grotesk inkompetenten Männern regierte Welt beim unterlegenen Geschlecht massive Frustrationen auslöst. In der Figur der Pam kulmniert das: Mit Riesenafro ausgestattet, wird sie gleich zu Beginn als Black Muslim (und natürlich als „Nigger“) tituliert, ihr Zorn fühlt sich echt an, während ihre weiße Kollegin in erster Linie eine Karriere machen möchte – und sich dann ja auch nicht scheut, mit dem Obermacho von FBI ins Bett zu steigen.

Aber dennoch ist POLICEWOMEN vor allem liebenswert: Klar, auch er nutzt seinen quasifeministischen Plot weidlich dafür, attraktive Frauen in engen Klamotten oder eben nackt zu zeigen, aber er ist dabe nicht ganz so verlogen wie andere Werke. Die Männer sind hier tatsächlich fast ausnahmslos Trottel und Frost hat Spaß daran, sie bloßzustellen. Am dicksten bekommt es B-Movie-Toughie William Smith als großmäulig-schmieriger Karatelehrer ab: Nicht nur dass Lacy ihm ein paar Zähne ausschlägt, er heult dann anschließend auch noch wie ein kleines Mädchen darüber, dass er ja nun nicht mehr so hübsch sei. Die deutsche Synchro trägt mit ihren Einfällen zum kruden, mitunter albernen Humor des Films bei, ohne sich dabei jedoch in Brandt’sche Absurditätssphären zu katapultieren und das filmische Geschehen völlig zu überlagern. Ein hübscher kleiner Timewaster, dem auch das antiklimaktische Finale keinen echten Schaden anhaben kann.