la bambola di satana (ferruccio casapinta, italien 1969)

Veröffentlicht: September 11, 2018 in Film
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Ein Giallo aus der untersten Schublade: Elizabeth (Erna Schurer) ist die rechtmäßige Erbin eines Schlosses, dessen ursprünglicher Besitzer unter mysteriösen Umständen verstorben ist. Bald wird sie von nächtlichen Erscheinungen heimgesucht und überdies verschwindet der Notar spurlos. Offensichtlich will sie jemand zum Verkauf des alten Kastens bringen, in dessen Keller sich wertvolles Uran befindet …

Die Storyline kennt man aus hunderten gediegener Mysteryfilme, umso erstaunlicher, wie lahmarschig Regisseur Casapinta seinen Film inszeniert. Besonders idiotisch: Von Anfang an trägt sich Elizabeth eigentlich mit der Idee, das Schloss zu verkaufen, sodass der ganze Spuk, den die Bösewichter da entachen, eigentlich vollkommen unnötig ist. Wenn sich der titelgebende „Satan ohne Gesicht“, ein Blofeld-artiger Superschurke, der sich als freundlicher Gutsbesitzer getarnt hat, einfach mal mit dem Geldkoffer vorbeigekommen wäre, wäre er sehr wahrscheinlich komplett ohne Verbrechen ausgekommen. Logische Ungereimtheiten (die in solchen Schinken ja auch irgendwie Spaß machen) beiseite, LA BAMBOLA DI SATANA ist als Giallo ein Totalversager, weil endlos langweilig. Die Unentschlossenheit Elizabeths wie der Schurken mutet schon fast neurotisch an: Der Film hüpft ungeduldig von einem Fuß auf den anderen, wie ein kleines Kind, das dringend mal Pipi muss, aber keine Lust hat aufs Klo zu gehen.

Die Tristesse, die LA BAMBOLA DI SATANA visuell verströmt, passt da wie die Faust aufs Auge und ist der eigentliche Star des Films. Das Schloss, dessen Außenansichten offenkundig von zwei ganz unterschiedlichen Gebäuden stammen, ist eine wanzenverseuchte Absteige, die dringend den Einsatz einer Putzkolonne vertragen könnte und im krassen Widerspruch zu den Anpreisungen der Charaktere steht. Auch die Raumplanung scheint fragwürdig, nimmt man das bescheidene Kämmerlein als Maßstab, das da als Speisesaal dient. Und die „historisch bedeutsamen“ Requisiten, die samt angegammelter Wachsfiguren im Kerker vor sich hin schimmeln, locken ebenfalls keinen Hund hinter dem Ofen hervor. Ganz herrlich auch das gastronomische Etablissement, in das sich der Film regelmäßig verirrt und in dem stets dieselben fünf Leute in denselben Klamotten auf der Tanzfläche den Eindruck von Stimmung zu erwecken versuchen. „Das Essen hier ist hervorragend“, sagt ein Statist im Brustton der Überzeugung: Der Zuschauer, der zuvor den Blick, auf die servierten Köstlichkeiten erhascht hat, weiß es besser. So geht das den ganzen Film über: Die ratlosen Darsteller bemühen sich verzweifelt, Normalität und Plausibilität zu suggerieren, doch die Inszenierung Casapintos lässt – unterstützt von einer rammdösigen Synchro – noch die banalsten Handlungen wie bizarre Rituale eines mysteriösen Kults erscheinen. Sehr rätselhaft auch die beiden Kriminalbeamtinnen, die der Film immer wieder zu vergessen scheint, und die dann völlig unmotiviert auftauchen, bevor sie wieder verschwinden.

Für Filme wie LA BAMBOLA DI SATANA wurde das Prädikat „geil langweilig“ erdacht. Ein furchtbar unbeholfenes Teil, das heute in dieser Form gänzlich undenkbar wäre und deshalb umso liebenswerter ist. Nur das nötige SItzfleisch sollte man mitbringen.

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Kommentare
  1. Jan Bantel sagt:

    Also eine ganz andere Art von „Langeweile“ wie etwa bei „A doppia faccia“, dem man ja auch als öde bezeichnen kann, der hingegen irgendwie gerade dadurch fasziniert? ^^

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